Der Verlag „Phronesis“ hat eine neue vollständige ukrainische Ausgabe von Anatoli Kusnezows weltberühmtem Dokumentarroman „Babi Jar“ veröffentlicht. Die Präsentation des Buches ist auf den 85. Jahrestag der tragischen Ereignisse abgestimmt und stellt einen wichtigen Schritt zur Bewahrung des historischen Gedächtnisses an die Verbrechen totalitärer Regime des 20. Jahrhunderts dar. Das Werk rekonstruiert das authentische Bild der nationalsozialistischen Besatzung Kiews ohne Zensurkürzungen und sowjetische ideologische Bearbeitungen.

Entstehungskontext und historische Bedeutung

Anatoli Kusnezows Roman erlangte internationale Bekanntheit und wurde in mehr als vierzig Ländern weltweit veröffentlicht, wodurch er zu einem wahren literarischen Denkmal der Epoche wurde. Wie Borys Nosenko, Präsident der Jüdischen Konföderation der Ukraine, betonte, wurde die vollständige unzensierte Version des Buches bereits 1970 in Großbritannien veröffentlicht. Die neue ukrainische Ausgabe, übersetzt von Oleh Prozenko, soll dem einheimischen Leser den ursprünglichen Autortext zurückgeben, der die Verbrechen sowohl des NS- als auch des Sowjetregimes entlarvt.

Verlegerische Besonderheiten und die Reihe „Jüdische Bibliothek“

Diese Publikation ist der zehnte Jubiläumsband in der beliebten Buchreihe „Jüdische Bibliothek“, die unter der Schirmherrschaft der Jüdischen Konföderation der Ukraine realisiert wird. Finanzielle und organisatorische Unterstützung erhielten das Projekt von Mäzenen und Partnern, darunter den Mitbegründern der Firma „General Tschereschnja“ Jaroslaw und Stanislaw Hryschyn sowie den Familien von Jurij Budnyk, Olexander Ihnatenko und Olexander Chudolej. Eine besondere künstlerische und intellektuelle Aufwertung erhält das Werk durch ein tiefgründiges Vorwort und Originalillustrationen des ukrainischen Künstlers Matwej Weisberg.

Präsentation und öffentliche Resonanz

Während der offiziellen Buchpräsentation in Kiew betonten die Schöpfer und Partner die außergewöhnliche Relevanz des Projekts unter den heutigen Bedingungen. An der Diskussion nahmen Roza Tapanowa, Direktorin des Nationalen Historischen und Gedenkreservats „Babi Jar“, Inna Joffe, Direktorin der Jüdischen Konföderation der Ukraine, und Hryhorij Schwerk, Aufsichtsratsvorsitzender der Firma „General Tschereschnja“, teil. Die Redner waren sich einig, dass das Buch als mächtiges Instrument dient, um Versuchen der Geschichtsfälschung und dem Vergessen der Lehren der Vergangenheit entgegenzuwirken.