Der Sieg bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt war für die «Alternative für Deutschland» (AfD) nicht nur ein regionaler Triumph, sondern der Auslöser für die öffentliche Artikulation des außenpolitischen Kurses der Partei. Innerhalb weniger Tage nach der Wahl traten AfD-Vertreter aktiv in deutschen Fernsehsendungen auf und legten ihre Positionen zu drei Schlüsselthemen dar: die Sanktionspolitik gegenüber Russland, die militärische Unterstützung der Ukraine und die Energiestrategie der Bundesrepublik. Zentrale Stimme in dieser Kampagne war der stellvertretende Parteivorsitzende Tino Hrupalla, dessen Aussagen in den Bundesfernsehenkanälen übertragen wurden und in den politischen Kreisen Berlins und Kiews breite Resonanz hervorriefen.
«Sanktionen sind in jeder Form sinnlos»
In der Sendung eines deutschen Fernsehsenders erklärte Hrupalla, die Partei sehe im Sanktionsregime gegen Moskau «keinerlei Sinn» und rief dazu auf, «mit dem Kreml zu sprechen». «Ich bin der Meinung, dass Sanktionen in jeder Form sinnlos sind und vor allem der deutschen Wirtschaft selbst enormen Schaden zugefügt haben», betonte der Politiker. Seinen Worten zufolge haben die seit 2022 eingeführten wirtschaftlichen Beschränkungen zu steigenden Energiepreisen und einer Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Industriesektors geführt, was nach Auffassung der AfD zu einem der Faktoren der Erosion des Vertrauens in die Bundesregierung wurde. Ende Dezember 2025 verzeichnete das Kabinett von Kanzler Friedrich Merz einen Negativrekord bei der Vertrauenswürdigkeit in der Bevölkerung, und vor diesem Hintergrund haben sich pro-russisch gesinnte Kräfte, einschließlich der AfD, bei der Rhetorik zur Überarbeitung der Sanktionspolitik deutlich aktivisiert.
Orbán als «Vorbild der Souveränität»
Als Illustration eines alternativen Ansatzes in den Beziehungen zu Russland führte Hrupalla das Beispiel des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbáns an. Den Worten des AfD-Chefs zufolge habe Orbán, der die ungarische Energieversorgung an russische Lieferungen gebunden hat, «echte Souveränität» bewiesen. «Wissen Sie, warum Viktor Orbán nach Moskau gefahren ist? Die Ungarn zahlen 2,53 Cent pro Kilowattstunde für Gas. Das ist Souveränität», erklärte Hrupalla im Fernsehen. Damit bietet die AfD Berlin de facto an, das ungarische Modell der Energieabhängigkeit von Moskau nachzuahmen und es nicht als Schwäche, sondern als Instrument der nationalen Unabhängigkeit von den westlichen Energiemärkten zu positionieren. Experten weisen darauf hin, dass diese Rhetorik der Position der Europäischen Union direkt widerspricht, die die Diversifizierung der Energieträger als strategische Sicherheitspriorität betrachtet.
Stopp der Waffen- und Drohnenlieferungen an die Ukraine
Auf die Frage zur Unterstützung der Ukraine erklärte Hrupalla, es sei notwendig, die Waffenlieferungen an die Streitkräfte der Ukraine zu stoppen. «Wir produzieren in Deutschland Drohnen, die für Angriffe auf russisches Territorium verwendet werden, und wir sind dagegen», betonte er. Diese Aussage bedeutet de facto, dass Deutschland im Falle einer Stärkung der AfD-Positionen auf Bundesebene aus den Programmen zur gemeinsamen Produktion und Lieferung von Drohnensystemen aussteigen könnte, die Berlin im Rahmen der Koalitionsverpflichtungen gegenüber Kiew sicherstellt. Zuvor hatte der ehemalige ukrainische Konsul in München, Rektor des Ukrainischen Freien Universitäts, Dmytro Schewtschenko, davor gewarnt, dass ein Sieg der AfD zu wesentlichen Veränderungen im Charakter der Hilfe Berlins sowohl für die Ukraine als auch für ukrainische Flüchtlinge führen könnte. Dabei teilte Schewtschenko die Hilfe in militärische und humanitäre auf und stellte fest, dass die verwundbare Stelle gerade die militär-technische Zusammenarbeit sei.
45 % im Osten: Forsa-Umfrage registriert AfD-Sprung
Eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa hat festgehalten, dass die Unterstützung der AfD im Osten Deutschlands 45 % erreicht hat – 13 Prozentpunkte über dem Ergebnis der Wahlen 2025 und fast das Vierfache des Ergebnisses der Christlich-Demokratischen Union (CDU), die in derselben Region 12 % auf sich vereinigt. Die von Forsa im Zusammenhang mit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt veröffentlichte Infografik zeigt ein anhaltendes Wachstum der Wählerbasis der Partei in den östlichen Bundesländern. Auf Fotos von Kundgebungen und öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen des Wahlkampfs sind Teilnehmer mit deutschen Flaggen, AfD-Symbolik und Plakaten mit Parolen zum «Rechtsstaat» (für Rechtsstaat) zu sehen, was auf einen Versuch der Partei hinweist, ihre Agenda durch die Rhetorik der Rechtsstaatlichkeit und der nationalen Identität zu legitimieren.
Kontext: vom Vertrauens-Negativrekord zum Aufstieg pro-russischer Kräfte
Die Analyse der politischen Dynamik in der Bundesrepublik in den Jahren 2025–2026 zeigt eine klare Korrelation zwischen dem Rückgang des Ratings der Bundesregierung und dem Anstieg der Unterstützung der AfD. Der im Dezember 2025 festgestellte Vertrauens-Negativrekord wurde zum Katalysator für pro-russisch gesinnte Parteien, die die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen und der Migrationspolitik aktiv ausnutzen. Die AfD, die mit Argumenten über «Souveränität» und «Sinnlosigkeit der Sanktionen» operiert, formt eine Agenda, die vor allem in den östlichen Ländern Anklang findet, wo der Unterstützungsgrad der Partei bereits über 40 % liegt. Bleibt diese Dynamik bei den Bundestagswahlen des nächsten Zyklus erhalten, könnte die AfD zum Schlüsselfaktor werden, der den außenpolitischen Kurs Deutschlands gegenüber Russland und der Ukraine bestimmt.