Die Sonderbeauftragten des US-Präsidenten Donald Trumps, Steve Witkoff und Jared Kushner, planen, am 5.–6. September 2026 Moskau und Kiew zu besuchen, um die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Friedensabkommen zu versuchen, das den Krieg Russlands gegen die Ukraine beenden könnte. Dies berichtet die New York Times unter Berufung auf mehrere US-Beamte, die mit dem Stand der diplomatischen Bemühungen vertraut sind. Laut dem Blatt liefen die Vorbereitungen auf die Reise bereits seit mehreren Wochen, offiziell wurde der Besuch von Washington jedoch noch nicht angekündigt.
Sicherheitsbedingungen: vorübergehende Einfrierung der Angriffe
Eine zentrale Bedingung, die von der US-Seite gestellt wird, ist die vorübergehende Einstellung der Angriffe während des Aufenthalts der Verhandlungsführer in jeder der Hauptstädte. Konkret bestehen die USA darauf, dass die Ukraine die Drohnenangriffe auf Moskau und auf Objekte der russischen Energieinfrastruktur einstellt, solange sich Witkoff und Kushner auf dem Gebiet der Russischen Föderation befinden. Symmetrisch verlangt Washington von Moskau, die Raketenangriffe auf Kiew einzustellen, während sich die amerikanischen Vertreter in der ukrainischen Hauptstadt aufhalten. Laut Beamten, die mit den Details vertraut sind, wurden diese Bedingungen seit mehreren Wochen diskutiert und stellen im Wesentlichen eine Garantie für die physische Sicherheit der Verhandlungsführer selbst dar.
Der zentrale Knotenpunkt: Wer kontrolliert den Donbas?
Die New York Times betont, dass unklar bleibt, ob die amerikanischen Gesandten den Staatschefs grundsätzlich neue Vorschläge unterbreiten wollen oder ob ihre Aufgabe darin besteht, die Parteien zur Einigung auf bereits besprochene Fragen zu bewegen. Die zentrale und schwierigste Frage, so das Blatt, bleibt die Frage der Kontrolle über den Donbas. Genau dieser Punkt blockiert, wie diplomatische Quellen feststellen, den Kompromiss über den gesamten Verhandlungsprozess hinweg.
Vorgeschichte: verschobene Besuche und Absagen
Die Reise Witkoffs und Kushners nach Kiew ist nicht der erste angekündigte, aber nicht stattgefundene Besuch. Bereits im Mai 2026 hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj öffentlich erklärt, dass er den Besuch der amerikanischen Sonderbeauftragten erwarte, doch diese traten nie ein. Später tauchten in den Medien Informationen über eine mögliche Aufnahme der Verhandlungsführer am Tag der Unabhängigkeit der Ukraine (24. August) auf, doch auch dieses Szenario wurde nicht realisiert. Laut ukrainischen Medien waren die Ursache die anhaltenden russischen Angriffe auf die Infrastruktur, die die Reise unsicher machten. Schließlich bestätigte Selenskyj, dass Witkoff und Kushner am 6. September Kiew besuchen werden, und betonte, dass Russland in diesem Zeitraum die Angriffe einstellen müsse.
Widersprüchliche Angaben
In den öffentlichen Quellen werden bestimmte Abweichungen in der Chronologie und in den Details festgestellt. Einerseits berichten die New York Times und RBC-Ukraine über die vorbereitete Reise in beide Hauptstädte am 5.–6. September. Andererseits hatte die ukrainische Zeitung UNIAN zuvor einen Artikel mit der Schlagzeile „Warum Witkoff und Kushner nicht nach Kiew fahren: Medien haben die wahre Ursache herausgefunden“ veröffentlicht, was den Eindruck eines vollständigen Scheiterns des Besuchs erweckte. Außerdem stellten die amerikanischen Verhandlungsführer laut Mignews in den letzten Tagen den geplanten Besuch in Israel ab, was auf eine Umstrukturierung ihres diplomatischen Zeitplans zugunsten der Route Moskau–Kiew hindeuten konnte. Somit basiert ein Teil der Informationen auf anonymen Quellen und wurde weder vom Weißen Haus noch vom Kreml noch vom Büro des ukrainischen Präsidenten offiziell bestätigt.
Kontext und Bedeutung
Die Reise wird, falls sie im angekündigten Rahmen stattfindet, zu einem der umfangreichsten diplomatischen Schritte der Trump-Regierung zur Beilegung des Konflikts seit dessen Beginn. Das Format der „gleichzeitigen Anwesenheit“ in beiden Hauptstädten unter der Bedingung eines gegenseitigen Angriffsstopps ist im Wesentlichen ein Versuch, ein vorübergehendes „Fenster der Stille“ zu schaffen, in dem die langjährigen Meinungsverschiedenheiten bearbeitet werden könnten. Ohne eine offizielle Bestätigung seitens Washingtons, Moskaus und Kiews bleiben jedoch alle Details auf der Ebene von Leaks aus anonymen Quellen, was bei der Interpretation Vorsicht gebietet.