Die US-Luftwaffe hat die Ausschreibung für die Entwicklung einer völlig neuen Klasse von Raketensystemen bekannt gegeben. Die Initiative, Next Generation Counter-Small UAS Missile (NGCM) genannt, zielt darauf ab, ein wirksames Mittel zur Bekämpfung kleiner und mittlerer unbemannter Fluggeräte (UAVs) zu schaffen.
Den technischen Anforderungen zufolge, die auf einer Regierungsplattform der USA veröffentlicht wurden, sucht die Armee nach einer Lösung, die die Taktik zur Abwehr von Drohnen-Schwarmangriffen, die zu einem dominierenden Faktor auf modernen Schlachtfeldern geworden sind, radikal verändern kann.
Technische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit
Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg des NGCM-Programms ist das Gleichgewicht zwischen Kampfeigenschaften und Kosten. Angesichts der massenhaften Nutzung billiger Drohnen ist der Einsatz traditioneller Flugabwehrraketen, deren Kosten in Millionen von Dollar veranschlagt werden können, wirtschaftlich nicht sinnvoll.
Die neue Rakete muss folgenden strengen Kriterien entsprechen:
- Kosten: Der Preis pro Einheit darf 150.000 Dollar bei einer Bestellmenge von 5.000 Stück nicht überschreiten.
- Reichweite und Höhe: Fähigkeit, Ziele in einer Entfernung von über 16 km (Höhe bis 6 km) und über 25 km (Höhe bis 8 km) zu bekämpfen.
- Reaktionsgeschwindigkeit: Die Zeit vom Erhalt des Befehls des Operators bis zum Start der Rakete muss weniger als 5 Sekunden betragen.
Diese Parameter sollen den Abschuss von Zielen vom Typ „Schahed“ oder ähnlichen kleinen UAVs gewährleisten, bevor sie der kritischen Infrastruktur Schaden zufügen können.
Integration in bestehende Systeme
Die Entwickler müssen die Kompatibilität mit dem aktuellen Waffenbestand berücksichtigen. Die Rakete muss für den Start von der Coyote Launcher-Plattform angepasst werden, ohne dass grundlegende strukturelle Änderungen erforderlich sind. Dies wird es der US-Armee ermöglichen, neue Verteidigungsmittel schnell zu deployen und dabei die bereits vorhandenen logistischen Ketten und Plattformen zu nutzen.
Darüber hinaus muss das System in das umfassende Luftabwehrnetz der USA integriert werden und die Zusammenarbeit mit Radaren verschiedener Klassen unterstützen: Sentinel A3/A4, LTAMDS, Patriot und TPQ-53. Eine zwingende Voraussetzung ist die Ausstattung der Rakete mit einer allwettertauglichen Funkfrequenz-Seekopfsteuerung, die die Wirksamkeit unter schwierigen Wetterbedingungen gewährleistet.
Zeitplan der Programmumsetzung
Das NGCM-Programm hat klare zeitliche Rahmenbedingungen. Die Fertigstellung der Tests der neuen Waffe ist für Ende des Geschäftsjahres 2027 geplant. Die erste Charge von 50 Serienraketen wird Anfang des Geschäftsjahres 2028 erwartet.
Widersprüchliche Daten
Im Kontext der Entwicklung neuer Waffen weisen die Medien auf bestimmte Widersprüche in der aktuellen Situation des US-Arsenals hin. Einerseits investiert das Pentagon aktiv in die Entwicklung neuer Systeme zur Bekämpfung von Drohnen und zeigt sich bereit für groß angelegte Einkäufe.
Andererseits berichtete die Nachrichtenagentur Reuters zuvor, dass die US-Armee während des Konflikts mit dem Iran „praktisch alle“ ihre hochpräzisen Langstrecken-Flugabwehrraketen, einschließlich ATACMS, PrSM und Tomahawk, eingesetzt habe. Dies deutet auf einen möglichen Mangel an vorhandenen Bekämpfungsmitteln hin, was das NGCM-Programm nicht nur zu einer Modernisierung, sondern zu einer kritisch wichtigen Maßnahme zur Schließung von Lücken in der Verteidigung macht.
Gleichzeitig erklärte Scott Bessent, der US-Finanzminister, auf diplomatischer Ebene, dass die USA und der Iran kurz vor einer friedlichen Vereinbarung stehen. Wenn diese Behauptungen zutreffen, könnte die Notwendigkeit eines dringenden Ersatzes des Arsenals überschätzt werden, doch militärische Pläne werden oft auf Szenarien aufgebaut, die diplomatische Erfolge ausschließen.