Am 17. September 2026 wird der legendäre Stürmer des donezkischen Schachtars, Wiktor Gratschow, 70 Jahre alt. Der gebürtige Torezker (damals Dserschinsk) aus der Oblast Donezk verbrachte den größten Teil seiner Profikarriere bei den „Bergleuten“, gewann zweimal den Sowjetpokal, spielte für die Sowjetunion-Nationalmannschaft und ging als einer der Hauptakteure der Europacup-Saison 1983/84 in die Geschichte ein. Die Rückschau von Sport RBC.UA, auf die sich XAB.info bezieht, erlaubt es, die wichtigsten Episoden des Weges des Spielers in einem Artikel zusammenzufassen – von der zufälligen Aufnahme in die Kinderfußballschule bis hin zum unoffiziellen, aber lautstarken Interesse europäischer Topklubs.
Vom Tor zur Offensive: Wie der Zufall die Karriere bestimmte
Gratschow kam im Teenageralter zum Fußball, als die Auswahl an Vereinen zur Kinderentwicklung in seiner Heimatstadt Dserschinsk begrenzt war. Nach seinen eigenen Erinnerungen war er bei der Aufnahme in die Kinder- und Jugendschule der Klasse B der kleinste, und die Trainer setzten ihn ins Tor. Doch sein Charakter ließ es nicht zu, sich damit abzufinden: Er überzeugte den für die Aufnahme zuständigen Trainer Scharifow, Oleg Osmanowitsch, ihm eine Chance zu geben, sich in der Offensive zu versuchen. Im ersten Spiel auf der neuen Position „schoss er ordentlich Tore“ gegen die Gegner, woraufhin der Trainer ihn zum Training einlud – so begann seine systematische Beschäftigung mit dem Fußball.
Der Weg durch Orjol, Aschchabad und Moskau
Gratschows Profikarriere begann nicht in Donezk. Er spielte zeitweise für den Orjoler Spartak, den aschchabadischen Kolchos und den Moskauer Torpedo. Gerade beim „Kolchos“ verbrachte der Stürmer drei Saisons und erzielte 23 Tore in 104 Spielen. 1980 wurde Gratschow schließlich Spieler des Schachtars, obwohl er Donezk verließ und jedes Mal zurückkehrte. Die längste Zeit im Club fiel auf die Jahre 1982–1990. In einem Interview zum 60. Geburtstag bemerkte der Fußballer, dass er Angebote anderer ukrainischer Topklubs hatte, aber er wollte gerade für den Schachtar spielen.
Der „Paganini von Donezk“ und die Absage an das kiewsche Dynamo
Einer der bekanntesten Spitznamen Gratschows ist „Paganini“ (in der donezkischen Szene nannte man ihn auch „Paganini von Donezk“), was seine technische Spielweise und sein individuelles Können widerspiegelte. Für den Rechtsaußen zeigte seinerzeit selbst Waleri Lobanowskij und das kiewsche Dynamo Interesse. Laut Gratschow lehnte er den Wechsel zweimal ab: Beim zweiten Mal schrieb er sogar eine Erklärung und sollte im Januar nach Kiew fliegen, aber zusammen mit seiner Frau änderte er seine Meinung, und das Ticket „blieb auf dem Tisch“. Der Fußballer selbst verbindet diese Entscheidung mit der späteren Verschlechterung seiner Situation in der Sowjetunion-Nationalmannschaft, wo zudem ein hohes Konkurrenzniveau um einen Platz in der Mannschaft hinzukam.
Der Europacup-Durchbruch der Saison 1983/84
Die Saison 1983/84 war eine der glanzvollsten in der sowjetischen Geschichte der „Bergleute“: Der Club erreichte das Viertelfinale des Pokals der Pokalsieger, und Gratschow erzielte im Turnier fünf Tore, einschließlich des Siegtors in der 85. Minute des ersten Spiels gegen den Schweizer FC Servette. Die glänzenden Auftritte zogen die Aufmerksamkeit europäischer Klubs auf sich. Das konkreteste Angebot an den Schachtar machte damals der BVB Dortmund, allerdings, wie Wiktor Alexandrowitsch selbst betont, erfuhr er davon erst zwei Jahrzehnte später. Eine ähnliche Geschichte ereignete sich auch 1984 nach dem Spiel gegen den FC Porto im Pokal der Pokalsieger: Der portugiesische Club zeigte Interesse an einem Wechsel, aber die Information erreichte den Spieler nicht.
Widersprüchliche Daten
Der Artikel ist eine Rückschau, die überwiegend auf eine einzige Quelle (Sport RBC.UA) und die persönlichen Erinnerungen des Jubilars selbst stützt, daher lassen sich einige Details nicht unabhängig überprüfen. Insbesondere basieren die Angaben über konkrete Transferangebote von Borussia und Porto, die den Spieler „nicht erreichten“, ausschließlich auf seinen Aussagen. Außerdem wird in der Einleitung erwähnt, dass Gratschow „zweimal den Sowjetpokal gewann“, jedoch werden im Haupttext die Jahre dieser Siege nicht genannt, was dem Faktencheck einen ungeschlossenen Zeitraum lässt. Diese Vorbehalte widerlegen die Fakten nicht, erfordern aber Vorsicht bei der Zitierung exakter Daten und Zahlen.
Das Vermächtnis: Von der Sowjetunion-Nationalmannschaft bis zum Verdiensttrainer
Für die A-Nationalmannschaft der Sowjetunion bestritt Gratschow ein Spiel, für die Olympiaauswahl sechs, wobei er ein Tor erzielte; in der Qualifikation für die Olympiade 1984 schloss er sich den Reihen der Olympiaauswahl an. Insgesamt stehen in den Sowjetmeisterschaften 292 Spiele und 66 Tore auf seinem Konto. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere arbeitete er als Trainer, unter anderem in der Schachtar-Struktur, und erhielt 2002 den Titel des Verdiensttrainers der Ukraine. Für die Generation der Eltern der heutigen donezkischen Fans bleibt Gratschow, neben Staruchin und Sokolowski, eine Legendenfigur, und sein Jubiläum ist Anlass, eine ganze Epoche des sowjetischen und frühen ukrainischen Fußballs zu erinnern.