Im Zentrum «Bharat Mandapam» in Neu-Delhi ist der 18. BRICS-Gipfel zu Ende gegangen, dessen Ergebnis die Annahme der Neu-Delhi-Erklärung ist, die aus 140 Punkten besteht. Das Dokument wurde zum Hauptergebnis des mehrtägigen Verhandlungsprogramms und verankert die Positionen des Blocks zu Fragen des Welthandels, der Finanzen, der Reform internationaler Institutionen und der Ernährungssicherheit. Auf den Briefings und in den Reden kamen zwei Themen besonders zur Sprache: die Zukunft der lange diskutierten Idee einer gemeinsamen Währung des Bündnisses und der Kurs auf Abrechnungen in nationalen Währungen. Gerade diese Entscheidungen, so die Einschätzung von Analysten, bestimmen den Kurs der wirtschaftlichen Integration der BRICS in den kommenden Jahren und haben direkte Bedeutung für Länder, die auf die Diversifizierung ihrer Handelsströme setzen – einschließlich Usbekistan.

Gemeinsame Währung: das offizielle Aus

Zu den am meisten diskutierten Themen des Gipfels zählten die Vermutungen über die Einführung einer gemeinsamen Währung des Blocks, der nun offenbar offiziell ein Ende gesetzt wurde. Der Generalsekretär des indischen Außenministeriums, Sudhakar Dalvi, bestätigte auf einem Briefing in Neu-Delhi, dass das Bündnis die Schaffung einer gemeinsamen einheitlichen Währungseinheit nicht erwäge. Damit hat die indische Seite, die 2026 den Vorsitz führt, eine Debatte öffentlich beendet, die von einem Teil des Experten- und Medienfeldes über mehrere Jahre hinweg aufrechterhalten worden war. Die offizielle Position Neu-Delis lautet, dass eine künstliche Superwährung weder ein notwendiges noch ein realistisches Instrument für einen Block mit einer solchen Vielfalt an Volkswirtschaften und Währungssystemen sei.

Nationale Währungen und alternative Zahlungen

Statt einer gemeinsamen künstlichen Währung liegt der Schwerpunkt auf der direkten Verwendung der nationalen Währungen jedes Landes im gegenseitigen Handel und in den Investitionen. Dafür werden, wie auf dem Gipfel mitgeteilt wurde, alternative Transaktionsmechanismen entwickelt, die schnelle, günstige und sichere internationale Zahlungen ermöglichen. Die Logik des Ansatzes ist einfach: Anstatt ein neues Währungsinstrument zu schaffen, versuchen die BRICS-Staaten, auf die Vermittlung durch fremde Reservewährungen zu verzichten und untereinander in eigener Währung abzurechnen. Dies senkt das Währungsrisiko, die Konvertierungskosten und die Abhängigkeit von Infrastruktur, die von Dritten kontrolliert wird.

Reform globaler Institutionen: Modis Position

Der indische Premierminister Narendra Modi betonte in seiner Rede, dass die internationalen Institutionen, die Mitte des 20. Jahrhunderts geschaffen wurden – die UNO, der Sicherheitsrat, der IWF und die Weltbank – die Realitäten von heute nicht mehr widerspiegeln. Er rief zu umfassenden Reformen mit Blick auf die Interessen der Entwicklungsländer auf, die im Dokument und in den Reden unter dem gemeinsamen Begriff «Globaler Süden» genannt werden. Diese Rhetorik wurde zum Leitthema der Neu-Delhi-Erklärung: Der Block erklärt die Notwendigkeit, den Einfluss in der globalen Governance zugunsten der Länder mit wachsendem Anteil an der Weltwirtschaft umzuverteilen.

WTO, Sanktionen und «BRICS-Getreidebörse»

In der Erklärung wurden konkrete Initiativen zur schnellstmöglichen Wiederherstellung der Arbeit des WTO-Berufungsgremiums zur Streitbeilegung gebilligt, was für die Vorhersehbarkeit der Handelsregeln wichtig ist. Separat wurde die Position zur Beschränkung einseitiger Sanktionen und protektionistischer Zölle verankert. Außerdem ist eine Ausweitung der Finanzierung von Infrastrukturprojekten in nationalen Währungen über den Neuen Entwicklungsbank (BRICS-Bank) unter der Leitung von Dilma Rousseff vorgesehen, sowie der Start einer «BRICS-Getreidebörse», die die Nahrungsmittelketten innerhalb des Blocks stärken soll.

Was das für Usbekistan bedeutet

Die genannten Entscheidungen sind auch für Usbekistan von Bedeutung, was den unbeschränkten Außenhandel ohne Vermittlung Dritter, die direkte Abrechnung mit den wichtigsten Partnern in nationalen Währungen und die Erweiterung alternativer Logistikkorridore betrifft. Für ein Land, das sein Transit- und Produktionspotenzial aktiv ausbaut und auf eine Diversifizierung der Zahlungsinstrumente zielt, eröffnet der BRICS-Kurs auf nationale Währungen und alternative Zahlungsmechanismen zusätzliche Kanäle zur Senkung der Transaktionskosten und zur Stärkung der Abrechnungsautonomie.

Widersprüchliche Angaben

Hier ist es angebracht, zwei Versionen ehrlich auseinanderzuhalten. Die offizielle Position Indiens, die vom Generalsekretär des Außenministeriums Sudhakar Dalvi dargelegt wurde, klingt zurückhaltend: Es gibt keine gemeinsame Währung und ist auch keine geplant; der Block setzt auf Abrechnungen in nationalen Währungen und alternative Zahlungsmechanismen. Gleichzeitig präsentieren eine Reihe russischer und blocknaher Medien dasselbe Geschehen in einem schärferen Rahmen – als Bewegung hin zu einer «Alternative zum Dollar» und zu einem «für die USA unsichtbaren Abrechnungssystem». Formell widersprechen sich diese Versionen in der Sache nicht (weder die eine noch die andere предполагает eine gemeinsame Währung), doch die mediengestützte Darstellung übertreibt häufig den Grad der Fertigstellung und die Politisierung des Prozesses, während das offizielle Neu-Delhi den pragmatischen und nicht konfrontativen Charakter der Initiativ betont. Dem Leser ist es wichtig, zwischen den deklaratorischen Zielen des Blocks und den realen, noch in Entwicklung befindlichen Mechanismen zu unterscheiden.

Übergabe des Vorsitzes: China und Peking-2027

2027 wird der Vorsitz in den BRICS an China übergehen, und der 19. Gipfel wird in Peking stattfinden. Das bedeutet, dass die in der Neu-Delhi-Erklärung verankerten Initiativen – von den Abrechnungen in nationalen Währungen über die «Getreidebörse» bis hin zur Reform der Institutionen – unter chinesischer Führung in die praktische Umsetzung überführt werden, was dem Prozess voraussichtlich zusätzliche Ressourcen- und Organisationsunterstützung verleihen wird.