Samsung jagt iPhone-Nutzer immer aktiver: Das Unternehmen bietet ihnen nicht nur Flaggschiffe, sondern auch günstigere Modelle sowie ungewöhnliche „komplexe“ Smartphones mit S Pen an. In der Praxis erweist sich der Wechsel von iOS auf Galaxy jedoch als deutlich schwieriger, als es die Marketing-Slides versprechen. Ein Nutzer, der an die „Apple“-Ökosystem gewohnt ist, stößt auf eine Kette an Verlusten – von der Biometrie und dem kabellosen Laden bis hin zu gewohnten Messaging-Apps und Zubehör. Im Folgenden eine Analyse dessen, was genau aus dem Alltag verschwindet und wo die Aussagen von Samsung und Apple auseinandergehen.
Ein Gesicht ohne Tiefe: Warum ein 2D-Scanner Face ID nicht ersetzt
Das Erste, was ein ehemaliger iPhone-Nutzer bemerkt, ist das Fehlen eines vollwertigen 3D-Gesichtssscanners. Face ID erstellt eine Karte aus Tausenden von Punkten und bildet ein dreidimensionales Modell des Gesichts, sodass sich Nutzer sicher in Banking-Apps und Apple Pay autorisieren können – selbst mit Maske. Samsung bietet in aktuellen Flaggschiffen überwiegend 2D-Erkennung, die als weniger sicher gilt. Für den Zugriff auf sensible Apps muss sich der Nutzer auf einen Unter-Display-Fingerabdrucksensor verlassen – eine Gewohnheit, die iPhone-Nutzer in der Regel nicht haben.
Physische Funktionen und MagSafe, die es nicht geben wird
Neben der Biometrie verschwinden auf dem Galaxy die markentypischen „physischen“ und magnetischen Szenarien. Die MagSafe-Technologie, die magnetisches Docken und Laden sowie das Befestigen von Zubehör ermöglicht, fehlt auf Samsung-Geräten. Ebenso verschwinden die physischen Tasten Action Button und Camera Control, die Apple in das Gehäuse des iPhone eingebaut hat. Für einen Nutzer, der an eine schnelle Szenario-Taste und die Kamerasteuerung gewohnt ist, bedeutet dies einen spürbaren ergonomischen Verlust, den Software-Symbole nicht kompensieren.
„Software-Schock“: Messaging, Anrufe und der Verlust der Ökosystem
Der Ersatz für iMessage wird einer der deutlichsten „Software-Schocks“: Der Nutzer muss auf Samsung Messages oder WhatsApp wechseln. Die RCS-Unterstützung auf dem iPhone erleichtert die Kommunikation und fügt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hinzu, aber Nachrichten von Android-Nutzern werden dennoch in „grünen“ statt in blauen Blasen angezeigt. FaceTime funktioniert nur in eine Richtung: Samsung-Nutzer können Anrufen nur per Link über den Browser beitreten, aber keine neuen Anrufe initiieren. Mac- und iPad-Nutzer verlieren die durchgängige Apple-Ökosystem, und der Dateiaustausch wird nur teilweise durch die AirDrop-Unterstützung über den Quick Share-Dienst kompensiert – eine vollwertige Alternative zur Ökosystem muss man sich aus einem Android-Tablet und einem Windows-Laptop zusammenstellen.
Die Satellitengeräte fallen aus
Apple Watch verlieren ohne iPhone vollständig ihre Bedeutung: Die Uhren synchronisieren sich nicht mit Samsung-Smartphones, und Gesundheitsdaten müssen manuell über Health Connect in Samsung Health exportiert werden. AirPods verwandeln sich in eine gewöhnliche Bluetooth-Kopfhörerlösung – räumliches Audio, Hörgeräte-Funktionen und Live-Übersetzung (im Modell AirPods Pro 3) entfallen. Die Such-Tracker AirTags sind vollständig inkompatibel. Mit anderen Worten: Das gesamte Zubehör, das „im Paket“ mit dem iPhone gekauft wurde, funktioniert auf dem Galaxy entweder eingeschränkt oder gar nicht.
Updates: lange, aber vorhersehbare Unterstützung
Ein wichtiges Argument von Samsung für den Wechsel ist die Garantie von bis zu 7 Jahren Unterstützung für Flaggschiffe. Der Update-Zeitplan unterscheidet sich jedoch grundlegend von dem von Apple. Der Release neuer Android-Versionen, einschließlich Android 17, erfolgt mit einer Verzögerung von mehreren Wochen oder Monaten, da das Unternehmen Zeit für die Anpassung der eigenen One-UI-Oberfläche benötigt. Apple veröffentlicht neue iOS-Versionen hingegen gleichzeitig für alle unterstützten Modelle weltweit. Samsung verspricht also einen längeren Unterstützungshorizont, aber ein weniger synchrones und „gleichzeitiges“ Update-Erlebnis.
Widersprüchliche Daten
Die Frage der 3D-Gesichtserkennung auf künftigen Samsung-Flaggschiffen bleibt umstritten. Einerseits deuten mehrere Quellen darauf hin, dass das kommende Samsung Galaxy S27 Ultra die fortschrittliche Polar-ID-Technologie (3D-Gesichtsentriegelung) voraussichtlich auslassen und den Fokus auf 2D-Scanner und Fingerabdruck beibehalten wird. Andererseits behaupten andere Veröffentlichungen, dass das kommende Samsung-Flaggschiff ein einzigartiges Gesichtserkennungssystem erhalten wird, das in der Funktionalität Apples Face ID übertreffen könnte. Diese Versionen widersprechen sich darin, ob Samsung überhaupt einen volumetrischen Scanner in das Top-Modell einbauen wird. Bis zur offiziellen Präsentation des Unternehmens bleiben beide Positionen Vermutungen, und der Leser sollte beachten, dass das Szenario „vollwertiges Face ID auf Samsung“ noch nicht bestätigt ist.