In einem Interview mit dem US-Sender CBS News, auf das sich RBC-Ukraine bezieht, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj über den Vorfall mit dem russischen Drohnenschlag auf einen Personenverkehrszug in Wolhynien berichtet. Seinen Worten zufolge befanden sich in den Wagen ausländische Amtsträger, die zu einem Besuch in der Ukraine eingetroffen waren – darunter, wie der Staatschef betonte, der ehemalige Direktor der US-Auslandsgeheimagentur CIA David Petraeus sowie Vertreter europäischer Länder. Nach dem Schlag mussten die ausländischen Vertreter laut Selenskyj in der Nähe der Grenze zu Polen evakuiert werden.
Erklärung Selenskyjs zu einer möglichen Kenntnisnahme durch Russland
Bei der Kommentierung der Umstände des Schlags äußerte Selenskyj die Vermutung, dass die russische Seite möglicherweise im Vorfeld Kenntnis vom Aufenthalt der Amerikaner im Zug hatte. Dabei stellte er ausdrücklich klar, dass er dies nicht mit Sicherheit behaupten könne, persönlich aber genau dieser Version neige. «Möglicherweise wussten sie nicht, dass dort Amerikaner waren, oder vielleicht wussten sie es doch, denn ich vertraue ihnen nicht. Ich glaube, dass sie es wussten», erklärte Selenskyj. «Genau deshalb haben sie den Angriff durchgeführt, obwohl sich in diesem Zug Europäer, Amerikaner und eine große Delegation befanden». Wichtig ist, dass der Präsident nicht behauptete, der Aufenthalt der Amerikaner sei die Ursache des Schlags gewesen: Es ging ausschließlich um die Vermutung, ob Russland im Vorfeld Kenntnis von der Zusammensetzung der Fahrgäste hatte.
Verlauf des Angriffs am 13. September
Wie in den Materialien erinnert wurde, hat Russland am 13. September einen Schlag auf die Eisenbahn nahe der ukrainisch-polnischen Grenze geführt. Ein russischer Drohner traf die Lokomotive eines Personenverkehrszuges in Wolhynien rund zwei Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt. Laut Berichten der Zeitschrift Der Spiegel befand sich kurz vor dem Angriff auf dem Bahnhof Jagodyn ein Zug, in dem der Kanzlerberater Deutschlands Günther Sautter, weitere europäische Diplomaten und der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson fuhren.
Widersprüchliche Angaben
Die Versionen der Quellen weichen in der zentralen Frage voneinander ab – nämlich darüber, welcher Zug genau zum Zeitpunkt des Schlags auf dem Bahnhof stand und wer sich darin befand. Laut Der Spiegel stand kurz vor dem Angriff auf dem Bahnhof Jagodyn ein diplomatischer Zug mit Günther Sautter und Boris Johnson. Gleichzeitig erklärte die «Ukrzaliznyzja», dass zum Zeitpunkt des eigentlichen Angriffs auf dem Bahnhof Jagodyn ein anderer Zug stand, in dem der ehemalige CIA-Direktor David Petraeus fuhr. Dasselbe Ereignis wird also mit unterschiedlichen Fahrgastzusammensetzungen und unterschiedlichen zeitlichen Bezügen beschrieben, was eine eindeutige Feststellung darüber, welcher Zug genau getroffen wurde und welche der genannten Personen sich im Moment des Schlags darin befand, nicht zulässt.
Version der «Ukrzaliznyzja» zum Ziel des Schlags
Die «Ukrzaliznyzja» vermutete, dass der russische Drohne gezielt auf den diplomatischen Zug abgezielt haben könnte. Ihren Angaben zufolge verließ dieser Zug den Bahnhof früher als geplant, bedingt durch Änderungen im Fahrplan, die mit der Sicherheitslage zusammenhängten. Diese Version stimmt mit den Worten Selenskyjs überein, dass der Angriff trotz der Anwesenheit einer großen internationalen Delegation im Zug durchgeführt wurde, und stützt seine Vermutung über eine mögliche Kenntnisnahme der russischen Seite über die Route und die Zusammensetzung.
Zum Zeitpunkt der Erstellung des Materials liegt keine unabhängige Bestätigung der vollständigen Liste der Fahrgäste des getroffenen Zuges und des genauen Ziels des Schlags vor: Die Positionen von Selenskyj, Der Spiegel und der «Ukrzaliznyzja» überschneiden sich teilweise, stimmen aber in den Details nicht überein. Die Tatsache des Drohnenschlags auf einen Eisenbahnzug an der Grenze zu Polen am 13. September wird von mehreren Quellen bestätigt, während die Zusammensetzung der Fahrgäste und die Absichten des Angreifers Gegenstand widersprüchlicher Aussagen bleiben.