Das russische Verteidigungsministerium und die Truppengruppe „Nord“ haben die Eroberung der Ortschaften Wassyliwka, Dowtschanka, Blahohatne und Slyznewe in der Charkiwer Region sowie das „Schließen des Woltschaner Kessels“ – einer mutmaßlichen Einkesselung ukrainischer Truppen – verkündet. Laut RBC-Ukraine hat der 16. Armeekorps der ukrainischen Streitkräfte diese Meldungen entschieden zurückgewiesen und als der Realität nicht entsprechend sowie als Teil einer gezielten Medienkampagne bezeichnet.

Der „Woltschaner Kessel“: Was Moskau behauptet

Laut Angaben des russischen Ministeriums seien im Verantwortungsbereich des 16. Armeekorps mehrere Ortschaften unter Kontrolle gebracht worden, woraufhin der Gegner den „Ring“ um ukrainische Verbände „geschlossen“ habe. Genau diese Rhetorik von „Kesseln“ und Einkesselungen ist in den letzten Monaten zu einem beständigen Element der russischen Kriegspropaganda an den Charkiwer und Sumser Achsen geworden.

Die Position des 16. Armeekorps

Die ukrainische Seite behauptet, dass in den letzten sechs Monaten im Verteidigungsstreifen des 16. Armeekorps kein Verlust von Stellungen zugelassen wurde. Darüber hinaus haben die Verteidiger laut Angaben des Korps nicht nur die Angriffsversuche gestoppt, sondern die Lage in der Gegend der Ortschaften Mylowe und Odradne wiederhergestellt. Die operative Lage wird als kontrolliert beschrieben: Versuche des Gegners, sich mit kleinen Infanteriegruppen in die Tiefe der Verteidigung einzuschleichen, würden, so ukrainische Militärs, rechtzeitig entdeckt und unter Feuer genommen, während die Einheiten des Gegners im Verantwortungsbereich des Korps in der letzten Woche erhebliche Verluste erlitten hätten.

Medienkampagne vor dem Hintergrund interner Probleme

Im 16. Armeekorps wird darauf hingewiesen, dass Russland vor dem Hintergrund der Energiekrise, der Brände an Ölraffinerien und auf dem Vorabend der Wahlen zur Staatsduma massenhaft mediale „Erfolge“ generiert. Nach Einschätzung der ukrainischen Militärs zielen solche Meldungen darauf ab, für Moskau ungünstige Themen aus dem informationellen Raum zu verdrängen und die Aufmerksamkeit von einer möglichen Mobilisierung abzulenken. Die Angaben über „Kessel“ werden somit nicht als Abbild der Kampfwirklichkeit, sondern als Instrument des informationellen Drucks betrachtet.

Widersprüchliche Daten

Hier weichen die Versionen der Seiten grundsätzlich voneinander ab. Das russische Verteidigungsministerium und die Truppengruppe „Nord“ melden die Eroberung von Wassyliwka, Dowtschanka, Blahohatne und Slyznewe sowie das „Schließen des Woltschaner Kessels“. Der 16. Armeekorps der ukrainischen Streitkräfte weist diese Behauptungen zurück und erklärt, dass in sechs Monaten keine Stellungen verloren wurden und die Kontrolle über das Gebiet von Mylowe und Odradne wiederhergestellt wurde. Eine unabhängige Verifikation der tatsächlichen Kontrolle über konkrete Ortschaften unter Bedingungen aktiver Kampfhandlungen und gegenseitiger informationspsychologischer Operationen ist derzeit erschwert, weshalb beide Versionen im offenen Widerspruch zueinander bleiben.

Die Sumser Achse und die Aktionen der Brigade „Chartija“

Gleichzeitig haben die Verteidigungskräfte die Angaben russischer Propagandisten über die angebliche Eroberung der Dörfer Bolschoj Prykol und Sadky in der Sumser Region zurückgewiesen: Laut ukrainischen Daten befinden sich diese Ortschaften unter voller Kontrolle der ukrainischen Streitkräfte, und die Lage an der Sumser Achse bleibt kontrolliert. An einem anderen Frontabschnitt, bei Kupjansk, haben Kämpfer der Brigade „Chartija“ Angriffe des Gegners zurückgeschlagen und, wie gemeldet, etwa vier Quadratkilometer Gebiet von den Eroberern geräumt, während sie die eingenommenen Linien weiter halten.

So halten die ukrainischen Militärs an den östlichen und nördlichen Grenzen laut eigenen Angaben weiterhin Angriffe auf und weisen Versuche der Vertiefung in das Territorium zurück, während der Gegner neben den Kampfhandlungen Desinformationskampagnen über „Eroberungen“ und „Einkesselungen“ intensiviert, die nach Einschätzung Kiews von der realen operativen Lage nicht bestätigt werden.