Die US-Luftwaffe hat die Suche nach Auftragnehmern für die Produktion einer neuen Charge von ERAM-Marschflugkörpern (Extended Range Attack Munition) angekündigt, die für die Lieferung an die Ukraine bestimmt sind. Laut der veröffentlichten Anfrage an die Hersteller handelt es sich um mehr als tausend Flugkörper, die innerhalb von 15 Monaten nach Vertragsabschluss geliefert werden sollen. Die Unternehmen müssen ihre Angebote bis zum 19. November einreichen, und die ersten Exemplare müssen spätestens drei Monate nach Vertragsunterzeichnung eintreffen. Die Anfrage legt strenge technische Parameter fest, die auf Massenproduktion und Einsatz unter aktiven Gegenmaßnahmen ausgelegt sind.

Was ist ERAM und wofür wird es benötigt

ERAM ist ein kleiner luftgestützter Marschflugkörper, den die US-Luftwaffe als erschwingliche Waffe für Präzisionsschläge gegen wichtige stationäre Ziele aus sicherer Entfernung beschreibt. Die Kernidee des Konzepts ist die Kombination von relativ niedrigen Stückkosten mit der Möglichkeit zur Massenfertigung, was gezielte Schläge ohne kritischen Verlust teurer Systeme ermöglicht. Die Rakete kann unter anderem von F-16-Kampfjets gestartet werden, was den Kreis der Träger erweitert und das System taktisch flexibel macht.

Technische Anforderungen an den Flugkörper

In der Anfrage legte die Luftwaffe spezifische Eigenschaften fest: Der Flugkörper muss zur 500-Pfund-Klasse (ca. 227 kg) gehören und eine Distanz von über 250 Seemeilen, also über 460 km, zurücklegen können. Die Fluggeschwindigkeit darf 0,6 Mach nicht überschreiten. Die Zielgenauigkeit ist ein kritischer Parameter: Die Abweichung vom Ziel darf 10 Meter nicht überschreiten, selbst wenn der Gegner GPS-Signale stört. Neben der Splittersprengwirkung muss ERAM in der Lage sein, beim Aufprall Schutzstrukturen teilweise zu durchschlagen, was die Wirksamkeit gegen befestigte Objekte erhöht.

Zeitplan und Auftragsvolumen

Das Volumen der aktuellen Beschaffung beträgt mehr als 1.000 Flugkörper, und die gesamte Charge muss innerhalb von 15 Monaten geliefert werden. Die Anforderungen an die Liefergeschwindigkeit sind streng: Die ersten Flugkörper müssen spätestens drei Monate nach Vertragsunterzeichnung geliefert werden. Ein solcher Zeitplan deutet auf die Absicht hin, die Produktionsmengen schnell zu steigern und einen stetigen Lieferstrom zu gewährleisten, anstatt einer einmaligen Lieferung.

Kontext: Vom Verkauf zum Einsatz

Die aktuelle Anfrage fügt sich in die breitere Dynamik der Lieferungen ein. Im August 2025 kündigte die Trump-Administration den Verkauf von 3.350 ERAM-Flugkörpern an die Ukraine im Wert von 825 Millionen Dollar an. Laut CNN könnten die vom Außenministerium für Kiew genehmigten Flugkörper bereits Ende 2025 eingetroffen sein. Im Juni 2026 spekulierten ukrainische Medien, dass die Ukraine den AGM-188A Rusty Dagger – eine Version der ERAM-Familie – für einen Angriff auf das Halbleiterwerk in Woronesch eingesetzt habe, das Berichten zufolge Komponenten für russische Raketen herstellt.

Finanzierung und die Rolle der Verbündeten

Parallel zur Suche nach ERAM-Auftragnehmern klärt Washington die Finanzierungsfrage für andere Hilfspakete. Laut Bloomberg beabsichtigen die USA, NATO-Verbündete um eine zusätzliche Finanzierung für Rüstungskäufe für die ukrainischen Streitkräfte zu bitten, da für die vereinbarten Pakete etwa 2 Milliarden Dollar fehlen. Eine entsprechende Anfrage könnte bereits im November versandt werden. Somit wird das ERAM-Programm Teil eines umfassenderen Finanz- und Logistikschemas der Unterstützung, bei dem die Kostenteilung zwischen Washington und seinen Partnern eine Schlüsselrolle spielt.