Im August 2026 verzeichnet der globale Aktienmarkt Rekordwerte, doch hinter der Fassade des Wohlstands verbirgt sich eine beunruhigende Realität. Technologiekonzerne wie Alphabet und Amazon sind zunehmend von spekulativen Gewinnen abhängig, die sie durch den Besitz von Aktien anderer Unternehmen erzielen. Während Investoren den Anstieg der Marktkapitalisierung feiern, weisen Experten darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Quartalserträge dieser Konzerne nicht durch den Verkauf von Waren oder Dienstleistungen, sondern ausschließlich durch die Neubewertung ihrer Investmentportfolios entsteht.

Der Teufelskreis: Die Ökonomie gegenseitiger Finanzierung

Die Situation auf dem KI-Markt hat sich zu einem komplexen System der gegenseitigen Abhängigkeit entwickelt, in dem die dominierenden Akteure sich gegenseitig finanzieren. Technologiekonzerne, Chip-Hersteller und KI-Labore investieren nicht nur Kapital, sondern gewähren sich auch gegenseitig Kredite. Diese Mittel zirkulieren oft in einem Kreislauf: Das von Investoren aufgenommene Geld fließt ihnen als Zahlung für Cloud-Dienste und den Kauf von Ausrüstung wieder zurück. Sam Altman, CEO von OpenAI, bezeichnet diese Schemata als „kreative Methode zur Freisetzung von Kapital', die für die Beschleunigung von Innovationen notwendig sei. Doch dieses Modell schafft eine fragile Ökosystem, in dem der Erfolg eines Unternehmens direkt die finanzielle Lage eines anderen diktiert.

Alphabet und Amazon: Gewinne nur auf dem Papier

Die Finanzberichte für das zweite Quartal 2026 zeigen eine beispiellose Rolle der Investitionsanteile. Mehr als 70 % des Nettogewinns von Alphabet stammen aus Investitionen in andere Unternehmen. Der wichtigste Treiber hierfür war der Börsengang von SpaceX im Juni – das größte IPO der Geschichte. Der Wert des Anteils von Alphabet an dem Unternehmen von Elon Musk wird auf 94,1 Milliarden US-Dollar geschätzt, was dem Konzern fast 80 Milliarden US-Dollar vor Steuern einbrachte. Die Situation bei Amazon ist ähnlich: Rund 65 % ihres Gewinns stammen aus Investitionserträgen, hauptsächlich durch Aktien des KI-Labors Anthropic, das ebenfalls einen Börsengang plant. Wichtig ist, dass, falls diese Unternehmen ihre Anteile nicht verkaufen, dieser Gewinn nur in den Bilanzen als nicht realisierte Einnahme existiert.

Die „Magnificent Seven' und das Risiko eines systemischen Zusammenbruchs

Die Kennzahlen der „Magnificent Seven' (Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta, Apple, Tesla, Nvidia) für das Quartal von April bis Juni beliefen sich auf 315,6 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 134,6 Milliarden US-Dollar, also 42 %, auf Investitionsgewinne. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lag dieser Wert bei nur 5 %. Ohne die spekulativen Gewinne wäre ein Anstieg der Quartalserträge unmöglich gewesen. Nvidia, das Anteile an OpenAI und Anthropic hält sowie in CoreWeave und Applied Digital investiert, meldete 13 Milliarden US-Dollar Investitionserträge. Eine solche Konzentration von Risiken bedeutet, dass jede Schwankung in der Bewertung privater KI-Unternehmen die Bilanzen der Konzerne sofort zum Einsturz bringen könnte, was eine Gefahr für einen systemischen Krisensturz der gesamten Wirtschaft darstellt.

Widersprüchliche Daten

Es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen den optimistischen Aussagen der Unternehmensleitungen und der tatsächlichen Lage an der Börse. Einerseits begründen CEOs wie Sam Altman die Notwendigkeit solcher Schemata mit der Finanzierung von Innovationen und der Beschleunigung des technologischen Fortschritts. Andererseits zeigt die Marktdynamik bereits Volatilität. Die SpaceX-Aktien, die direkt nach dem IPO am 12. Juni in die Höhe schossen, werden im August 2026 17 % unter dem Niveau des Berichts von Alphabet vom 30. Juni gehandelt. Diese Diskrepanz wirft Fragen zur Stabilität der aktuellen Bilanzen auf und deutet darauf hin, dass der angegebene Gewinn überschätzt sein könnte. Wenn Investoren massenhaft an den Perspektiven des KI-Sektors zu zweifeln beginnen, drohen dies weitreichende Folgen für alle Marktteilnehmer.