Laut einer mehrseitigen Sanktionsüberwachungsgruppe können bis zu 25.000 Staatsangehörige Nordkoreas in der russischen Industrie zur Herstellung unbemannter Luftfahrzeuge eingesetzt sein. Dem veröffentlichten Bericht zufolge arbeiten Teile dieser Beschäftigten in Betrieben der Sonderwirtschaftszone „Alabuga“ in Tatarstan, wo nach vorliegenden Informationen Drohnen zusammengebaut werden. Um den tatsächlichen Charakter der Beschäftigung zu verbergen, gibt Pjöngjang seinen Bürgern dem Bericht zufolge den Status von Studenten, um damit die internationalen Sanktionen zu umgehen.
Bericht des Sanktionskomitees und das Schema zur Umgehung der Beschränkungen
Die mehrseitige Sanktionsüberwachungsgruppe hat festgestellt, dass die Nutzung des Status „Student“ es dem Regime von Kim Jong-un ermöglicht, den Aufenthalt der Arbeiter auf dem Gebiet Russlands und ihre Beteiligung an militärisch bedeutsamen Produktionen zu legalisieren. Experten weisen darauf hin, dass diese Praxis den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, die Nordkorea verbieten, Aktivitäten im Zusammenhang mit der Finanzierung seiner Atom- und Ballistikraketenprogramme zu betreiben, direkt widerspricht. Nach Einschätzung der Autoren des Berichts haben nordkoreanische Arbeiter im Ausland dem Regime im vergangenen Jahr bis zu 800 Millionen Dollar eingebracht, die, wie vermutet wird, in die Entwicklung des atomaren und raketenfähigen Potenzials Pjöngjangs fließen.
Alabuga als Zentrum der Drohnenmontage
Besondere Aufmerksamkeit widmet der Bericht den Betrieben in Tatarstan. Den Überwachungsmaterialien zufolge nehmen nordkoreanische Spezialisten gerade an den Standorten in „Alabuga“ an der Montage unbemannter Luftfahrzeuge teil, die, wie vermutet wird, in Kampfhandlungen eingesetzt werden. Dies zeigt, dass die Arbeitsmigration aus Nordkorea nach Russland nicht mehr länger ein rein kommerzielles Phänomen ist, sondern eine ausgeprägte militärisch-industrielle Komponente angenommen hat, die eng mit den Bedürfnissen des russischen Rüstungskomplexes verknüpft ist.
Wirtschaft: Gehälter, die das Fünffache der chinesischen betragen
Ein Schlüsselfaktor, der Russland für Pjöngjang zu einem attraktiven Ziel macht, ist das Niveau der Bezahlung. Laut Bericht können die monatlichen Gehälter nordkoreanischer Arbeiter in Russland das Fünffache der in China betragen. Zum Vergleich: Ende 2025 arbeiteten in China nach verschiedenen Schätzungen zwischen 20.000 und 70.000 nordkoreanische Arbeiter, während es in Russland zwischen 15.000 und 30.000 waren. Die hohe Rendite macht die russische Richtung für Pjöngjang unter dem Sanktionsdruck zur Priorität.
Strenge Kontrolle und Risiko für die Familien von Flüchtlingen
Die Behörden Nordkoreas kontrollieren dem Bericht zufolge streng die Bewegung ihrer Arbeiter im Ausland und ihre Kontakte mit Ausländern, um Fluchtversuche zu verhindern. Wer dennoch zu fliehen wagt, droht nicht nur persönliche Verantwortung, sondern auch die Verfolgung der in Nordkorea verbliebenen Familienmitglieder. Dieses System der kollektiven Verantwortung ist nach Ansicht der Experten eines der wichtigsten Instrumente, um die Arbeitskräfte in den Händen des Regimes zu halten.
Vertiefung des Bündnisses Moskau – Pjöngjang
Die Beziehungen zwischen Russland und Nordkorea haben sich nach Beginn des umfassenden russischen Einmarschs in die Ukraine im Jahr 2022 deutlich verstärkt. Nordkorea liefert Moskau nach vorliegenden Angaben Millionen von Artilleriegeschossen und Ballistikraketen und hat zudem Tausende seiner Soldaten zur Teilnahme an den Kampfhandlungen entsandt. Im Gegenzug stellt Russland Pjöngjang finanzielle Ressourcen, Lebensmittel und Militärtechnologien für atomare und Raketenprogramme zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund hat der nordkoreanische Führer Kim Jong-un in einem Brief an den russischen Staatschef versprochen, die Zusammenarbeit zu erweitern und zu vertiefen, und erklärte seinen Glauben an den Sieg Moskaus im Krieg gegen die Ukraine, wobei er die unveränderte Unterstützung des russischen Volkes zusicherte.
Widersprüchliche Daten
In den Quellen und im Bericht selbst bestehen Abweichungen in den Zahlen, die zu berücksichtigen sind. Einerseits geht es um „bis zu 25.000“ Staatsangehörige Nordkoreas, die gerade in der Industrie zur Herstellung von Drohnen eingesetzt sind; andererseits variiert die Gesamtschätzung der Zahl der nordkoreanischen Arbeiter in Russland im Bereich „von 15.000 bis 30.000“. Das heißt, der Indikator für den Drohnenbereich kann sowohl mit der Gesamtheit der Arbeitsmigranten aus Nordkorea in Russland übereinstimmen als auch diese nicht vollständig abdecken. Eine ähnliche Unbestimmtheit gilt auch für die Daten zu China, wo der Schätzungsrahmen von 20.000 bis 70.000 Personen beträgt. Somit bleiben die genaue Zahl, die branchenspezifische Beschäftigung und die tatsächlichen Einkommensvolumina des Regimes Gegenstand von Expertenschätzungen und keine bestätigten exakten Werte.
Besorgnis in Peking
Laut Forbes fürchtet man in China, dass die Vertiefung der Verbindungen zwischen Moskau und Pjöngjang den Einfluss Pekings auf Nordkorea schwächen könnte. In chinesischen Kreisen wird auch Besorgnis darüber geäußert, dass das wachsende militärische Selbstvertrauen Nordkoreas neue Konflikte in der Region auslösen könnte. Dies fügt der arbeits- und rüstungsindustriellen Komponente der russisch-nordkoreanischen Zusammenarbeit einen geopolitischen Kontext hinzu.