Der deutsche Außenminister Johann Wadefuhl bezeichnete die Aussage des russischen Außenministers Sergej Lawrow über den „Beginn eines echten Krieges“ zwischen Russland und Deutschland als Zeichen der Verzweiflung Moskaus. Nach Angaben des deutschen Diplomaten verbreite sein russischer Kollege Lügen, und Lawrow selbst wisse, so die Überzeugung Wadefuhls, ganz genau um die Schuld Russlands und um die Reaktion Berlins. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die Bild-Zeitung.
Kontext: Drohne über Leipzig und offizielle Anklage
Die verbale Eskalation entzündete sich vor dem Hintergrund des Vorfalls am Flughafen Leipzig/Halle. In der Nacht vom 5. August wurde in der Nähe des ukrainischen Transportflugzeugs An-124 „Ruslan“ ein verdächtiges Objekt entdeckt, woraufhin der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt wurde; später stellte sich heraus, dass es sich um eine Drohne handelte, die den am stärksten verwundbaren Bereich des Tragflügels des Flugzeugs traf. Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt bezeichnete den Vorfall als „neue Bedrohungsebene“ für das Land und als eines der Symptome der hybriden Bedrohung. Am 1. September beschuldigte Berlin Russland offiziell dieser Attacke, und wenige Tage später erklärte Lawrow öffentlich vom „Beginn eines echten Krieges“ mit der Bundesrepublik.
Timing und Versuch, die Gesellschaft zu beeinflussen
Wadefuhl wies darauf hin, dass Lawrows Aussage am Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fiel, und vermutete, dass sie ein Versuch sein könnte, zusätzliche Unsicherheit in der deutschen Gesellschaft zu schaffen. Der deutsche Diplomat betonte, dass die russischen Behörden die ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente zur Beeinflussung der Gesellschaft einsetzten, Deutschland sich jedoch nicht einschüchtern lasse. Deshalb charakterisierte er die verbale Eskalation aus Moskau als „gewisses Zeichen russischer Verzweiflung“.
Widersprüchliche Angaben
In offenen Quellen gibt es Abweichungen in den Details des Vorfalls. Deutsche Medien brachten die Version ins Spiel, das ukrainische Flugzeug könnte Munition transportiert haben, und berichteten zudem, die Drohne sei in der Luft mit einer anderen Drohne kollidiert. Das Luftfahrtunternehmen „Antonow“ widerlegte diese Informationen. Somit ist die Version einer Kollision zweier Drohnen und die Art der Ladung an Bord der An-124 nicht bestätigt und widerspricht der Position des Betreibers des Luftfahrzeugs.
Größerer Kontext: fünftes Kriegsjahr
In diesem Zusammenhang erinnerte Wadefuhl daran, dass Russland „in diesem Krieg (gegen die Ukraine – Anm. d. Red.) nicht den Erfolg errungen habe, den es sich erhofft hatte“, da „der Krieg nach wenigen Tagen hätte enden sollen – jetzt dauert er bereits das fünfte Jahr“. Diese Aussage fügt sich in die breitere Rhetorik Berlins ein, die hybride Vorfälle auf eigenem Territorium mit Versuchen Moskaus verbindet, die öffentliche Meinung vor innenpolitischen Ereignissen in einzelnen Bundesländern zu destabilisieren.