Der ukrainische Botschafter im Vereinigten Königreich, Valeriy Zaluzhny, hat seine kontroversen Aussagen über den Nordatlantikpakt kommentiert. Im Gespräch mit Journalisten versuchte er, den Kontext seiner Worte zu klären, die zuvor als Ablehnung eines NATO-Beitritts interpretiert wurden.

Persönliche Position und politische Realität

Zaluzhny betonte, dass sich seine persönliche Haltung gegenüber dem Bündnis nicht geändert habe. Er erinnerte daran, dass er bereits 2019 der Hauptbefürworter für die Umstellung der ukrainischen Streitkräfte auf NATO-Standards war und dafür scharfer Kritik ausgesetzt war.

„Ich habe mir so viele Feinde gemacht, dass Sie es sich gar nicht vorstellen können. Ich bin für die NATO“, erklärte der ehemalige Oberbefehlshaber.

Dennoch besteht aus seiner Sicht eine erhebliche Kluft zwischen persönlicher Unterstützung und der aktuellen politischen Realität. Zaluzhny wies darauf hin, dass das Bündnis aus politischer Sicht viele Fragen aufwirft, insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts.

Technologische Kluft und veraltete Doktrin

Das Hauptargument des Botschafters basiert auf der technologischen Überlegenheit der ukrainischen Armee gegenüber den Standards des Bündnisses. Zaluzhny merkte an, dass die Ukraine seit Beginn des Krieges praktisch alle Arten von Waffen eingesetzt hat, während Russland Zeit hatte, Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

„Die NATO befindet sich in der Doktrin des Zweiten Weltkriegs, während wir technologisch weiter sind“, ist Zaluzhny überzeugt. Nach seinen Worten haben wissenschaftlich-technischer Fortschritt und Kampferfahrung die ukrainischen Truppen auf ein grundlegend anderes Niveau gehoben, das von den aktuellen Bündnisstandards nicht erfasst wird.

Aufruf zur Schaffung einer neuen Struktur

Der ehemalige Oberbefehlshaber erklärte, dass das Bündnis seine Doktrin vollständig überarbeiten und auf neue Standards umstellen muss, damit ein tatsächlicher Beitritt der Ukraine möglich wird. Andernfalls sei eine Integration unmöglich.

Zaluzhny schlug eine radikale Lösung vor: die Schaffung eines völlig neuen Machtblocks, wahrscheinlich mit einer territorialen Bindung an Europa. Als Beispiel für eine vielversprechende Organisation nannte er die Joint Expeditionary Force (JEF).

Zur Erinnerung: Zaluzhny hatte zuvor erklärt, dass die Ukraine niemals NATO-Mitglied werden werde, und die für die Modernisierung des Bündnisses erforderliche Zeit, um das russische Niveau zu erreichen, auf 12 Jahre geschätzt. Das ukrainische Außenministerium bezeichnete diese Worte als aus dem Kontext gerissen.