Am 23. August billigte die US-Regierung einen potenziellen Vertrag über 364 Millionen Dollar für die Lieferung von 5031 spezialisierten APKWS-II-Systemen an Italien, berichteten Korrespondenten der vietnamesischen Nachrichtenagentur VNA in Rom unter Berufung auf die Zeitung La Repubblica. Im Grunde handelt es sich um Lenkmodule, die herkömmliche nicht gelenkte 70-mm-Raketen in „smarte' Munition verwandeln, die Ziele eigenständig erkennen und bekämpfen kann, darunter auch unbemannte Luftfahrzeuge. Der gebilligte Deal wurde zu einem bemerkenswerten Kapitel in einer Reihe transnationaler Rüstungsbeschaffungen, die vor dem Hintergrund der Verbreitung von Drohnen der neuen Generation die Arsenalen der NATO-Staaten rasch umgestalten.

Was ist APKWS II und wie funktioniert es

Das APKWS-II-System ist ein Laserlenkmodul, das auf den vier Steuer- und Stabilisatorflossen der Rakete montiert wird. Genau diese Sensoren korrigieren die Flugbahn und erhöhen die Treffergenauigkeit. Obwohl die Basisrakete vor etwa 15 Jahren zur Bekämpfung von Bodenzielen – Panzern, Artillerie, Feuerstellungen – entwickelt wurde, ist APKWS II seit 2022 schnell zu einem der wirksamen Mittel zur Drohnenabwehr geworden. Die angegebene Reichweite beträgt etwa 5 Kilometer, und der entscheidende Vorteil liegt in der Kombination aus Präzision und geringem Preis.

Die wirtschaftliche Logik: Warum nicht für Millionen auf eine Drohne schießen

Das Hauptargument für APKWS II ist die wirtschaftliche Vernunft. Jedes Modernisierungskit für eine nicht gelenkte Rakete kostet rund 15.000–22.000 Dollar, was es um ein Vielfaches günstiger macht als teure Luft-Luft-Raketen, deren Preis sich in Millionen bemisst. So lassen sich keine Premium-Munitionsmittel zur Zerstörung vergleichsweise günstiger Drohnen verschwenden, was besonders in Spannungszonen wie dem Roten Meer oder der Persischen Bucht aktuell ist, wo der massenhafte Einsatz von UAVs zur Normalität geworden ist. Der Kauf von 5031 Systemen für 364 Millionen Dollar erscheint damit als Wette auf eine massive, aber günstige Abwehr der Drohnenbedrohung.

Integration in die italienischen Streitkräfte

Es wird erwartet, dass die neuen Systeme auf Eurofighter-Jäger der italienischen Luftwaffe sowie auf AW249-Fenice-Kampfhubschrauber der Heereskräfte montiert werden. Dieser Ansatz wird den Schutz vor Luftraumverletzungen auf verschiedenen Höhen und von verschiedenen Plattformen – von taktischen Hubschraubern bis zu Frontjägern – erhöhen. Für Rom ist dies ein Schritt zur Schaffung eines mehrstufigen UAV-Abwehrsystems, das luftgestützte und bodengestützte Mittel kombiniert.

Einschränkungen und Risiken

Experten weisen jedoch darauf hin, dass selbst ein erhebliches Beschaffungspaket nicht alle Probleme löst. APKWS II ist vor allem gegen langsam fliegende Propeller-Drohnen wirksam, deren Geschwindigkeit etwa 100 km/h beträgt. Gleichzeitig sind viele Drohnen der neuen Generation mit Turboladerstrahltriebwerken ausgestattet und erreichen Geschwindigkeiten von über 500 km/h, was die Anwendbarkeit des Systems gegen sie in Frage stellt. Darüber hinaus schaffen die hohen Entwicklungstempo der UAV-Technologien – Updates alle 6–9 Monate – für Italien ein Dilemma langfristiger Investitionen: Heute gekauftes Gerät riskiert, schneller zu veralten, als es sich amortisiert.

Kontext: Polen und „PIORUN'

Vor dem Hintergrund des italienischen Deals ist der parallele Prozess in Polen zu erwähnen. Am 24. August wurde im Werk „Mesko' in Skarżysko-Kamienna in Anwesenheit des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Verteidigungsministers Władysław Kosiniak-Kamysch ein Rahmenabkommen über die Lieferung tausender tragbarer Flugabwehrraketenkomplexe „PIORUN' unterzeichnet. Mehr als 80 % der bestellten Raketen und Startgeräte sind für die polnische Armee bestimmt, etwa 20 % für andere NATO-Mitgliedstaaten im Rahmen des gemeinsamen Beschaffungsprogramms SAFE. „PIORUN' ist ein polnischer MANPADS, der als erhebliche Modernisierung des Systems „GROM' entwickelt wurde, das seinerseits auf dem sowjetischen Komplex „Igla' basiert. Beide Fälle – Italiens und Polens – spiegeln den gemeinsamen NATO-Trend auf massive, mehrstufige und vergleichsweise günstige Drohnenabwehr wider.

Widersprüchliche Daten

In den vorliegenden Materialien gibt es einige Unstimmigkeiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens geht die Kostenarithmetik nicht sauber auf: Multipliziert man den angegebenen Kit-Preis (15.000–22.000 Dollar) mit 5031 Systemen, ergibt sich ein Betrag von rund 75–110 Millionen Dollar, nicht 364 Millionen. Das bedeutet, dass entweder die Gesamtsumme des Vertrags neben den Lenkmodulen noch Raketen, Integration, Schulung und Logistik umfasst, oder der „pro-Kit'-Preis sich nur auf das Lasermodul und nicht auf den vollständigen Munitionssatz bezieht. Zweitens wird das System in der Bildunterschrift als „amerikanischer Flugabwehrraketenkomplex APKWS-II' bezeichnet, während es im Text als Lenkmodul für eine 70-mm-Rakete beschrieben wird, die ursprünglich für Bodenziele bestimmt war. Diese Unterschiede in der Formulierung nehmen dem Fakt der gebilligten Transaktion nichts, deuten aber darauf hin, dass die genaue Zusammensetzung und Struktur des 364-Millionen-Pakets bei den Ursprungsquellen zu klären ist.