Angesichts der anhaltenden Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine müssen die Bewohner mit Abschaltplänen leben. Viele fragen sich: Warum geht das Stromlicht nicht in einzelnen Wohnungen aus, sondern in ganzen Wohnvierteln, und warum gibt es manchmal Strom in einem Haus, aber nicht im benachbarten Treppenhaus. Energieexperten erklären die Logik dieser Prozesse.
Abschaltung nicht von Häusern, sondern von Energieanlagen
Das Schlüsselprinzip der Verteilungssysteme besteht darin, dass die Betreiber keine bestimmten Wohnhäuser abschalten, sondern die sie versorgenden Energieanlagen – Transformatorenstationen oder Stromleitungen. An eine solche Anlage kann ein Haus oder mehrere Häuser angeschlossen sein, sodass eine Stromausfall sofort ganze Gebäudegruppen betrifft.
Manchmal funktionieren sogar innerhalb eines Gebäudes die Treppenhäuser nach unterschiedlichen Plänen. Dies liegt daran, dass sie von verschiedenen Transformatorenstationen versorgt werden. Auch in Einzelfällen müssen aufgrund von Netzbesonderheiten oder beschädigtem Zustand Hausgruppen gleichzeitig abgeschaltet werden.
Automatisierung und Lastausgleich
Die Verteilung der Abschaltungen erfolgt automatisch mit spezieller Software, die nach genehmigten Warteschlangen arbeitet. Die Aufgabe der Verteilnetzbetreiber besteht darin, Strom so viele Stunden wie möglich unter den gegebenen Einschränkungen zu liefern und dabei ein Gleichgewicht zwischen den Warteschlangen zu wahren, damit alle etwa gleich viel Zeit mit Strom haben.
Abschaltungen werden nur auf das Stromvolumen angewendet, das für den Ausgleich des Energiesystems erforderlich ist. Die Pläne gelten gleichermaßen für alle Häuser und Straßen – Ausnahmen sind nur für Objekte der kritischen Infrastruktur möglich, die offiziell von der regionalen Militärverwaltung in eine spezielle Liste aufgenommen wurden, sowie für Häuser, die an dieselbe Leitung angeschlossen sind.
Individuelle Pläne und Reservekonfigurationen
Jede Adresse hat einen individuellen Plan, der separat erstellt wird – für ein bestimmtes Haus und seine technischen Möglichkeiten, Strom zu empfangen. In Kiew wurden im vergangenen Winter infolge zahlreicher russischer Angriffe auf das Energiesystem genau solche individuellen Einschaltpläne eingeführt.
In mehr als 4 Jahren des umfassenden Krieges haben die Energieversorger alle solchen Häuser, wo dies technisch möglich war, auf Reservekonfigurationen umgestellt. Dies ermöglichte es, die Auswirkungen der Angriffe auf Haushaltskunden zu minimieren und die Stabilität dort zu gewährleisten, wo dies möglich ist.
Zunahme der Angriffe und Folgen
Russische Besatzer begannen, ukrainische Energieanlagen in Gruppen von 20 bis 25 Drohnen gleichzeitig anzugreifen. Dadurch stieg die Anzahl der Treffer in diesem Jahr um mehr als ein Drittel. Solche massiven Angriffe erzeugen eine enorme Belastung für das System und zwingen die Energieversorger zu schwierigen Entscheidungen bei der Ressourcenverteilung.
Trotz der Schwierigkeiten arbeiten die Fachleute weiterhin daran, eine so hohe Stabilität der Stromversorgung wie möglich zu gewährleisten, selbst unter Bedingungen ständiger Bedrohungen und Zerstörungen.