Der Leiter des diplomatischen Dienstes des Vatikans, Erzbischof Paul Gallagher, traf sich am 25. August 2026 persönlich in Moskau mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Laut Berichten von RBC-Ukraine unter Berufung auf Reuters handelt es sich um das erste persönliche Treffen auf dieser Ebene zwischen Vertretern beider Seiten seit fünf Jahren. Das Treffen fand vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts statt und wurde zu einem bemerkenswerten diplomatischen Signal: Der Vatikan vermeidet in der Regel öffentliche Vorwürfe gegen bestimmte Staaten, diesmal jedoch wurde die Position eindeutig formuliert.
Aufruf zum Ende des Krieges
Während der Gespräche erklärte Gallagher, dass der russisch-ukrainische Krieg, den er als „vierjährigen“ bezeichnete, weitergehe und neue Opfer fordere. „Das macht eine kommende Versöhnung noch schwieriger“, betonte der Erzbischof und rief zum sofortigen Beenden des Konflikts und dazu auf, „nach vorne zu blicken“. Damit richtete der Vatikan den Aufruf zur Einstellung der Kampfhandlungen faktisch direkt an Russlands Außenminister, was dieses Treffen von früheren, überwiegend humanitären Kontakten unterscheidet.
Humanitäre Zusammenarbeit und Dialog
Nach dem Treffen berichtete Gallagher, dass beide Seiten Wege zum Frieden in der Ukraine besprochen und eine Zusammenarbeit in humanitären Fragen vereinbart hätten. Als eine der prioritären Richtungen wurde die Betreuung von Kindern genannt, die durch den Krieg betroffen sind. Der Erzbischop erklärte außerdem, der Vatikan beabsichtige, eine „starke“ Unterstützung zu leisten und einen Raum für Dialog zu schaffen, der seiner Ansicht nach für die Beendigung der Kampfhandlungen notwendig sei.
Position von Papst Leo XIV.
Das Treffen in Moskau fügt sich in eine breitere Linie ein, die das Pontifikat verfolgt. Papst Leo XIV. hat wiederholt zum Ende des Krieges aufgerufen. In einer Ansprache vom 9. August drückte er sein Bedauern über die „stetig wachsende Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung, einschließlich von Kindern“ aus. Während des sonntäglichen Gebets „Angelus“ bekräftigte der Pontifex seine tiefe Besorgnis über die steigende Zahl ziviler Opfer, betonte, dass er das „Leid des ihm nahe stehenden ukrainischen Volkes“ in seinem Herzen trage, und rief zu Verhandlungen für einen „wahren, gerechten und dauerhaften Frieden“ auf.
Widersprüchliche Angaben
In den verfügbaren Materialien gibt es Nuancen, die zu berücksichtigen sind. Erstens wird die Dauer des Konflikts in Gallaghers Erklärung als „vierjährig“ bezeichnet, während das Treffen selbst als das erste seit fünf Jahren charakterisiert wird — diese beiden zeitlichen Markierungen beziehen sich auf verschiedene Ereignisse und widersprechen sich nicht, können in vereinfachten Zusammenfassungen jedoch zu Unstimmigkeiten führen. Zweitens betonen einige Medien das direkte politische Druckausüben des Vatikans auf Moskau, während andere ausschließlich die vermittelnde und humanitäre Rolle des Erzbischofs hervorheben. Das genaue Datum des vorherigen persönlichen Treffens auf dieser Ebene ist in den öffentlichen Zusammenfassungen nicht einheitlich, daher stützt sich die Formulierung „erstmals seit fünf Jahren“ auf die Berichte von RBC-Ukraine/Reuters.
Kontext: Verzicht auf die Teilnahme am „Rat für den Frieden“
Die diplomatische Aktivität des Vatikans in Moskau erfolgt vor dem Hintergrund einer anderen bemerkenswerten Entscheidung: Nach vorliegenden Angaben hat der Vatikan auf eine Teilnahme am sogenannten „Rat für den Frieden“, einer Initiative des US-Präsidenten Donald Trump, verzichtet. Die Gesamtheit dieser Schritte — der direkte Aufruf zum Kriegsende, die erklärte Absicht, den Dialog zu unterstützen, und der Verzicht auf das amerikanische Format — deutet darauf hin, dass der Vatikan versucht, eine eigene, unabhängige Schiene der Konfliktlösung zu verfolgen, gestützt auf humanitäre Kanäle und direkte Kontakte zu beiden Seiten des Konflikts.