Die russische Regierung hat beschlossen, das vorübergehende Verbot des Exports von Erdölprodukten zu verlängern. Die zuvor eingeführten Beschränkungen zur Stabilisierung des Binnenmarktes gelten nun bis Ende Januar 2027. Der entsprechende Erlass wurde von der Pressestelle der russischen Regierung veröffentlicht.
Die neuen Regeln treten am 1. August in Kraft. Ein vollständiges Exportverbot gilt für Benzin, Dieselkraftstoff, Schiffskraftstoff und Gasöle. Allerdings sieht das Dokument eine wichtige Nuance vor: Ab dem 1. September gelten die Beschränkungen nicht mehr für Dieselkraftstoff, Schiffskraftstoff und Gasöle, wenn diese von den direkten Herstellern exportiert werden.
Ursachen und Folgen der Beschränkungen
In einer offiziellen Erklärung begründet die russische Regierung die Notwendigkeit dieser Maßnahmen mit der Aufrechterhaltung einer stabilen Lage auf dem inländischen Treibstoffmarkt. Experten und Analysten verbinden diese Entscheidung mit dem massiven Mangel, der in den letzten Monaten im Land entstanden ist.
Die Wurzeln des Problems liegen in den Angriffen ukrainischer Drohnen auf die russische Infrastruktur. In den letzten zwei Monaten wurden etwa 40 % der Kapazitäten der russischen Raffinerien außer Gefecht gesetzt. Infolgedessen sahen sich etwa 50 Millionen Bürger mit einem Mangel an Kraftstoff an den Tankstellen konfrontiert.
Die Folgen des Angriffs auf den Energiesektor gehen über die Logistik hinaus und beginnen, die Makroökonomie zu beeinflussen. Die Gouverneurin der Zentralbank Russlands, Elwira Nabiullina, hat bereits zugegeben, dass die Treibstoffkrise direkten Druck auf die Preise für Waren und Dienstleistungen im Land ausübt.
Offizielle Position des Kremls
Auch Präsident Wladimir Putin hat die Probleme bei der Versorgung der Bevölkerung und der Unternehmen mit Kraftstoff anerkannt. Trotz massiver Unterbrechungen und steigender Preise versicherte er, die Lage im Land sei „nicht kritisch“. Dennoch deutet die Verlängerung des Exportverbots um eineinhalb Jahre darauf hin, dass die Behörden kein schnelles Wiederherstellen der Exportströme planen und eine langfristige Phase des inländischen Mangels einkalkulieren.