Betrügerische Abbuchungen von Bankkarten bleiben in der Ukraine eines der häufigsten Probleme für Verbraucher. Laut Experten ist der entscheidende Faktor für die erfolgreiche Rückforderung gestohlener Gelder die Geschwindigkeit und die Richtigkeit der Handlungen des Opfers selbst. Dies erklärte die Vorsitzende des Ausschusses der Anwaltsvereinigung der Ukraine für Zivilrecht und Zivilprozess, Leiterin der Anwaltskanzlei, Tatyana Danilenko, in einem Kommentar für RBC-Ukraine. Ihren Worten zufolge können die ersten Schritte des Kunden sowohl für die polizeiliche Ermittlung als auch für einen möglichen Rechtsstreit mit der Bank entscheidend sein.
Erste Schritte: Was Sie sofort nach Entdeckung der Abbuchung tun sollten
Die Anwältin betont, dass der Handlungsablauf in den ersten Minuten nach Entdeckung einer unbefugten Operation streng festgelegt ist. Zunächst muss die Bankkarte gesperrt werden – dies ist über die Mobile-App, über die Hotline der Bank oder in einer Filiale möglich. Anschließend ist ein schriftliches Schreiben an die Bank mit der Forderung zu richten, die konkreten Operationen zu prüfen und die abgebuchten Mittel zurückzuerstatten. Parallel dazu wird dem Opfer empfohlen, sich mit einer Anzeige wegen Betrugs an die Polizei zu wenden. Danilenko merkt an, dass der Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit der Bank in der Regel im System der Kreditinstitution festgehalten wird und die Aufzeichnung des Telefonats mit dem Bediener ein wichtiges Beweismittel in einem späteren Verfahren sein kann. Deshalb rät die Anwältin, alle Quittungen, Screenshots der Benachrichtigungen aufzubewahren sowie Datum und Uhrzeit jeder Kontaktaufnahme zu dokumentieren.
Rechtsgrundlage: Wer trägt die Verantwortung für eine unbefugte Abbuchung
Gemäß den Bestimmungen des ukrainischen Zivilgesetzbuchs kann eine Abbuchung von Mitteln vom Konto ausschließlich vom Kunden selbst veranlasst werden. Die Bank ist ihrerseits verpflichtet, den Zahlenden vor Durchführung jeder Operation ordnungsgemäß zu identifizieren. Wenn eine Überweisung oder Abbuchung von einer unbefugten Person ohne Zustimmung des Kontoinhabers vorgenommen wurde, gilt diese Handlung als ungerechtfertigt. In diesem Fall ist die Bank verpflichtet, den Kontostand wiederherzustellen und den entstandenen Schaden zu ersetzen. Tatyana Danilenko lenkt die Aufmerksamkeit auf einen wichtigen juristischen Aspekt: Nur das Vorliegen von Umständen, die zweifelsfrei beweisen, dass der Nutzer durch eigenes Handeln oder Unterlassen zum Verlust oder zur unrechtmäßigen Verwendung des PIN-Codes oder anderer Daten beigetragen hat, ist Grundlage für die zivilrechtliche Haftung des Kunden. Mit anderen Worten liegt die Beweislast für das Verschulden des Verbrauchers bei der Bank und nicht umgekehrt.
Interne Ermittlung der Bank und das Verfahren der Rückzahlung
Nach Erhalt des Schreibens des Kunden führt die Bank eine interne Ermittlung durch. Im Rahmen dieses Verfahrens analysiert die Kreditinstitution die Umstände der Durchführung der Operationen, prüft die Zugangswege zum Konto und bewertet, ob der Karteninhaber die Sicherheit der Daten fahrlässig behandelt hat. Wenn die Ergebnisse der internen Ermittlung bestätigen, dass die Transaktionen betrügerisch waren und nicht auf Handlungen des Karteninhabers zurückzuführen sind, ist die Bank verpflichtet, die Mittel zurückzuerstatten. Die Anwältin Danilenko erinnert daran, dass die Dauer einer solchen Ermittlung in der Praxis variieren kann, der Kunde jedoch das Recht hat, von der Bank konkrete Fristen und eine schriftliche Begründung jeder Ablehnung zu verlangen.
Wenn die Bank ablehnt: Beschwerde bei der NBU und Klageerhebung
Falls die Bank die Rückzahlung der Mittel verweigert, rät die Anwältin, nicht bei diesem Schritt aufzuhören. Der erste Schritt sollte die Beschwerde gegen die Entscheidung bei der Nationalbank der Ukraine sein. In der Beschwerde sind alle bestätigenden Dokumente beizufügen: Kopien der Schreiben, Kontoauszüge, Gesprächsaufzeichnungen, polizeiliche Beschlüsse. Wenn der Regulierer nicht weiterhilft, hat der Verbraucher das volle Recht, mit einer Klage beim Gericht vorstellig zu werden, in der er die Feststellung der Rechtswidrigkeit der Handlungen der Bank, die Wiederherstellung des Kontostands und die Aufhebung einer eventuellen Verbindlichkeit verlangt, falls diese infolge der betrügerischen Nutzung von Kreditmitteln entstanden ist. Wichtig ist, dass das Gericht solche Fälle unter Berücksichtigung der Vermutung des Verbraucherschutzes prüft.
Befreiung vom Gerichtsgebühr und abschließende Empfehlungen der Expertin
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Frage der Gerichtskosten. Den Worten von Tatyana Danilenko zufolge sind Kläger in Streitigkeiten um den Verbraucherschutz gemäß dem Gesetz der Ukraine „Über den Schutz der Rechte der Verbraucher“ von der Zahlung der Gerichtsgebühr befreit. Das bedeutet, dass die finanzielle Belastung des Opfers bei einer gerichtlichen Klage minimal ist. Zusammenfassend betont die Anwältin: Rechtzeitige und konsequente Handlungen ohne Verzögerung sind die Garantie für die Rückzahlung der Mittel in der Zukunft. Je schneller der Kunde den Betrug feststellt und sich an die zuständigen Behörden wendet, desto höher sind die Chancen auf eine vollständige Wiederherstellung des gestohlenen Geldes und die Strafverfolgung der Täter.