Neueste Daten zum Flaggschiff-Chip Apple A20 Pro zeigen einen nicht offensichtlichen, aber aussagekräftigen Wandel im Rennen der mobilen SoCs: Die Speicherleistung wird heute weniger vom Standard-Generation bestimmt als von der Qualität des Controller-Designs. Laut verfügbaren Messungen liefert der A20 Pro auf dem 2-nm-Verfahren von TSMC eine Speicherbandbreite von 115,2 GB/s, während der Chip Xiaomi XRING 03, der die neuere LPDDR6-Generation nutzt, bei 113,8 GB/s bleibt. Damit entlockt Apple dem „bewährten“ LPDDR5X mehr als der Konkurrent dem neuesten Standard.

Bandbreite: LPDDR5X gegen LPDDR6

Beide Chips basieren auf einem 96-Bit-Speicherbus, arbeiten jedoch mit unterschiedlichen Signalgeschwindigkeiten: Der A20 Pro nutzt LPDDR5X-Module mit 9600 MT/s, der XRING 03 LPDDR6 mit 10 667 MT/s. Trotz der höheren Speichertaktung bei Xiaomi liegt die endgültige Bandbreite bei Apple höher. Das zeigt, dass die Rohgeschwindigkeit der Module nicht der einzige und nicht der entscheidende Faktor ist: Entscheidend ist, wie der Speichercontroller den Operationstrom organisiert.

Sechskanal-Architektur als Schlüssel zum Vorsprung

Der Vorteil des A20 Pro wird vermutlich auf die sechskanalige Speicheranordnung zurückgeführt. Diese Konfiguration ermöglicht es dem Controller, Lese- und Schreiboperationen gleichzeitig effizienter zu verarbeiten, was Latenzen senkt und die tatsächliche Bandbreite erhöht. Offizielle Angaben zu einer solchen Konfiguration beim A20 Pro lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor; eine ähnliche Anordnung war jedoch bereits zuvor in Leaks aufgetaucht, was diese Annahme plausibel, aber nicht bestätigt macht.

Neuronale Berechnungen und neues Gehäuse

Die Änderungen am A20 Pro sind eindeutig auf lokale KI-Aufgaben zugeschnitten. Der Chip erhielt einen doppelten Neural Engine mit jeweils 16 Kernen pro Block – insgesamt 32 Kerne – sowie einen 7-Kern-GPU. Schätzungen zufolge ist die Gesamt-SoC-Leistung gegenüber dem Vorgänger um etwa 20 % gestiegen. Die Verpackung ist vermutlich auf das WMCM-Schema übergegangen, bei dem der DRAM neben dem Chip platziert wird; dies soll bei anspruchsvollen Neuronen-Netzwerk-Berechnungen der Wärmeabfuhr dienen.

Warum Apple LPDDR5X beibehalten hat

Der Verzicht auf den Wechsel zu LPDDR6 ist vermutlich eine bewusste wirtschaftliche Entscheidung. Angesichts der hohen Kosten des Wechsels zum 2-nm-Verfahren von TSMC hat das Unternehmen offenbar die Produktionskosten nicht zusätzlich durch eine neue Speicher-Generation aufgebläht, sondern auf das ausgereifte und günstige LPDDR5X in Kombination mit einem optimierten Controller gesetzt.

Widersprüchliche Daten

Einige Merkmale des A20 Pro – 2-nm-Verfahren, 32 Kerne des Neural Engine, 7-Kern-GPU und die neue Verpackung mit Speicher neben dem Chip – werden von mehreren unabhängigen Quellen bestätigt. Die sechskanalige Speicheranordnung, die den Bandbreitenvorsprung erklärt, wurde jedoch von Apple nicht offiziell bestätigt und stützt sich auf Leaks. Daher sind die Schlussfolgerungen zur Ursache der Leistungslücke im Speicher als fundierte Hypothese und nicht als bewiesene Tatsache zu betrachten.