Wien rückt offiziell in die Reihe der teuersten Reiseziele Europas vor. Die Stadtverwaltung hat eine umfassende Reform der Tourismusabgabe angekündigt, im Rahmen derer die Steuer für Reisende mehr als verdoppelt werden soll. Diese Entscheidung soll die wachsende Belastung der städtischen Infrastruktur ausgleichen, löst jedoch bereits jetzt heftige Reaktionen in der Wirtschaft aus.
Stufenweise Verteuerung: von 3,2 % auf 8 %
Die Änderungen in der Steuerpolitik der österreichischen Hauptstadt werden schrittweise erfolgen. Zuvor zahlten Touristen 3,2 % der Unterkunftspreise. Im Juli 2024 wurde der Satz bereits auf 5 % erhöht, doch laut Behörden ist dies erst der Beginn der Transformation. Bis Juli 2027 soll die Abgabe 8 % erreichen.
Hauptziel der Reform ist es, die Gäste der Stadt dazu zu bringen, fair für die Nutzung der Infrastruktur zu zahlen. Der ständig wachsende Touristenstrom übt enormen Druck auf das Straßennetz, den öffentlichen Nahverkehr und die städtischen Dienstleistungen Wiens aus.
Alarm bei Hoteliers: „Wir stopfen Löcher im Budget'
Vertreter der Hotelbranche reagieren äußerst negativ auf die Neuregelungen. Martin Stanic, Sprecher des Österreichischen Hoteliersverbands, warnt, dass die neue Steuer zur zweithöchsten in Europa werden wird. Nach seinen Worten werden Touristen derzeit nur in Amsterdam noch mehr abverlangt.
Unternehmer machen sich Sorgen um die Zukunft der Branche. Die Kosten für Hotels steigen ohnehin rasant durch die Verteuerung von Energie, Lebensmitteln und Arbeitskräften. Die Unternehmer sind überzeugt, dass die Behörden versuchen, Haushaltsdefizite auf Kosten einer Branche auszugleichen, die bereits unter Druck steht.
Risiko des Kundenverlusts und Konkurrenz mit Bratislava
Auch Reisebüros äußern Enttäuschung. Die Situation wird dadurch verschärft, dass Reisende bereits 12 Euro Steuer pro Flugticket zahlen, was die allgemeine Attraktivität des Reiseziels mindert.
Gregor Kadanek, Präsident des Verbandes österreichischer Reisebüros, führte ein beunruhigendes Beispiel an: Der Billigflieger Ryanair leitet Flüge immer häufiger nach Bratislava um. Die slowakische Hauptstadt liegt in unmittelbarer Nähe zu Wien, ist für Touristen jedoch deutlich erschwinglicher.
Position der Behörden: Investition in die Zukunft
Gleichzeitig bezeichnen die Wiener Behörden die Erhöhung der Abgabe als „Verantwortungsteilung'. Ihre Argumentation basiert darauf, dass Touristen erstklassigen Service und zuverlässigen Verkehr erhalten, wofür sie zahlen müssen.
Isabella Rauter, Sprecherin des Wiener Fremdenverkehrsamts, erklärte, dass der Tourismus von der Instandhaltung und Erweiterung der städtischen Infrastruktur profitiert. Ihrer Meinung nach ist die lokale Steuer eine Investition in die Zukunft des Reiseziels, die nicht nur den Gästen, sondern auch den Einheimischen zugutekommt.