In der Führung Belarus' hat sich eine unerwartete Verschiebung in der Einschätzung der militärisch-politischen Lage vollzogen. Während zuvor alarmierende Signale über eine bevorstehende Aggression verlauteten, betonen offizielle Stellen nun die Stabilität an den Grenzen. Der belarussische Verteidigungsminister Wiktor Chrenin legte in seinem Bericht an Alexander Lukaschenko eine Einschätzung der aktuellen Situation vor, die sich grundlegend von früheren Aussagen zu „roten Linien' und Bedrohungen unterscheidet.

Stabilität statt Bedrohung

Laut Chrenin bleibt die militärisch-politische Lage rund um die Republik stabil. Die Hauptspannung hat sich, so die Meinung des Ministers, ausschließlich in den Informationsraum verlagert. Bei der Analyse der Aktivitäten der Streitkräfte der NATO-Staaten hat die belarussische Seite keine Anzeichen für eine Vorbereitung eines Überraschungsangriffs festgestellt.

Wiktor Chrenin führte konkrete Argumente für seine Einschätzung an:

  • Fehlende große Aktivität seitens der Militärstrukturen der NATO.
  • Minimale Anzahl von Übungen in Nachbarländern (nur eine).
  • Eingeschränkte Anzahl von Flügen der Militäraviation.

„Wir sehen keine Bedrohung, keine Anspannung, keine Vorbereitung auf einen Überraschungsangriff', betonte der Minister.

Lage an der Grenze zur Ukraine

Besonderes Augenmerk wurde auf die südliche Richtung gelegt. Zuvor hatte der stellvertretende Außenminister Belarus', Igor Sekret, Kiew mit einer „harten Antwort' gedroht, falls die Grenze überschritten würde, und sogenannte „rote Linien' definiert. Doch nun hat sich die Rhetorik gewandelt.

Chrenin erklärte, dass die belarussische Seite keine Anzeichen für die Vorbereitung aggressiver Aktionen durch ukrainische Militärs feststellt. „Bisher sehen wir nicht, dass von ukrainischen Formationen, die den Schutz ihrer Grenze gewährleisten, eine Vorbereitung auf aggressive aktive Maßnahmen ausgeht', fügte er hinzu.

Sicherheitsmodus

Trotz der optimistischen Einschätzung der Lage plant Minsk nicht, das Niveau der Wachsamkeit zu senken. An der Südgrenze bleibt ein „minimaler Satz' von Einheiten der Spezialkräfte erhalten, die gemeinsam mit den Grenzschützern den Schutz der Grenzzone gewährleisten.

Die Ausbildung des Personals läuft weiterhin im geplanten Modus, unter Berücksichtigung der Schlussfolgerungen, die nach einer umfassenden Prüfung zu Beginn des Jahres gezogen wurden. Auf diese Weise demonstriert die belarussische Führung ihre Bereitschaft für alle Szenarien, selbst wenn sie von einer fehlenden direkten Angriffsgefahr spricht.