Auf dem 18. BRICS-Gipfel in Neu-Delhi (Indien) bekräftigten die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Schwellen- und Entwicklungsländer ihren Kurs zur Vertiefung der Zusammenarbeit und zur Reform der globalen Governance. Die Konferenz wurde von Indiens Premierminister Narendra Modi geleitet; an der Veranstaltung nahmen der chinesische Staatspräsident Xi Jinping, der russische Präsident Wladimir Putin, der indonesische Präsident Prabowo Subianto, der iranische Präsident Masud Pezeschkiyan sowie die Leiter anderer Mitgliedsstaaten teil. Am Ende des Treffens unterzeichneten die Länder die Neu-Delhi-Deklaration.

Neu-Delhi-Deklaration: Kurs auf eine gerechte Governance

Im Abschlussdokument bekräftigten die Mitgliedstaaten ihre Verpflichtung zur Reform und Verbesserung der globalen Governance „im Geiste der gemeinsamen Konsultation, des gemeinsamen Aufbaus und der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen“. Hervorgehoben wird das Ziel, ein gerechteres, gleichberechtigteres, effizienteres und verantwortungsvolleres internationales und multilaterales System aufzubauen. Die Deklaration hält ausdrücklich fest, dass das Völkerrecht „ausgewogen und inklusiv“ gestützt werden müsse, mit voller und umfassender Einhaltung der Ziele und Grundsätze der UN-Charta und der Stärkung der zentralen Rolle der Vereinten Nationen im Weltsystem.

Multipolarität und Dialog der Entwicklungsländer

Die Teilnehmer des Gipfels einigten sich darauf, dass in der sich formenden multipolaren Welt die Stärkung des Dialogs und der Konsultationen zwischen den Entwicklungsländern von größter Bedeutung ist. Genau ein solcher Dialog ermögliche es ihrer Einschätzung nach, eine gerechtere und gleichberechtigte globale Governance aufzubauen, die auf gegenseitigen Nutzen ausgerichtet ist. Damit positioniert sich BRICS weiterhin als Koordinierungsplattform des „globalen Südens“ und als eigenständiges Entscheidungsforum neben den traditionellen westlichen Institutionen.

Rotation der Präsidentschaft: China bereitet 2027 vor

Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping kündigte an, dass China im kommenden Jahr im Rotationsprinzip die Präsidentschaft im BRICS-Block übernehmen werde. Er betonte, dass Peking diese Gelegenheit nutzen wolle, um mit allen Seiten einen Konsens zu erzielen und „die Zukunft zu eröffnen und gemeinsam eine glänzende Perspektive für Wohlstand und Fortschritt zu schaffen“. Die Übergabe des Mandats von Indien an China wurde zu einer der zentralen organisatorischen Entscheidungen des Gipfels.

Symbolischer Gestus: Baum-Planzzeremonie

Visueller Symbol des Gipfels wurde die traditionelle Baum-Planzzeremonie, an der Narendra Modi, Wladimir Putin und Xi Jinping teilnahmen. Die Staats- und Regierungschefs begossen junge Setzlinge im feierlichen Bereich vor dem Gebäude Bharat Mandapam, vor dem die Aufschriften „BRICS“ und „2026“ angebracht waren. Der Gestus soll nach dem Konzept der Organisatoren „Wachstum“ und „Verwurzelung“ der Zusammenarbeit innerhalb der Vereinigung verkörpern.

Kontext und Bedeutung

Der Gipfel in Neu-Delhi findet vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen über die Erweiterung des BRICS-Blocks und seine Rolle bei der Neugestaltung der weltweiten Finanz- und Architekturpolitik statt. Die verabschiedete Deklaration führt, wie Beobachter anmerken, keine grundsätzlich neuen Mechanismen ein, sondern verankert einen beständigen rhetorischen Rahmen: Multipolarität, souveräne Gleichheit, Kritik an einseitigen Sanktionen und Verlässlichkeit auf die UN. Für 2027, wenn die Präsidentschaft an China übergeht, wird es entscheidend sein, diese deklaratorischen Positionen in konkrete Arbeitsformate zu überführen.