Der ukrainische Arbeitsmarkt im Juli 2026 weist eine ausgeprägte strukturelle Ungleichgewichtigkeit auf: In einigen Branchen sind die Kandidaten gezwungen, um eine begrenzte Anzahl von Stellen gegeneinander zu konkurrieren, während andere Arbeitgeber seit Monaten nicht in der Lage sind, ihre Positionen zu besetzen. Laut einer gemeinsamen Studie von OLX Работа und EBA wurde die höchste Konkurrenz unter den Bewerbern im Bereich „Werbung/Design/PR“ verzeichnet — im Durchschnitt entfielen 36,9 Bewerbungen auf eine Ausschreibung, was den Wert von Juli 2025 (36,6) nur geringfügig übersteigt. In der Medizin und Pharmazie entfallen hingegen nur 2,6 Bewerbungen auf eine Stelle, was auf einen chronischen Fachkräftemangel in der Branche hinweist.

Wo Kandidaten um Jobs konkurrieren

Neben den kreativen Berufen wird im Segment „Callcenter/Telekommunikation“ eine hohe Dichte an Bewerbungen verzeichnet — 30,3 Bewerbungen pro Stelle gegenüber 26 vor einem Jahr. Auf dem dritten Platz liegt die Kategorie „Karrierebeginn/Studenten“ mit 21 Bewerbungen pro Ausschreibung, während die Konkurrenz hier im Juli 2025 deutlich höher war — 28,5. Ein deutlicher Rückgang der Konkurrenz wurde im IT-Sektor festgestellt: Der Wert sank von 16,1 auf 11,5 Bewerbungen pro Stelle. Unter dem Verwaltungspersonal, HR und Sekretariat sank die Zahl von 12 auf 10,8, und in der Kategorie „Kultur/Kunst/Unterhaltung“ — von 14,2 auf 10.

Wo Arbeitgeber nach Arbeitnehmern suchen

Im Juli 2026 wurden die meisten Stellen im Bereich „Produktion/Handwerkliche Berufe“ veröffentlicht — 19.974 Ausschreibungen. Auf dem zweiten Platz lag „Einzelhandel/Vertrieb/Einkauf“ mit 19.205 Stellen, auf dem dritten — „Logistik/Personal/Lieferung“ (17.640 Ausschreibungen). Weitere 10.445 Positionen platzierten die Arbeitgeber im Bau- und Verlegewesen, und im Hotel- und Restaurantgeschäft sowie im Tourismus wurden 8.741 Stellen eröffnet. Laut Studie leiden fast 80 % der Arbeitgeber unter einem Fachkräftemangel: 30 % der Positionen werden erst nach drei oder mehr Monaten besetzt, während weniger als 6 % der Stellen schneller als innerhalb eines Monats gefüllt werden.

Entwicklung der Mediangehälter

Angesichts des Fachkräftemangels erhöhen die Arbeitgeber weiter die Vergütung. In der Produktion und in den handwerklichen Berufen stieg das Mediangehalt im Jahresvergleich von 22.750 auf 28.750 Hrywnja. Im Einzelhandel stieg der Wert von 18.000 auf 20.850 Hrywnja, in der Logistik — von 27.700 auf 30.875 Hrywnja. Der deutlichste Anstieg wurde im Bauwesen verzeichnet: Das Mediangehalt stieg von 31.125 auf 38.125 Hrywnja. Im Hotel- und Restaurantgeschäft sowie im Tourismus stieg die Vergütung von 17.750 auf 21.000 Hrywnja.

Was für Bewerber am wichtigsten ist

Die Studie von OLX Работа und EBA zeigt, dass für Kandidaten bei der Wahl des Arbeitsplatzes Faktoren wie die Nähe des Arbeitsplatzes zum Wohnort, flexible Arbeitszeiten und eine offizielle Anstellung mindestens so wichtig sind wie das Gehalt und die Karriereperspektiven. Gleichzeitig planen 38 % der Arbeitnehmer einen Arbeitsplatzwechsel — gegenüber 15 % vor einem Jahr. Der Hauptgrund für die Absicht, den Arbeitgeber zu wechseln, bleibt der Wunsch nach einem höheren Einkommen, und zu den wichtigsten Problemen bei der Suche nach einer neuen Position zählen für die Bewerber niedrige Gehälter, ein Mangel an passenden Stellen und überzogene Anforderungen der Arbeitgeber.

Strukturelle Lücke des Marktes

Die Gesamtheit der Daten zeichnet ein Bild eines Marktes, auf dem Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften branchenbezogen asynchron sind. In kreativen und administrativen Bereichen wird ein Überangebot an Kandidaten beobachtet, während Produktion, Logistik, Bauwesen und Medizin einen akuten Mangel an Fachkräften aufweisen. Die Arbeitgeber reagieren auf den Fachkräftemangel mit Gehaltserhöhungen, der Einführung von Boni, Schulungen und flexiblen Arbeitsbedingungen, doch nach Einschätzung der Experten reichen diese Maßnahmen oft nicht aus, um die Lücke bei den Fachkräften zu schließen. Der Markt passt sich weiter an: Ein Teil der Kandidaten wird aus überhitzten Segmenten in Branchen mit Fachkräftemangel umgeleitet, und die Arbeitgeber sind gezwungen, nicht nur um Geld, sondern auch um die Qualität der Arbeitsbedingungen zu konkurrieren.