Am 17. Oktober 2026, vor dem Hintergrund einer Reihe gewaltsamer Vorfälle in israelischen Siedlungen im Westjordanland, forderten zwei einflussreiche Akteure – die USA und China – nahezu gleichzeitig Tel Aviv zu einem Kurswechsel auf. US-Außenminister Marco Rubio forderte Israel auf, die Maßnahmen gegen Siedlerangriffe zu verstärken, während der chinesische Außenminister Wang Yi dazu aufrief, den Bau neuer Siedlungen zu stoppen und rückgängig zu machen. Beide Erklärungen erfolgten am selben Tag und wurden unter anderem durch die Verbreitung von Videos in sozialen Netzwerken ausgelöst, die einen Angriff auf einen amerikanischen Fotojournalisten zeigten.

Washingtons Erklärung: "entschlossene Maßnahmen ergreifen"

Laut der Zeitung Times of Israel erklärte Marco Rubio, dass Washington "zutiefst besorgt" über die Ereignisse im Westjordanland sei. Er betonte, dass die USA bereits Kontakt zur israelischen Seite aufgenommen und entschlossene Maßnahmen gegen Siedlerangriffe gefordert hätten. Die Erklärung kam vor dem Hintergrund einer Serie von Vorfällen, bei denen nicht nur palästinensische Zivilisten, sondern auch ausländische Journalisten und Diplomaten angegriffen wurden, was nach Einschätzung des US-Außenministers eine sofortige Reaktion Tel Avivs erfordere.

Angriff auf Fotojournalistin und Diplomaten

Auslöser für Rubios Aussage war ein Video, in dem mehrere Personen die amerikanische Fotojournalistin Heidi Levine von der Washington Post angriffen. Berichten zufolge war Levine eine von zwei Personen, die bei dem Vorfall am 17. Oktober verletzt wurden, als israelische Siedler palästinensische Zivilisten angriffen. Zuvor hatte der belgische Außenminister Maxime Prévot bestätigt, dass auch europäische Diplomaten und der Bürgermeister einer französischen Stadt in Siedlungen im Westjordanland angegriffen wurden. Die Häufung dieser Vorfälle hat das Thema der Sicherheit ausländischer Vertreter im Westjordanland faktisch ins Zentrum der diplomatischen Agenda gerückt.

Israels Position: "israelische Unruhestifter"

Die israelische Seite reagierte unterschiedlich auf die Vorfälle. Außenminister Gideon Sa'ar bezeichnete die Verantwortlichen für den Angriff als "israelische Unruhestifter" und distanzierte den Staat damit faktisch von den Handlungen der Täter. Darüber hinaus erklärte er, dass die Diplomaten ihre Bewegungen während ihres Besuchs in der Region mit dem israelischen Militär hätten koordinieren müssen. Damit verlagert Tel Aviv den Schwerpunkt von der staatlichen Verantwortung für Sicherheit hin zur Notwendigkeit der Koordination durch ausländische Missionen – eine Haltung, die von der Position Washingtons und Pekings abweicht, welche systemische Maßnahmen Israels fordern.

Pekings Appell: Zwei-Staaten-Lösung

Am selben Tag, dem 17. Oktober, forderte der chinesische Außenminister Wang Yi Israel auf, den Bau von Siedlungen im Westjordanland zu beenden und rückgängig zu machen. Er betonte, dass eine Zwei-Staaten-Lösung der einzig gangbare Weg zur Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts sei. Er bezeichnete das Palästinenserproblem als die "größte Ungerechtigkeit der Geschichte" und fügte hinzu, dass Israel den gewaltsamen Bau neuer Siedlungen stoppen müsse. Chinas Position deckt sich in der Sache mit der US-Forderung, wurde jedoch in härteren ideologischen Begriffen formuliert.

Kontext: Zunahme von Siedlungen und Gewalt

Berichten der Vereinten Nationen und unabhängiger Beobachterorganisationen zufolge hatte die israelische Regierung bis 2025 den Bau von 54 neuen Siedlungen und 86 zusätzlichen Außenposten im Westjordanland genehmigt. Im gleichen Zeitraum ist laut denselben Quellen die Zahl der gewaltsamen Übergriffe auf Palästinenser in diesem Gebiet deutlich gestiegen. Diese Daten bilden den Hintergrund für die Appelle aus Washington und Peking: Beide Seiten verweisen auf eine stetige Dynamik der Siedlungserweiterung und zunehmender Gewalt und fordern eine politische Überprüfung durch Tel Aviv. Die unterschiedliche Einschätzung der Verantwortung für konkrete Vorfälle – Israel spricht von "Unruhestiftern", während USA/China staatliche Maßnahmen fordern – bleibt ein zentraler Streitpunkt im laufenden diplomatischen Austausch.