Am Morgen des 3. September 2026 eröffnete ein Unbekannter auf einem Motorrad in der Siedlung Probudschenije im Engelsker Rajon der Region Saratow das Feuer auf den russischen Generalmajor Nikolai Warpachowitsch. Laut vorliegenden Angaben gab der Angreifer zwei Schüsse ab: Eine Kugel traf den Offizier im Gesicht, die zweite verletzte ihn am Körper. Nach der Attacke flüchtete der Täter, während der Schwerverletzte in die Stadt Saratow gebracht wurde, wo Ärzte um sein Leben kämpfen. Über den Vorfall berichtete das Medium RBC-Ukraine unter Berufung auf eine Veröffentlichung des Telegram-Kanals „Dossje schpionsa“ sowie prokremlische Medien, die den Schusswechsel bestätigten.
Umstände des Angriffs
Laut den gesammelten Informationen ereignete sich der Vorfall am Morgen des 3. September, als Warpachowitsch in der Siedlung Probudschenije aus einem Geschäft kam. Ein Unbekannter fuhr mit hoher Geschwindigkeit auf einem Motorrad zu ihm heran und eröffnete das Feuer. Der Angreifer gab zwei Schüsse ab – ins Gesicht und in den Körper des Generals – und flüchtete anschließend sofort von der Tatstelle. Der Verletzte wurde notfallmäßig in ein Krankenhaus in Saratow gebracht. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren die Umstände des Attentats und die Identität des Angreifers nicht geklärt. Den russischen Strafverfolgungsbehörden zufolge wurde nach den vorliegenden Angaben eine Fahndung nach dem Schützen eingeleitet.
Wer ist Nikolai Warpachowitsch
Laut dem Telegram-Kanal „Dossje schpionsa“ handelt es sich bei dem in der Region Saratow Verwundeten um Generalmajor Nikolai Warpachowitsch, Befehlshaber der 22. schweren Bomberfliegerdivision der Fernfliegerei der Russischen Weltraumstreitkräfte. Einheiten der Fernfliegerei der Russischen Weltraumstreitkräfte, darunter solche mit strategischen Bomber-Raketenflugzeugen Tu-95MS ausgerüstet, sind ein zentrales Element der russischen nuklearen Dreifaltigkeit und tragen die Verantwortung für den Einsatz von Marschflugkörpern auf große Entfernungen. Auf einem in offenen Quellen veröffentlichten Foto ist Warpachowitsch vor dem Hintergrund eines Bombers Tu-95 auf einem Flugplatz der Fernfliegerei zu sehen.
Verbindung zum Angriff auf das „Ochmatdet“
Am 31. August 2026 teilten der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) und das Büro des Generalstaatsanwalts Warpachowitsch in Abwesenheit den Verdacht mit. Laut der ukrainischen Ermittlungsbehörden ist der General an dem Raketenangriff auf das Kinderkrankenhaus „Ochmatdet“ in Kiew vom 8. Juli 2024 beteiligt. Den unter Warpachowitschs Befehl stehenden Einheiten der Fernfliegerei wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, eine Marschflugrakete X-101 vom Typ „Luft-Boden“ von einem Bomber-Raketenflugzeug Tu-95MS aus gestartet zu haben. Laut offiziellen Angaben kamen bei dem Angriff zwei Menschen ums Leben – ein junger Arzt und der Großvater einer der kleinen Patientinnen. Darüber hinaus stellte das Medium ASTRA fest, dass unter den mit Warpachowitsch verbundenen Adressen genau die Siedlung Probudschenije im Engelsker Rajon der Region Saratow genannt wird – das heißt, der Tatort des Attentats deckt sich mit einer seiner bekannten Adressen.
Widersprüchliche Angaben
Wichtig ist zu beachten, dass der Vorfall des Angriffs selbst von prokremlischen Medien bestätigt wird, die Identifizierung des Verletzten jedoch als Generalmajor Warpachowitsch auf einer Veröffentlichung des Telegram-Kanals „Dossje schpionsa“ beruht und nicht auf einer offiziellen Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums oder der Sicherheitsorgane. Das Motiv des Angreifers und seine Identität waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht geklärt. Ukrainische Medien und Analysten bringen das Attentat mit dem in Abwesenheit ausgesprochenen Anklageschluss in Verbindung, der Warpachowitsch am 31. August zugestellt wurde; jedoch hat keine der beiden Seiten diese Version öffentlich bestätigt. Somit bleibt der direkte kausale Zusammenhang zwischen dem Angriff auf das „Ochmatdet“ und dem Vorfall in der Region Saratow hypothetisch, auch wenn die Übereinstimmung von Adresse und Chronologie diese Version zur wahrscheinlichsten macht.
Kontext: Angriff auf das „Ochmatdet“ und seine Folgen
Der Raketenangriff auf das Nationale spezialisierte Kinderkrankenhaus „Ochmatdet“ in Kiew am 8. Juli 2024 wurde zu einem der am meisten diskutierten Vorfälle des Konflikts. Neben den beiden Getöteten wurden bei dem Angriff zahlreiche Kinder und Mitarbeiter des medizinischen Personals verletzt. Wie ukrainische Medien erinnern, wurde nach dem Schlag bekannt, dass ein Kind, das zum Zeitpunkt des Angriffs in kritischem Zustand auf der Intensivstation lag, verstarb. Der Junge wurde in ein anderes Krankenhaus in Kiew verlegt, doch konnte er nicht gerettet werden. Die ukrainischen Ermittlungsbehörden stufen den Angriff als Kriegsverbrechen ein und richteten Anfragen an internationale Gremien. Die in Abwesenheit am 31. August 2026 ausgesprochene Anklage gegen Warpachowitsch war im Wesentlichen der erste öffentliche Schritt, um einen konkreten Befehlshaber der Fernfliegerei für diesen Angriff zur Verantwortung zu ziehen.