In rund zwanzig deutschen Städten fanden große Straßendemonstrationen gegen die rechtsextreme Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) statt. Laut Organisatoren nahmen insgesamt etwa 150.000 Menschen an den Demonstrationen teil. Die Teilnehmer hielten Plakate mit Parolen wie „AfD jetzt verbieten“ und „Demokratie braucht keine Alternativen“ und hissten Regenbogen- und andere Flaggen. Die Aktionen wurden von einer Kampagne koordiniert, die sich für ein Verbot der AfD einsetzt; auch die Organisation Campact schloss sich an. Die Proteste waren eine direkte Reaktion auf den überzeugenden Sieg der Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September.

Ursachen und Kontext: das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt

Der zentrale Auslöser der Aktionen war das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt: Die AfD erhielt dort fast 44 % der Stimmen und lag damit deutlich vor der Christlich-Demokratischen Union, die bei Unterstützung von Kanzler Friedrich Merz rund 17 % holte. Dieser Abstand war eines der höchsten Ergebnisse der Partei in jüngerer Zeit und verstärkte nach Einschätzung von Beobachtern die Sorgen in der Gesellschaft über ihren Einfluss auf die Bundes- und Landespolitik. Vor diesem Hintergrund beschlossen zivile Kampagnen, die Proteste in mehreren Städten gleichzeitig zu koordinieren, um die Breite der gesellschaftlichen Ablehnung des rechtsextremen Kurses zu zeigen.

Stimmen der Organisatoren und Zusammensetzung der Teilnehmer

Campact-Leiter Christoph Bautz erklärte, dass Vertreter eines breiten Spektrums der Zivilgesellschaft auf die Straße gegangen seien; das Ziel der Proteste sei es, den Machtantritt dessen zu verhindern, was er als „Feinde der Verfassung“ bezeichnete. Die Organisatoren betonen, dass die Aktionen friedlich sind und auf den Schutz demokratischer Institutionen abzielen. Auf den Bildern von den Protestorten sind dichte Menschenmengen, erhobene Hände, Plakate und Flaggen zu sehen, was auf eine hohe Mobilisierung der Teilnehmer in verschiedenen Städten gleichzeitig hindeutet.

Gegendemonstrationen von AfD-Anhängern in Berlin

In Berlin fanden parallel auch separate Aktionen von AfD-Anhängern statt. An der Gegendemonstration nahm unter anderem Christine Brinker teil – die Spitzenkandidatin der Partei für die anstehenden Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Das Vorhandensein von Gegenmärschen unterstreicht die Polarisierung der öffentlichen Meinung: Während die einen ein Verbot der Partei fordern, demonstrieren andere öffentlich Unterstützung für ihre Kandidaten vor dem neuen Wahlzyklus.

Widersprüchliche Zahlen

Bei der Einschätzung des Umfangs der Aktionen gibt es Abweichungen. Die Organisatoren sprechen von etwa 150.000 Teilnehmern insgesamt in allen Städten, während in einer Reihe von redaktionellen Formulierungen das Ereignis zurückhaltender als die Teilnahme „Zehntausender“ Menschen beschrieben wird. Die Zahl von 150.000 stammt von den Organisatoren selbst und wurde nicht durch eine unabhängige Zählung bestätigt; sie sollte daher als obere Schätzung verstanden werden. Die Tatsache der Durchführung großer Proteste in mehreren Städten wird von keiner der Seiten bestritten.

Wahlen am 20. September und Folgen für die Ukraine

Die nächsten zwei Landtagswahlen in Deutschland sind für den 20. September geplant, darunter auch in Berlin, und Umfragen prognostizieren der AfD auch bei diesen Wahlen ein starkes Ergebnis. Vor diesem Hintergrund wird in der öffentlichen Debatte betont, dass Deutschland eine Einschränkung des Zugangs von AfD-Mitgliedern zu Informationen über den Krieg erwägt und eine Weitergabe von Informationen nach Russland befürchtet. Zuvor hatte einer der Parteiführer zum Abbau der Sanktionen gegen den Kreml und zum Ende der Hilfe für die Ukraine aufgerufen, und die AfD lobte Viktor Orbán öffentlich dafür, dass er das Energiesystem Ungarns an die Lieferungen aus Moskau gekoppelt hat. Der ehemalige ukrainische Konsul in München, Kanzler der Ukrainischen Freien Universität, Dmytro Schewtschenko, wies darauf hin, dass ein Sieg der AfD den Charakter der Hilfe Berlins für die Ukraine und die Ukrainer beeinflussen könnte, wobei er zwischen militärischer Unterstützung und Hilfe für Flüchtlinge unterschied. Damit waren die Proteste am 13. September nicht nur ein innenpolitisches Ereignis, sondern auch ein Indikator dafür, wie die deutsche Gesellschaft die Risiken für ihre Außen- und Verteidigungspolitik bewertet.