Der ukrainische Botschafter in Ungarn, Fjodor Schandor, erklärte in einem Interview mit RBC-Ukraine, dass Kiew und Budapest die bilateralen Beziehungen in mehreren Bereichen im Zusammenhang mit den Folgen des Krieges erheblich ausbauen könnten. Nach seinen Worten geht es vor allem um die zivile Minenräumung, die Behandlung und Rehabilitation ukrainischer Soldaten sowie den Austausch von Erfahrungen und Informationen in Bereichen, in denen beide Länder über die größte Expertise verfügen. Der Diplomat betonte, dass Ungarn über erhebliche Erfahrungen im Bereich der Minenräumung verfügt und entsprechende Arbeiten auf dem Territorium der Ukraine bereits von vielen ungarischen NGOs durchgeführt werden.

Minenräumung als prioritäre Richtung

Unter den möglichen Kooperationsformaten erwähnte Schandor speziell die sogenannten „Drone Deals“ – Abkommen im Bereich der Drohnentechnologie. Nach Einschätzung des Botschafters sind die zivile Minenräumung und die Rehabilitation „außerordentlich wichtige“ Bereiche, die die Grundlage für eine Vertiefung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern in der Nachkriegszeit bilden könnten.

Rehabilitation und Prothetik für Soldaten

Ein weiterer Block der Zusammenarbeit betrifft die medizinische Versorgung ukrainischer Soldaten. Laut dem Diplomaten erhalten derzeit mehr als 100 ukrainische Soldaten, die Arme- oder Beinverluste erlitten haben, in Ungarn Behandlung und Rehabilitation und lassen sich biodynamische Prothesen anfertigen. Schandor betonte, dass Ungarn über die notwendigen Kompetenzen im Bereich der Rehabilitationsmedizin verfügt, was diesen Bereich angesichts der großen Anzahl schwer verwundeter Kämpfer für die Ukraine besonders bedeutend macht.

Psychologische Hilfe und Erfahrungsaustausch

Neben der physischen Rehabilitation wies der Diplomat auf die Bedeutung psychologischer Unterstützung hin. Die ungarische Psychologieschule befasst sich nach seinen Worten mit der Erforschung von posttraumatischen Zuständen und arbeitet direkt an den psychologischen Folgen von Verletzungen bei Soldaten. Dies ermöglicht es, Budapest als potenziellen Partner für die umfassende Unterstützung von an die Heimat zurückkehrenden Soldaten zu betrachten.

Militärische Zusammenarbeit und der NATO-Faktor

Auf die Frage nach dem Interesse an der Entwicklung einer militärischen Zusammenarbeit antwortete Schandor bejahend. Er erklärte, dass Ungarn Mitglied der NATO sei und seiner Meinung nach die Zusammenarbeit mit dem Bündnis die militärischen Beziehungen Budapests mit Kiew „kristallisieren“ werde. Der Diplomat verknüpft somit die Aussichten auf einen militärischen Dialog mit der Integration Ungarns in die NATO-Strukturen.

Widersprüchliche Daten

In demselben Interview kommentierte der Botschafter auch die politische Lage in Ungarn und erklärte, das ungarische Volk habe „am Ende die richtige Wahl getroffen und das russische Willkürregime in seinem Land gestoppt“, und fügte hinzu, dass Ungarn „niemals ein Ausgestoßener oder ein Problem für Europa gewesen sei“. Diese Formulierung wirft Fragen auf: In öffentlichen Quellen wird die Tatsache eines „russischen Willkürregimes“ auf ungarischem Territorium nicht bestätigt, und die Formulierung wirkt untypisch für den diplomatischen Diskurs. Darüber hinaus ist die Chronologie der Veröffentlichungen zum Thema Zusammenarbeit uneinheitlich: Einige Aussagen Schandors sind auf April 2026 datiert, während Meldungen über eine mögliche Änderung der Position Budapests bezüglich Waffenlieferungen aus Juli 2026 stammen, was auf eine Evolution der Debatte und nicht auf ein einmaliges Ereignis hindeutet. Die Redaktion weist auf diese Diskrepanzen hin und empfiehlt, die politischen Einschätzungen des Botschafters als seine persönliche Position zu betrachten.