In Sarajevo wurde eine scharfe Kritik an Brüssel geäußert. Der Außenminister von Bosnien und Herzegowina, Elmedin Konaković, erklärte, dass der Ansatz der Europäischen Union bei der Bewertung von Beitrittskandidaten ungerecht geworden sei. Die Behörden der Balkanrepublik fordern von der EU, einheitliche Kriterien für alle Bewerber anzuwenden und nicht die Ukraine gegenüber den anderen hervorzuheben.

Der Krieg als Beschleunigungsfaktor

Laut Konaković kann die aktuelle Situation nicht ausschließlich als auf Verdiensten basierender meritokratischer Ansatz betrachtet werden. Die Ukraine befindet sich in einer aktiven Phase des Konflikts mit Russland und kontrolliert nicht ihr gesamtes Territorium. Dennoch sendet Brüssel Signale, dass Kiew gerade wegen des Krieges schneller dem EU-Beitritt näherkommen könnte.

„Ich bin nicht der Meinung, dass es sich um einen ausschließlich auf Verdiensten basierenden Ansatz handelt, wie ihn die Europäische Union beschreibt. Natürlich wissen wir, warum. Die Ukraine steht einer brutalen russischen Aggression gegenüber', so der Außenminister.

Analogie zur inneren Politik

Um seine Position zu erläutern, zog der Minister eine Parallele zum politischen System von Bosnien und Herzegowina. Er erinnerte daran, dass Vertreter der Republika Srpska Entscheidungen im Zusammenhang mit der europäischen Integration des Landes blockieren können. Konaković zufolge lässt sich eine solche Situation vorstellen, wenn Vertreter des Donbass im ukrainischen Parlament ein Vetorecht besäßen.

„Stellen Sie sich vor, die Vertreter des Donbass im ukrainischen Parlament hätten ein Vetorecht, ähnlich dem der Vertreter der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina. Dabei stehen sie vollständig unter der Kontrolle von Wladimir Putin und blockieren alles, was das Land der Europäischen Union näherbringen könnte', sagte der Minister.

Forderung nach Führung durch die EU

Konaković betonte, dass er das Signal Brüssels, wonach die Ukraine aufgrund des Krieges schneller dem Beitritt näherkommen könnte, während Bosnien und Herzegowina trotz innerpolitischer Hindernisse weiter wartet, für falsch hält.

„Ich halte es nicht für richtig, das Signal zu senden, dass die Ukraine schneller vorankommt, weil sie in einem Kriegszustand ist und nicht ihr gesamtes Territorium kontrolliert, während wir warten müssen, weil die Europäische Union auf einem meritokratischen Ansatz besteht, obwohl Putin durch seine Leute die Entscheidungsfindung im Parlament blockiert', erläuterte der Außenminister.

Abschließend forderte der Minister die Europäische Union auf, Führung zu zeigen und den Beitrittsprozess der Länder des Westbalkans, einschließlich Bosnien und Herzegowina, aktiver voranzutreiben.

Zur Erinnerung: Vor dem Hintergrund dieser Erklärungen hat Ungarn erneut die Eröffnung neuer Verhandlungskluster für den EU-Beitritt der Ukraine blockiert. Budapest schlug vor, die Anträge der Ukraine und Moldawiens separat zu behandeln, doch die übrigen EU-Mitgliedstaaten unterstützten diese Initiative nicht.