Am Dienstag, dem 1. September, begannen die Streitkräfte der Vereinigten Staaten, Angriffe auf Einrichtungen des Revolutionsgarden-Korps (IRGC) auf iranischem Gebiet durchzuführen. Dies gab das US-Zentrale Kommando (CENTCOM) in einer offiziellen Erklärung bekannt. Laut dem Kommando begannen die Kampfhandlungen um 12:00 Uhr Ostküstenzeit (19:00 Uhr Kiewer Zeit). Die Schläge, so betonte das Pentagon, seien eine Antwort auf die jüngsten Versuche des iranischen IRGC, die kommerzielle Schifffahrt in der Straße von Hormus anzugreifen, sowie auf Drohungen gegenüber in der Region stationierten US-Militärkräften.

Erklärung Trumps: „umfassende und kraftvolle“ Schläge

US-Präsident Donald Trump kommentierte die Operation persönlich in einer öffentlichen Ansprache. Seinen Worten zufolge sind die Schläge gegen iranische Ziele in der Nähe der Straße von Hormus „umfassend und kraftvoll“. Trump nannte zwei unmittelbare Ursachen für die Eskalation: den seiner Einschätzung nach gescheiterten Versuch Teherans, Seeminen in der Meerenge zu verlegen, sowie den Start von acht Raketen auf eine US-Militärbasis in Jordanien. Dabei erklärte der Präsident, alle acht Raketen seien erfolgreich abgeschossen worden, und die Meerenge habe „derzeit keine Minen“ – diese seien, wie er betonte, „vollständig entfernt oder gesprengt“ worden.

Drohung mit „deutlich härterer“ Antwort

Zum Abschluss seiner Erklärung richtete Trump ein direktes Warnwort an Teheran: Sollte der „gescheiterte Staat Iran“ auf den aktuellen Angriff antworten, werde er „auf einem deutlich härteren und höheren Niveau“ getroffen. Zuvor, so berichteten russische Medien, hatte der Weiße Hauschef den Szenario eines „vollständigen Vernichtungsschlags“ gegen den Iran im Falle fortgesetzter Vergeltungsschläge des IRGC in Betracht gezogen. Vor dem Hintergrund dieser Drohungen hat die iranische Seite laut mehreren Medien bereits Vergeltungsschläge ausgeführt, was auf eine weitere Eskalation des Konflikts hindeutet.

Kontext: Minengefahr und Vermittlungsgespräche Katars

Die Eskalation erfolgt vor dem Hintergrund eines mehrtägigen Krisenherds um die Straße von Hormus – einer Schlüsselader des weltweiten Ölhandels. Am Vortag berichtete CENTCOM, dass US-Militärs „begrenzte und präzise Maßnahmen“ gegen IRGC-Einheiten ergriffen hätten, die laut Aufklärung Informationen Seeminen verlegten und die Schifffahrt bedrohten. Parallel führt Katar Vermittlungsgespräche mit dem Iran über die Entblockade der Meerenge. Teheran habe sich laut vorliegenden Informationen bereit erklärt, eine Liste von Bedingungen für die Wiederaufnahme der normalen Schifffahrt vorzulegen, konkrete Zeitrahmen und Parameter einer Vereinbarung seien jedoch noch nicht bekannt gegeben worden.

Widersprüchliche Angaben

Zwischen den Aussagen der US-Seite und den Einschätzungen unabhängiger Quellen besteht ein erheblicher Unterschied. Donald Trump behauptet, die Straße von Hormus sei vollständig entminiert und es gebe „keine Minen“ im Gewässer. Allerdings berichtet das Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Meerenge trotz der öffentlichen Aussagen des Weißen Hauses wahrscheinlich weiterhin vermint ist. Somit bleibt die Frage nach dem tatsächlichen Zustand des Gewässers offen: Eine Seite erklärt die vollständige Beseitigung der Bedrohung, die andere registriert deren Fortbestand. Dieser Widerspruch ist von entscheidender Bedeutung für die Bewertung der Risiken für die internationale Schifffahrt und für das Verständnis der tatsächlichen Ursachen der anhaltenden Angriffe.

Reaktion der Märkte: Öl über 90 Dollar

Die neue Verschärfung zwischen den USA und dem Iran schlug sich sofort auf den globalen Energiemärkten nieder. Unmittelbar nach den Berichten über die Angriffe sprangen die Brent-Ölpreise um mehr als 2 % an und überstiegen die Marke von 90 Dollar pro Barrel. Analysten führen den Anstieg auf das Risiko einer Sperrung oder Einschränkung der Durchlasskapazität der Straße von Hormus zurück, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öls fließt. Die weitere Preisentwicklung hängt davon ab, ob es den diplomatischen Kanälen, einschließlich der Vermittlung durch Katar, gelingt, die Situation zu deeskalieren, oder ob der Konflikt in eine Phase langanhaltender Konfrontation übergeht.