Ende August 2026 ist die Benzinproduktion in Russland laut Quellen auf etwa 70 % des inländischen Verbrauchs gesunken. Das bedeutet, dass das Land den eigenen Bedarf an Kraftstoff für Fahrzeuge faktisch nicht mehr mit den inländischen Verarbeitungskapazitäten decken kann. Der Rückgang erfolgte vor dem Hintergrund einer Reihe erfolgreicher Angriffe ukrainischer Drohnen auf russische Ölraffinerien, die die Hauptproduzenten von Benzin sind. Schätzungen zufolge sind die Produktionszahlen auf ein kritisches Niveau Anfang Juli gesunken – den Höhepunkt der ersten Welle der Treibstoffkrise, die bereits seit Mai anwuchs.
Kette von Angriffen auf Raffinerien: Perm, Nischni Nowgorod, Jaroslawl
Im Laufe der letzten Woche haben Drohnen mehrere große Ölraffinerien in Russland angegriffen. Aufgrund von Schäden an kritischen Anlagen und Bränden wurden die Werke in Perm, Nischni Nowgorod und Jaroslawl vollständig oder teilweise stillgelegt. Wie Analysten hervorheben, stellen genau diese Kapazitäten einen erheblichen Anteil der Benzinproduktion dar, sodass ihre Außerbetriebsetzung sich sofort auf das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch im ganzen Land auswirkte. Umfassende Schäden an Werksverwaltungen und Verarbeitungseinheiten verwandelten punktuelle Vorfälle in einen systemischen Schlag für den Treibstoffmarkt.
Schlangen an Tankstellen und Verschwinden von Kraftstoff aus dem Verkauf
Der Kraftstoffmangel in den russischen Regionen kehrte Ende August nach einer kurzen Unterbrechung im Juli zurück, als die lokalen Behörden versuchten, die Verkaufsbeschränkungen zu lockern. Fahrzeuge reihen sich erneut in lange Schlangen an den Tankstellen – darunter auch in Rostow am Don, und laut Berichten hat das Problem auch Moskau erreicht. In vielen Regionen warten Fahrer stundenlang darauf, ihr Fahrzeug betanken zu können, und an einigen Tankstellen ist Kraftstoff ganz aus dem Verkauf verschwunden. Auf Fotos von Tankstellen werden dichte Fahrzeugströme und das Personal im verstärkten Betrieb festgehalten, was die angespannte Lage auf dem Treibstoffmarkt eindrucksvoll bestätigt.
Widersprüchliche Daten
Hier ist es wichtig, die Diskrepanz zwischen der offiziellen Rhetorik und der tatsächlichen Lage festzuhalten. Die lokalen Behörden haben während der gesamten Krisenzeit wiederholt behauptet, der Treibstoffmarkt sei stabilisiert und es bestehe kein systemischer Mangel. Unabhängige Beobachtungen sowie Daten über den Rückgang der Produktion auf 70 % des Verbrauchs und die massiven Schlangen und leeren Zapfsäulen an Tankstellen sprechen jedoch das Gegenteil an: Die Beschränkungen und der Mangel wurden nicht aufgehoben, sondern sind mit neuer Kraft zurückgekehrt. Die von den offiziellen Stellen vermittelte Version der „Stabilisierung“ wird durch die operativen Kennzahlen der Verarbeitung und die Lage an den Tankstellen nicht bestätigt.
Kommentar Selenskyj: Exportwirtschaft gezwungen, Kraftstoff zu importieren
Vor dem Hintergrund des massiven Mangels kommentierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj öffentlich die Probleme Russlands mit Benzin und wies auf den ironischen Kontrast hin: Ein Land, das seine Wirtschaft jahrelang auf den Export von Energieträgern aufgebaut hatte, ist infolge eigener Handlungen gezwungen, Kraftstoff zu suchen und zu importieren. Diese These unterstreicht den systemischen Charakter der Krise: Die Wirtschaft Russlands geriet infolge der eigenen Aggression gegen die Ukraine unter erheblichen Druck, die zu anhaltenden und nicht einmaligen Angriffen auf die Ölverarbeitungsinfrastruktur führte. Das Ergebnis – ein Binnenmarkt, der nicht durch die eigene Produktion gedeckt werden kann, und eine wachsende Abhängigkeit von externen Lieferungen in einer Situation, in der Logistik und Sanktionen den Import zusätzlich erschweren.