Deutschland beabsichtigt, die Verteidigungsfähigkeiten der Ukraine weiter zu unterstützen. Dies vereinbarten der ukrainische Verteidigungsminister Jewhen Chmara und sein deutscher Amtskollege Boris Pistorius in einem Telefonat, wie das Verteidigungsministerium gegenüber RBC-Ukraine mitteilte. Im Verlauf des Gesprächs bestätigten beide Seiten den Kurs auf eine Vertiefung der militärischen und industriellen Zusammenarbeit vor dem Hintergrund der anhaltenden russischen Angriffe auf ukrainisches Gebiet.

Gespräch vor dem Hintergrund des „Luftterror“

Der Leiter des ukrainischen Verteidigungsressorts dankte Berlin für die wichtige Unterstützung und die Führungsrolle bei der Koordination der Bemühungen anderer internationaler Partner. Chmara informierte Pistorius über die Intensivierung des russischen Luftterrors und wies darauf hin, dass die wichtigsten Bedrohungen für die Bevölkerung und die Infrastruktur weiterhin strahlgetriebene unbemannte Luftfahrzeuge und ballistische Raketen bleiben. Genau diese Waffenkategorien erforderten, so der Minister, die schnellste Reaktion der Luftabwehrsysteme.

Asymmetrische Verteidigung und Priorität der Luftabwehr

Die Ukraine, so Chmara, bilde einen eigenen Verteidigungsplan und setze bereits asymmetrische Maßnahmen um, die praktische Ergebnisse brächten. Gleichzeitig bleibe die möglichst schnelle Stärkung des Schutzes vor russischen Angriffen die wichtigste Priorität. In diesem Kontext werde die Unterstützung durch Deutschland und andere Verbündete als Faktor betrachtet, der es ermögliche, angesichts des anhaltenden Drucks auf die Hinterlandregionen des Landes das Gleichgewicht zu halten.

Finanzierung und Ressourcenprüfung

Gesondert besprachen die Minister die Finanzierung der Verteidigungsbedarfe. Das ukrainische Verteidigungsministerium führe eine Prüfung der vorhandenen Ressourcen und des Humankapitals in den Verteidigungskräften durch. Gleichzeitig bleibe die finanzielle Unterstützung der Partner aus Sicht Kiews von entscheidender Bedeutung für die Nachhaltigkeit der Verteidigungsfähigkeit des Landes. Dies zeige, dass die eigenen Anstrengungen der Ukraine durch den externen Beitrag ergänzt, nicht ersetzt würden.

Gemeinsame Verteidigungsindustrie

Eine weitere Priorität wurde die Entwicklung einer gemeinsamen Verteidigungsindustrie mit dem Fokus auf die Steigerung der Produktion ukrainischer Lösungen und die engere Zusammenarbeit zwischen den Rüstungsindustrien der Ukraine und Deutschlands. Dieser Ansatz zielt auf den Aufbau nachhaltiger Produktionsketten und die Erhöhung des Anteils inländischer Entwicklungen im Arsenal der Streitkräfte ab.

Vorbereitung auf das „Ramstein“-Format

Die Minister bereiteten sich zudem auf die Sitzung im „Ramstein“-Format vor, die nächste Woche stattfinden wird. Das Treffen wird zur Plattform für die Synchronisierung der Positionen der Ukraine und ihrer Partner zu Fragen der Lieferungen, Ausbildung und industriellen Zusammenarbeit dienen. Zur Erinnerung: Deutschland ist einer der wichtigsten Militärpartner der Ukraine – im Sommer wies Berlin weitere 400 Millionen US-Dollar an Militärhilfe zu, die Mittel wurden für Luftabwehrsysteme, Munition und Raketen für Patriot-Komplexe verwendet.