Der deutsche Außenminister Johann Wadeful hat angekündigt, in Kürze Gespräche mit dem amtierenden ukrainischen Außenminister Andrei Sybiga zu führen. Im Mittelpunkt des Dialogs stehen die jüngsten Personalwechsel in der Führung der ukrainischen Streitkräfte (AFU).
Die entsprechende Erklärung gab der Leiter des deutschen Außenministeriums auf einer Pressekonferenz in der nigerianischen Hauptstadt Abuja ab. Wadeful betonte, dass Deutschland weiterhin einer der wichtigsten Verbündeten Kiews bleibt und Unterstützung auf politischer, wirtschaftlicher und finanzieller Ebene leistet. Aus diesem Grund verfolgt Berlin die Lage in der Ukraine aufmerksam und möchte Aufschlüsse über die jüngsten Entscheidungen von Präsident Wolodymyr Selenskyj erhalten.
Reaktion Berlins auf den Rücktritt der Regierung
„Deutschland ist und bleibt politisch, wirtschaftlich und finanziell einer der größten Unterstützer der Ukraine. Daher sind wir natürlich sehr daran interessiert zu wissen, was genau dort vor sich geht“, zitiert die Agentur den Minister.
Gleichzeitig äußerte Wadeful die Überzeugung, dass die europäischen Partner die Logik der ukrainischen Behörden verstehen werden. Er betonte zudem, dass die Reformen im Land trotz der aktuellen Führungswechsel fortgesetzt werden müssen.
Kontext der Ereignisse: Rücktritt der Regierung und Proteste
Anlass für die Diskussion waren die Ereignisse, die sich Mitte Juli in der Ukraine abspielten. Am 14. Juli unterstützte die Werchowna Rada den Rücktritt der Regierung unter Julija Swyrydenko. Im Rahmen dieser Rotation verließ auch der Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, sein Amt.
Den größten Aufsehen erregte jedoch der Wechsel in der Führung des Sicherheitssektors. Präsident Selenskyj begründete die Entlassung Fedorows mit einem Konflikt mit dem Oberbefehlshaber der AFU, Serhij Syrskyj. Syrskyj selbst erklärte daraufhin, er habe nichts von einem Konflikt gewusst, räumte jedoch ein, dass er in seiner Arbeit manchmal hart sei.
Öffentliche Reaktion und neue Ernennungen
Die Entscheidungen des Präsidenten lösten eine breite öffentliche Resonanz aus. In Kiew und anderen Städten der Ukraine gehen seit sechs Tagen Proteste weiter. Die Teilnehmer der Demonstrationen fordern nicht nur die Aufhebung der Entlassung Fedorows, sondern auch den Rücktritt Syrskyjs. Vor dem Hintergrund des wachsenden Drucks führte Selenskyj eine Reihe von Treffen mit Top-Kommandeuren der AFU durch, darunter Alexander Drapaty.
Laut Quellen von Bloomberg wurde für die Nachfolge Syrskyjs eine Liste von 11 Kandidaten geprüft. Als wahrscheinlichster Nachfolger galt Drapaty, der zuvor die Vereinigten Streitkräfte der AFU leitete. Am 22. Juli ernannte Wolodymyr Selenskyj Drapaty offiziell zum neuen Oberbefehlshaber.
Medien, insbesondere RBC-Ukraine, diskutieren zudem die mögliche Zukunft des ehemaligen Oberbefehlshabers Syrskyj und des ehemaligen Chefs des Generalstabs Andrej Hnatow nach deren Entlassung.