Attacken auf die Grenzinfrastruktur sind bereits zu einem beständigen Faktor geworden, der die Arbeit internationaler Spediteure beeinflusst: Die vorübergehende Stilllegung einzelner Grenzübergänge verschiebt die Last auf benachbarte Übergänge, verlängert die Warteschlangen und zwingt Logistikunternehmen, entweder auf die Wiederaufnahme der Abfertigung zu warten oder alternative Routen zu wählen. Im Rahmen eines Blitzinterviews für RBC-Ukraine erklärte Vizepräsident der Assoziation internationaler Auto­spediteure der Ukraine (AsMAP), Wladimir Balin, welche Richtungen derzeit am problematischsten sind und wie sich dies auf den internationalen Transport auswirkt. Seinen Worten zufolge verzeichnet die Branche eine Zunahme der Wartezeiten und vorübergehende Beschränkungen der Bewegung auf einzelnen Routen, wobei die Reaktion der Spediteure weiterhin situationsbedingt und an konkrete Vorfälle gebunden bleibt.

Moldauische und rumänische Richtung: Wo es am häufigsten „trifft“

Das wichtigste aktuelle Problem ist nach Einschätzung der AsMAP die moldauische Grenze: Dort wurden bereits mehrfach Angriffe registriert, und zwei Grenzübergänge wurden für einen Tag außer Betrieb gesetzt. Balin nannte insbesondere den Übergang Orlowka an der Grenze zu Rumänien, wo es seinen Worten zufolge bereits fünfmal „getroffen“ habe und der in letzter Zeit fast zwei Tage lang nicht gearbeitet habe. Die Geschichte mit Orlowka wiederhole sich seit mehreren Jahren immer wieder. Infolgedessen stehen die Fahrzeuge entweder in Warteschlangen oder werden auf andere Übergänge umgeleitet, was zu Spannungen führt und die Schlangen auf angrenzenden Routen verlängert.

Polnische Grenze: Der wichtigste Knotenpunkt und seine Verwundbarkeit

Am angespanntsten bleibt für die Branche die polnische Richtung, da deren Durchlassfähigkeit etwa 50 % aller internationalen Auto­grenzübergänge der Ukraine ausmacht – insgesamt bis zu 2000 Lkw pro Tag in eine Richtung. Der größte Übergang hier ist Jagodyn, der laut Memorandum 600–680 Fahrzeuge pro Tag in eine Richtung aufnehmen kann, in einer normalen Situation etwas mehr. Kürzlich wurde in der Nähe von Jagodyn ein Angriff registriert, infolgedessen der Grenzübergang eine Zeit lang nicht arbeitete und sein Betrieb ausgesetzt wurde. Somit ist selbst ein einzelner Vorfall an diesem Knotenpunkt in der Lage, die gesamte Netz der internationalen Transporte spürbar zu beeinflussen.

Verlagerung der Verfahren über die Grenze: Schutz von Menschen und Gütern

Ein weiterer Trend, den die AsMAP feststellt, ist die Verlagerung eines Teils der Grenzübergänge und der damit verbundenen Verfahren auf das Gebiet Polens oder Moldaus. Balin zufolge arbeiten Grenz- und Zollbehörden daran, einen Teil der Abfertigung auf die andere Seite der Grenze zu verlegen, um Spediteure, Passagiere und Güter vor Risiken zu schützen. Er bestätigte, dass bereits mehrere Übergänge faktisch auf polnischem oder moldauischem Gebiet arbeiten, und führte als Beispiel den Übergang Uschtylug–Zosin an, der sich faktisch auf der polnischen Seite befindet. Die Assoziation unterstützt diese Position der Behörden und hält die Verlagerung der Verfahren angesichts der anhaltenden Bedrohungen für einen logischen Schritt.

Routen und Kosten: Wie Spediteure auf Schließungen reagieren

Auf die Frage nach einer systematischen Änderung der Routen wegen Angriffsrisiken antwortete Balin zurückhaltend: Eine Statistik, nach der ein Spediteur vorab und regelmäßig über einen anderen Übergang fährt, habe die AsMAP nicht. Seinen Worten zufolge wird die Entscheidung situationsbedingt getroffen – die Fahrer fahren in die Schlangen, sehen die Auslastung und wählen die Richtung; wenn jedoch ein Grenzübergang geschlossen wird, überwacht der Spediteur, wie lange er geschlossen bleibt, und kann erst dann einen Umweg fahren. Objektiv erhöht die Fahrt über einen anderen Grenzübergang die Kosten des Spediteurs, ob der Auftraggeber diese Kosten ausgleicht, hängt jedoch von den Vereinbarungen zwischen den Parteien ab, und eine einheitliche Antwort auf diese Frage gibt es in der Branche noch nicht.

Bereitschaft der Fahrer: Verzicht auf Kampfzonen

Ein separates Thema des Interviews war die Bereitschaft der Fahrer, internationale Fahrten durchzuführen. Spediteure beklagen, dass viele Fahrer sich weigern, in Zonen zu fahren, in denen aktive Kampfhandlungen stattfinden – es geht um die Oblaste Saporischschja, Charkiw und Cherson, und einige verweigern sogar die Fahrt nach Kiew. Gleichzeitig seien der AsMAP nach den Worten Balins keine konkreten Beschwerden über einzelne Grenzübergänge, zu denen die Fahrer „nicht fahren“, zugegangen, und es wurden keine entsprechenden Anfragen registriert. Der Sicherheitsfaktor beeinflusst somit die Geografie der Fahrten insgesamt, ist aber nicht an konkrete Grenzübergänge gebunden.

Koordination mit den Behörden und Reserve­szenarien

Die AsMAP teilt die Position der Zollbehörde und der Grenzbeamten, dass die Verfahren bei Möglichkeit auf die polnische oder moldauische Seite verlegt werden sollten, und bestätigt, dass sich die Lage mit Moldau bereits in diese Richtung „bewegt“. Die Verlagerung eines Teils der Übergänge auf das Gebiet der Nachbarn wird als wichtiges Reserve­szenario betrachtet, das die Stabilität des Betriebs der Übergänge im Falle ihrer vorübergehenden außer Betrieb Setzung erhält. Für die Spediteure bleibt die Kombination zweier Maßnahmen am relevantesten: die operative Information über Schließungen und die konsequente Verlagerung verwundbarer Verfahren über die Grenze, was sowohl die Risiken für Menschen als auch die Logistik­kosten senken sollte.