Der Leader der Rockband O.Torvald, Jewhenij Halitsch, kommentierte in einem neuen Interview mit der Journalistin Alina Dorotjuk offen seine «Entlassung» aus den Reihen der Streitkräfte der Ukraine und reagierte auf die Welle der Reaktionen, in denen seine Situation mit dem Erleben anderer Soldaten verglichen wurde. Der Musiker, der sich seit 2025 aktiv mit dem Thema unsichtbarer Kampfschäden befasst, erklärte, dass das für Laien geläufige Wort «Kontusion» den tatsächlichen Umfang der Folgen des Krieges für Körper und Psyche eines Menschen nicht widerspiegelt.
«Das war unsere Entscheidung im Jahr 2022»
Halitsch begann das Gespräch damit, dass er großen Respekt vor allen ausdrückt, die 2022 freiwillig die Waffe ergriffen, um das Land zu verteidigen. Seinen Worten zufolge wurde genau damals eine kollektive Entscheidung getroffen, und jeder, der in den Krieg ging, handelte bewusst. Der Musiker zog jedoch eine scharfe Grenze: Es sei falsch, sich an Dienstzeiten und an der Art der erlittenen Verletzungen zu «messen». «Alle sagen jetzt: Mein Mann ist dort mit Verletzungen, mit Kontusionen … Nun, ich auch, — zitiert Styler Halitsch. — Aber wenn wir angefangen haben, uns an Dienstzeiten und Verletzungen zu messen …» — genau diese Logik entwerte, seiner Meinung nach, das reale Erleben jener, deren Verletzungen nicht mit bloßem Auge sichtbar sind.
Unsichtbare Verletzungen: von der Barotrauma bis zur Schizophrenie
Ein eigener Abschnitt des Interviews ist der medizinischen Terminologie und der Natur der Kampfschäden gewidmet. Halitsch erläuterte, dass das Wort «Kontusion» eine Vereinfachung darstellt: Die korrekten Diagnosen lauten «Schädel-Hirn-Verletzung durch Minen- und Sprengverwundung» bzw. «Barotrauma» bei Schädigung der Hörorgane. «Und es gibt eine enorme Vielzahl solcher Arten», betonte er. Der Musiker erzählte auch, dass er sich seit 2025 mit dem Thema unsichtbarer Schäden befasst und persönlich beobachtet hat, wie sich die Folgen mit einer Verzögerung von zwei bis drei Monaten manifestieren: Der Mensch dient weiter auf Adrenalin, weil «die Hände an ihrem Platz sind, die Beine an ihrem Platz», und dann entwickelt er buchstäblich eine Schizophrenie und eine Anpassungsstörung, nach der die Rückkehr in das zivile Leben äußerst erschwert wird.
Die Statistiken aus Afghanistan und dem Irak als Warnung
Um das Ausmaß des Problems zu verdeutlichen, nannte Halitsch Daten, die er, seinen Worten zufolge, im Kontext der Erfahrungen von Soldaten nach den Kriegen in Afghanistan und dem Irak gesehen hatte: Etwa 20 % der Soldaten kehrten mit unsichtbaren Verletzungen zurück, und die Destabilisierung der Zivilgesellschaft hing in großem Maße genau damit zusammen. «Sie können ihre Emotionen nicht kontrollieren. Das ist ein schweres PTBS, das ist eine Anpassungsstörung, das sind depressive Syndrome. Darüber spricht nie jemand», unterstrich der Frontmann. Er erwähnte auch einen Fall, in dem ein Soldat mitten während eines Konzerts einen Anfall erlitt, und rief dazu auf, solche Zustände nicht auf «gewöhnlichen Alkoholkonsum» zu schieben, da ein Mensch in solchem Zustand Substanzen nicht aus «gutem Leben» konsumiert, sondern als Versuch, mit dem Zustand umzugehen, was ihn nur verschlimmert.
Warum manche ausgemustert werden, andere aber nicht
Zum Abschluss des Gesprächs kehrte Halitsch zur Ausgangsfrage zurück — zu den Kriterien der Entlassung. Er erklärte, dass man anhand äußerer Merkmale den tatsächlichen Zustand eines Menschen und seine Fähigkeit, weiter zu dienen, nicht beurteilen könne. «Ich kenne Jungs, die auf der psychiatrischen Abteilung liegen. Wir fahren zu ihnen, sprechen mit ihnen, finden Spezialisten, die mit ihnen arbeiten werden. Dass sie in diese Welt zurückkehren werden — die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering», sagte der Musiker. Seiner Überzeugung nach hält die Gesellschaft mentale Verletzungen, Hirn-, Hör- und Sehstörungen bis heute für «unsichtbar» und weniger wichtig als physische, und genau diese Haltung müsse sich ändern.
Widersprüchliche Daten
In den vorliegenden Quellen wurden keine direkten faktischen Widersprüche hinsichtlich des Datums der Entlassung oder der Art der Verletzungen Halitschs festgestellt. Im Interview gibt er jedoch das genaue Datum seines Ausscheidens aus den Reihen der AFU und die konkrete Diagnose nicht preis, sondern beschränkt sich auf allgemeine Formulierungen über «unsichtbare Verletzungen» und die Beschäftigung mit diesem Thema «seit 2025». In anderen Veröffentlichungen (u. a. auf Unian) hatte der Musiker zuvor von zwei Fällen gesprochen, in denen er «beinahe gestorben» sei, was auf einen schwereren Zustand hindeuten könnte, als es aus dem aktuellen Zitat hervorgeht. Der Unterschied in den Schwerpunkten erklärt sich durch das Format: Im Styler-Interview legt Halitsch den Schwerpunkt auf die gesellschaftliche Debatte und nicht auf persönliche medizinische Details.