Der Präsident des Judo-Verbands von Kiew, Welt- und Europameister Georgi Zantaria, hat scharfe Kritik an den internationalen Sportstrukturen geübt, die russische Athleten auf der internationalen Bühne zulassen, und die inländischen Sportfunktionäre der Passivität beschuldigt. Laut dem Ex-Weltmeister entwickelt sich die Situation um die Rückkehr der Sportler aus dem Aggressorstaat «sehr seltsam», und das Fehlen einer offiziellen Reaktion seitens der ukrainischen Vertreter in den Sportorganisationen erregt tiefe Empörung.

Der Fall der disqualifizierten Athletin: von Donezk bis zur Tribüne des IOC

Als zentrales Beispiel führte Zantaria einen konkreten Vorfall an: Kürzlich wurde öffentlich ein Foto einer russischen Sportlerin veröffentlicht, die zuvor wegen Unterstützung der Besatzung disqualifiziert worden war – konkret wegen ihres Aufenthalts auf dem besetzten Gebiet in Donezk. Dabei, so Zantaria, stehe dieselbe Athletin heute «im Internationalen Olympischen Komitee», habe also faktisch eine Zulassung zu internationalen Prozessen erhalten. «Eine sehr seltsame Geschichte entsteht um die Tatsache, dass sie heute zurückkehren», betonte er und fügte hinzu, dass seitens der ukrainischen Sportfunktionäre keinerlei Reaktion auf diesen Umstand erfolgt sei.

Vier Jahre in der Athletenkommission des ukrainischen NOK: Was erreicht wurde

Zantaria erinnerte an seine vierjährige Erfahrung als Leiter der Athletenkommission des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine. In dieser Zeit habe das Team, so seine Worte, «viel dafür getan, dass Russen nicht zugelassen werden», und alle Arbeitsergebnisse seien dokumentarisch bestätigt worden. Der Ex-Weltmeister betont, dass die systematische Arbeit zur Blockade der Zulassung russischer und belarussischer Sportler auf der Ebene konkreter Anträge, des Monitorings und der Dokumentation von Verstößen erfolgte, dieser Mechanismus jedoch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt faktisch zum Stillstand gekommen sei.

«Ich hätte Erklärungen abgegeben, aber ich habe keine Befugnisse»: Das Legitimitätsproblem

Auf die Frage, warum er keine offiziellen Schreiben an das IOC oder die zuständigen Verbände verfolge, räumte Zantaria ein, dass er selbst bereit wäre, entsprechende Dokumente vorzubereiten und zu übermitteln. Derzeit verfüge er jedoch nicht über die erforderlichen Befugnisse im Rahmen des ukrainischen NOK oder der internationalen Sportstrukturen, was ihn dazu zwinge, «die Situation von außen zu beobachten». Dies schaffe, so seine Einschätzung, ein Vakuum, das von den amtierenden Führungskräften gefüllt werden müsse.

Die Verantwortung liegt bei den zuständigen Verbandsleitern

Zantaria legte die Verantwortung für die aktuellen Probleme direkt den zuständigen Leitern der Sportverbände und den ukrainischen Sportfunktionären auf. Seiner Überzeugung nach seien gerade sie verpflichtet, «jeden Fall» der Zulassung russischer Athleten aufzuarbeiten, offizielle Proteste vorzubereiten und die Maßnahmen auf internationaler Ebene zu koordinieren. Die Untätigkeit untergrabe, so seine Bewertung, die jahrelange Arbeit zur Isolierung des russischen Sports und schaffe einen Präzedenzfall für die weitere «Aufhellung» von Athleten aus Russland.

Kontext: World Athletics bestätigt den Bann für Russen und Belarussen

Im Umfeld der Aussagen Zantarais war zuvor berichtet worden, dass World Athletics den geltenden Bann für die Teilnahme russischer und belarussischer Sportler an internationalen Wettkämpfen unter dem Dach des Verbands bestätigt habe. Damit bleibe die Position in der Leichtathletik hart, während in einer Reihe anderer Sportarten, darunter Judo und mehrere olympische Disziplinen, laut Zeugnis ukrainischer Funktionäre eine Tendenz zur schrittweisen Lockerung der Einschränkungen und zur faktischen Zulassung russischer Athleten unter verschiedenen formellen Gründen zu beobachten sei. Zantaria forderte die Ukraine auf, auf derartige Versuche «hart» zu reagieren und eine Normalisierung der Stellung der Sportler des Aggressorstaats auf der internationalen Bühne nicht zuzulassen.