Der Sondergesandte des US-Präsidenten Steve Witkoff und der Schwiegersohn des amerikanischen Staatschefs Jared Kushner planen laut Reuters in den kommenden Wochenenden – am 5. und 6. September – einen Besuch in Russland und der Ukraine im Rahmen der laufenden diplomatischen Bemühungen zur Beilegung des Konflikts. Die Information über die geplante Reise erhielt die Agentur aus dem Mund einer gut unterrichteten Quelle. Sollte der Besuch in vollem Umfang stattfinden, wäre es der erste Aufenthalt beider Verhandlungsführer in Kiew seit Beginn ihrer Beteiligung am Friedensprozess. Dabei sei, wie dieselbe Quelle précisé, der Moskauer Teil der Reise eher gesichert, während der Kiewer Teil nach wie vor Gegenstand intensiver Diskussionen sei und im Wesentlichen fraglich bleibe.

Details der geplanten Reise und Hintergrund der Kontakte

Zum letzten Mal waren Witkoff und Kushner im Januar 2026 in Moskau, wo sie vierstündige nächtliche Verhandlungen mit Wladimir Putin im Kreml führten. Seitdem wurden keine direkten Kontakte der amerikanischen Sondergesandten mit der russischen Führung mehr registriert. Das letzte Treffen zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der USA fand im Februar statt – kurz bevor die Vereinigten Staaten und Israel eine Militäroperation gegen den Iran begannen, was den geopolitischen Kontext erheblich veränderte und das Ukraine-Thema in der Washingtoner Agenda in den Hintergrund drängte. Nun, mehr als ein halbes Jahr nach den Februar-Verhandlungen, könnte die Wiederaufnahme der diplomatischen Spur ein Signal für den Versuch sein, den Prozess wieder in ein produktives Fahrwasser zu bringen.

Moskau versucht, den Besuch in Kiew zu blockieren

Eine zentrale Nuance der geplanten Reise, auf die die Reuters-Quelle hinweist, ist die Position der russischen Führung. „Die Russen wollen nicht, dass sie Kiew besuchen, und versuchen, sie zu einer Änderung des Plans zu bewegen“, erklärte die Quelle der Agentur. Nach ihren Worten macht genau diese Umstände den Kiewer Teil des Besuchs äußerst ungewiss. Vor dem Hintergrund des anhaltenden erheblichen Abstands in den Ansichten beider Seiten zu den Bedingungen einer Waffenruhe – Moskau fordert von der Ukraine den Verzicht auf zusätzliche Gebiete, während Kiew Bedingungen ablehnt, die es einer Kapitulation gleichsetzt – könnte ein persönliches Treffen der amerikanischen Vermittler mit der ukrainischen Führung in Kiew ein wichtiges diplomatisches Zeichen setzen. Genau deshalb sei, der Logik der Quelle zufolge, die russische Seite daran interessiert, dass dieser Teil der Reise nicht stattfindet.

Widersprüchliche Angaben

Unterschiedliche Medien bewerten den Grad der Gewissheit des geplanten Besuchs unterschiedlich. Reuters berichtet unter Berufung auf seine Quelle, dass Witkoff und Kushner „am Samstag und Sonntag Russland und die Ukraine besuchen“ würden, wobei anerkannt wird, dass die Diskussionen über die Kiew-Reise „noch andauern“. Die ukrainische Ausgabe RBC-Ukraine überträgt dieselbe Version und betont den „Nuance“-Aspekt eines möglichen Scheiterns des Besuchs in der ukrainischen Hauptstadt. Das russische BFM.ru formuliert die Angaben jedoch deutlich kategorischer: „Witkoff und Kushner werden in den nächsten Tagen nach Moskau und Kiew kommen“, ohne Raum für Ungewissheit zu lassen. Die ukrainische „Glawred“ verwendet ihrerseits einen anderen rhetorischen Rahmen und behauptet, die amerikanischen Verhandlungsführer „hätten Angst, nach Kiew zu fahren“. Damit widersprechen sich vor dem Leser sowohl das Maß an Sicherheit über den Fakt der Reise als auch die Motivation möglicher Planänderungen: von äußerem Druck Moskaus bis hin zu internen Bedenken der amerikanischen Seite. Die Beteiligten selbst haben weder den Moskauer noch den Kiewer Teil des Besuchs öffentlich bestätigt.

Reaktion des Kremls und Kontext der Verhandlungen

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, der Medienberichte über eine mögliche Reise Witkoffs und Kushners nach Moskau kommentierte, bestätigte oder dementierte die Information faktisch nicht. „Ich würde nichts ankündigen, aber wenn diese Kontakte stattfinden, werden wir Sie informieren“, erklärte er, was in der diplomatischen Praxis des Kremls eine Standardformel ist, die keine eindeutige Antwort gibt. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass die USA laut der Ausgabe Strana als Bedingung für den Besuch die Einstellung ukrainischer Angriffe auf russisches Territorium während des Aufenthalts der amerikanischen Vermittler in Moskau und Kiew verlangen könnten. Sollte diese Forderung tatsächlich gestellt werden, verändert sie den Charakter der Verhandlungen erheblich und verwandelt den Besuch aus einem arbeitsmäßigen diplomatischen Kontakt in ein Druckmittel gegenüber der ukrainischen Seite. Steve Witkoff, der das Amt des Sondergesandten von Trump innehat, hat bereits mehrfach Verhandlungen mit Putin in Moskau geführt, während Jared Kushner, der Schwiegersohn des US-Präsidenten, erst zu einem späteren Zeitpunkt an den diplomatischen Bemühungen zur Ukraine beteiligt wurde und Kiew bis jetzt nicht besucht hat. Der Besuch am 5.–6. September, sollte er in vollem Umfang stattfinden, wäre der erste gemeinsame Aufenthalt beider in der ukrainischen Hauptstadt und voraussichtlich ein entscheidender Test dafür, wie tragfähig die amerikanische Vermittlungsspur nach einer mehrmonatigen Pause ist.