Litauen, Lettland und Estland haben sich gemeinsam an die Europäische Kommission gewandt und um zusätzliche Finanzierung für die Entwicklung von Fähigkeiten zur Bekämpfung von Drohnen gebeten. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf eine Erklärung des litauischen Verteidigungsministers Robertas Kaunas gegenüber der Agentur Reuters. Demnach beabsichtigen die drei baltischen Staaten, ihre Mittel zur Drohnenabwehr zu stärken, und prüfen die Möglichkeit gemeinsamer Beschaffungen der erforderlichen Ausrüstung.
Gemeinsame Anfrage an die EU-Kommission
Die Initiative der drei baltischen Staaten wurde in Form einer gemeinsamen Anfrage an die EU-Kommission eingereicht, was den Versuch unterstreicht, eine koordinierte regionale Antwort auf die wachsende Bedrohung durch unbemannte Systeme zu entwickeln. Kaunas betonte, dass das Ziel der Anfrage die Stärkung der nationalen Fähigkeiten zur Drohnenabwehr sei; zu deren Umsetzung werde ein Mechanismus gemeinsamer Beschaffungen von Technik geprüft, was die Belastung einzelner Budgets verringern und die Effizienz der Mittelverwendung erhöhen solle.
Kontext: Drohnen über der Ostsee
Die Anfrage steht in direktem Zusammenhang mit den Bedenken hinsichtlich unbemannter Fluggeräte, die im Zuge des Krieges Russlands gegen die Ukraine regelmäßig in den Luftraum des baltischen Raums eindringen. In letzter Zeit hat die Ukraine den Einsatz von Drohnen mit großer Reichweite für Angriffe auf Ziele auf russischem Gebiet verstärkt, und einzelne Geräte drangen bei solchen Operationen in den Luftraum der baltischen Staaten ein. Dies verstärkt nach Einschätzung der lokalen Behörden die Besorgnis, dass die Folgen des Konflikts über die Ukraine hinausreichen könnten.
Priorität der europäischen Verteidigungsindustrie
Die baltischen Staaten prüfen die gemeinsame Beschaffung von Technik zur Bekämpfung von Drohnen; dabei soll, wie Kaunas erklärte, die Präferenz der europäischen Verteidigungsindustrie gelten. „Wir prüfen die Möglichkeit eines gemeinsamen Erwerbs dieser Technik, wobei wir der europäischen Verteidigungsindustrie den Vorzug geben“, so der Minister. Nach seinen Worten soll dieser Ansatz gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit Litauens, Lettlands und Estlands erhöhen und zur Entwicklung des Verteidigungssektors Europas insgesamt beitragen.
Widersprüchliche Angaben
Die Höhe der beantragten Finanzierung stimmt in den Aussagen der Beteiligten nicht überein. Kaunas selbst nannte in seinem Kommentar keinen genauen Betrag, um den die baltischen Staaten die EU bitten. Das finnische Medium Iltalehti berichtete zwar von 500 Millionen Euro, diese Zahl wurde jedoch vom litauischen Minister nicht bestätigt. Gleichzeitig weist die Schlagzeile des RBC-Ukraine-Artikels (rbc.ua) direkt darauf hin, dass die baltischen Staaten „eine halbe Milliarde Euro“ von der EU zur Bekämpfung von Drohnen erbitten. Damit ist die Tatsache der gemeinsamen Anfrage bestätigt, während der konkrete Betrag offiziell nicht bestätigt bleibt und je nach Quelle variiert.
Breiterer Eskalationskontext
Die Initiative fügt sich in einen allgemeineren Hintergrund ein: In den Staaten des östlichen Flügels der NATO werden mögliche Eskalationsszenarien seitens Russlands immer häufiger diskutiert. Die NATO erklärte ihre Bereitschaft, auf jegliche Provokationen und Angriffe Russlands zu reagieren, und ein General des Bündnisses unterstrich die Bereitschaft, einer potenziellen Eskalation am östlichen Flügel Europas entgegenzuwirken. Litauen berichtete seinerseits über den Erhalt von Geheimnisinformationen über eine mögliche Vorbereitung von Operationen Russlands „unter fremder Flagge“, die nach Einschätzung der lokalen Behörden darauf abzielen könnten, die Reaktionsbereitschaft der NATO zu testen. Auch der Präsident Lettlands, Edgars Rinkēvičs, wies auf die Risiken für die Bündnisstaaten hin und erklärte, dass der Start von bereits wenigen russischen Raketen auf NATO-Gebiet eine ernste Prüfung für viele Staaten darstellen könnte. Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, charakterisierte ihrerseits die Drohnenvorfälle in den baltischen Staaten als eine bewusste Strategie Russlands.