9. August 2026. Auf der Insel Hainan, in der Provinz Hainan, China, beenden Arbeiter eine kritische Phase beim Bau eines neuen Kernkraftwerks. Auf einem Foto, das von der Zeitung China Daily veröffentlicht wurde, ist der Einbau des Hauptmoduls des kleinen modularen Reaktors (SMR) „Linglong-1' zu sehen. Dieses Ereignis symbolisiert den Übergang der weltweiten Energieversorgung zu kompakteren und, so die Entwickler, sichereren Lösungen. Im Mittelpunkt steht eine Technologie, die das Energieangebot revolutionieren soll, aber auch heftige Debatten unter Experten auslöst.
Technologischer Durchbruch: von Flugzeugträgern zur Küste
Kleine modulare Reaktoren, die ursprünglich für die Versorgung von U-Booten und Flugzeugträgern entwickelt wurden, kommen nun auf den zivilen Markt. Das Funktionsprinzip ist dem herkömmlicher Kernkraftwerke ähnlich: Ein Kernreaktor mit Uranbrennstoff erzeugt durch Spaltung Wärme, die Wasser in Dampf verwandelt, der wiederum Turbinen antreibt. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Größe und der Geschwindigkeit der Inbetriebnahme. Im Gegensatz zu riesigen herkömmlichen Kraftwerken, deren Bau 7 bis 10 Jahre dauern kann, können SMRs bereits in 1,5 bis 6 Jahren in Betrieb genommen werden. Dies wird durch die modulare Struktur erreicht: Einzelne Komponenten werden in Fabriken in Serie produziert und vor Ort wie ein Bausatz zusammengebaut.
Platzersparnis und Sicherheit
Ein Hauptgrund für das Interesse an SMRs ist ihre Kompaktheit. Für die Installation eines solchen Reaktors werden nur 2 Hektar Land benötigt – eine Fläche, die zwei Fußballfeldern entspricht. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Kernkraftwerk beansprucht eine Fläche von 280 Fußballfeldern. Darüber hinaus enthalten SMRs weniger radioaktives Material und werden oft auf mehreren Standorten verteilt. Befürworter der Technologie argumentieren, dass dies die Risiken verringert: Selbst im Falle eines Unfalls oder eines militärischen Angriffs, der zu einer Schmelze des Reaktorkerns führt, wären die Folgen nicht so katastrophal wie im schlimmsten Szenario bei großen Reaktoren.
Widersprüchliche Daten
Trotz des Optimismus der Entwickler weisen Experten auf erhebliche Widersprüche in den Einschätzungen der Effizienz und Sicherheit von SMRs hin. Einerseits behauptet die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), dass SMRs theoretisch 60 bis 70-mal mehr Energie aus Uran gewinnen könnten als herkömmliche Technologien. Andererseits ist die Leistung eines einzelnen SMR deutlich geringer: zwischen 10 und 200 Megawatt im Vergleich zu 1000 bis 1600 Megawatt bei einem herkömmlichen Kernkraftwerk. Das bedeutet, dass für den Ersatz der bestehenden 400 großen Reaktoren Zehntausende kleiner Module gebaut werden müssten, was laut Experten des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz das Gesamtrisiko von Unfällen um ein Vielfaches erhöhen könnte.
Das Abfallproblem: eine globale Herausforderung
Die Frage der Entsorgung radioaktiver Abfälle bleibt für alle Reaktortypen ungelöst. Derzeit gibt es weltweit keine einzige dauerhafte Endlagerstätte für abgebrannten Kernbrennstoff. Bis Ende 2026 wird jedoch die Inbetriebnahme des weltweit ersten Endlagers Onkalo in Finnland erwartet. In einer Tiefe von 430 Metern gelegen, ist es für die Lagerung von bis zu 6500 Tonnen Kernbrennstoff aus fünf finnischen Reaktoren für mindestens 100.000 Jahre ausgelegt. Der Bau von Onkalo begann 2004 und kostete 1,16 Milliarden Dollar. Dieses Ereignis wird zu einem wichtigen Test für die gesamte Branche, einschließlich der neuen SMRs, werden.
Die Zukunft der Energieversorgung: Perspektiven und Risiken
Befürworter von SMRs sehen in ihnen die ideale Lösung für abgelegene Gebiete mit unterentwickelter Infrastruktur, in denen herkömmliche Kernkraftwerke nicht sinnvoll sind. Skeptiker warnen jedoch davor, dass die massenhafte Einführung kleiner Reaktoren neue Probleme im Zusammenhang mit Abfallmanagement und Sicherheit schaffen könnte. Da sich die Technologie noch in frühen Entwicklungsstadien befindet, muss ihre Effizienz noch in der Praxis bewiesen werden. Die Installation von „Linglong-1' in China ist nur der erste Schritt auf diesem langen Weg.