Das Kabinett der Minister der Ukraine hat umfassende Änderungen an den staatlichen Standards für die allgemeine Sekundarbildung genehmigt. Diese Ergänzungen sollen das Schulsystem modernisieren, es an die aktuellen Herausforderungen anpassen und die Infrastruktur auf den Übergang zum profilbasierten Unterricht vorbereiten, der für den 1. September 2027 geplant ist. Die Aktualisierungen betreffen Lehrpläne, Ansätze zur inklusiven Bildung und spezifische Programme für die ukrainische Diaspora.

Vorbereitung auf die Profilbildung und Übergangsphase

Eines der zentralen Elemente der Reform ist die Vorbereitung auf die Einführung der profilbasierten Sekundarbildung. Laut Regierungsbeschluss startet das neue Bildungsformat im nächsten Schuljahr. Die Reform ist jedoch mit einem sanften Übergang konzipiert: Schüler, die ihren Unterricht vor der Einführung der „Neuen Ukrainischen Schule“ begonnen haben, können ihr Studium gemäß dem Staatlichen Standard von 2011 fortsetzen. Dies soll plötzliche Unterbrechungen in den Bildungswegen der Kinder vermeiden.

Im Rahmen der Aktualisierungen wurden vier staatliche Standards überarbeitet, die in verschiedenen Jahren (2011, 2018, 2020 und 2024) verabschiedet wurden. Insbesondere legt der Staatliche Standard für die profilbasierte Sekundarbildung nun einheitliche Lehrpläne für akademische Lyzeen, berufsbildende Einrichtungen und berufliche Hochschulen fest. Dies soll gleiche Organisationsprinzipien für den Unterricht unabhängig vom Bildungstyp garantieren.

Ukrainistik-Komponente für Kinder im Ausland und auf besetzten Gebieten

Ein besonderes Augenmerk in den neuen Standards liegt auf Kindern, die sich im Ausland oder auf vorübergehend besetzten Gebieten befinden. Die Regierung hat die Einführung einer Ukrainistik-Komponente verankert, die die Verbindung zum ukrainischen Bildungssystem erhalten soll. In die Standards für die Grund-, Basis- und profilbasierte Sekundarbildung wurden spezielle Basis-Lehrpläne für Klassen mit dieser Komponente aufgenommen.

Das Bildungsministerium (MON) erklärt, dass das Ziel dieser Initiative darin besteht, Kindern die Möglichkeit zu geben, eine qualitativ hochwertige Bildung zu erhalten, ohne sie gleichzeitig zwingen zu müssen, zwei vollständige Programme (ukrainisch und ausländisch) zu absolvieren. Diese Lösung soll die Belastung für Kinder und ihre Eltern verringern und gleichzeitig die nationale Identität und Sprachkompetenz erhalten.

Neue Philosophie der inklusiven Bildung: Von der Diagnose zur Funktionalität

Erhebliche Änderungen betrafen die Terminologie im Bereich der inklusiven Bildung. In den staatlichen Standards hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen: Anstatt die medizinische Diagnose des Kindes zu beschreiben, liegt der Fokus auf der Bestimmung der funktionalen Schwierigkeiten, auf die es im Lernprozess stößt, und dem erforderlichen Unterstützungsgrad.

So wird beispielsweise die Formulierung „Kinder mit Hörbeeinträchtigung' durch „Schüler mit funktionalen sensorischen Schwierigkeiten, die eine Einschränkung der Hörfunktion beinhalten' ersetzt. Ähnliche Änderungen gelten für Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Sehen, Sprache, dem Bewegungsapparat und der kognitiven Entwicklung. Das MON betont, dass dieser Ansatz es ermöglicht, sich auf die Möglichkeiten und die Entwicklung des Kindes zu konzentrieren und nicht auf seinen medizinischen Status, was eine effektivere Integration in die Gesellschaft fördert.

Stärkung der bürgerlichen und historischen Komponente

Im Rahmen der Aktualisierung der Standards wurde auch die Aufmerksamkeit für Geschichte und bürgerliche Bildung erhöht. Im Basis-Lehrplan für die Klassen 7 bis 9 wird die Anzahl der Stunden für Fächer der bürgerlichen und historischen Bildungsbranche um zwei Stunden erhöht. Diese Entscheidung zielt darauf ab, die bürgerliche Identität zu stärken und das Verständnis des historischen Kontexts der Entwicklung der Ukraine zu vertiefen.

Für spezialisierte Bildungseinrichtungen ist ein separater Basis-Lehrplan vorgesehen, der mehr Möglichkeiten für die Vertiefung einzelner Fächer, Profilfächer und Wahlfächer bietet. Im August plant das MON, die typischen Bildungsprogramme zu präzisieren, damit Schulen den Unterricht gemäß den neuen Anforderungen schnell organisieren können.