Die Zerstörung der Lagerkapazitäten der pharmazeutischen Produktion trifft nicht nur die fertigen Produkte, sondern die gesamte Lieferkette – von der Wiederherstellung der Produktion und der Qualitätskontrolle bis zur finalen Lieferung in die Apotheken. Dies erklärte Ekaterina Zagoriy, Mitglied des Strategischen Rates des Pharmakonzerns „Darnitsa' und Mitbegründerin der Zagoriy Foundation, in einem Kommentar gegenüber RBC-Ukraine. Ihren Worten zufolge erfordert die Wiederherstellung der Bestände Zeit, und unter Bedingungen regelmäßiger Luftalarme und wiederholter Angriffe wird dieser Prozess zusätzlich erschwert.
Warum es zu früh ist, von einem landesweiten Mangel zu sprechen
Zagoriy betont, dass es unkorrekt wäre, die Situation ausschließlich auf Grundlage der Zerstörung einzelner Lager als landesweiten Medikamentenmangel zu bewerten. Für eine objektive Einschätzung müssen die verlorenen Mengen, die Bestände an anderen Standorten und die Fristen der Folgezulieferungen bekannt sein. Aussagen darüber, ob die Reserven für eine ununterbrochene Versorgung der Patienten ausreichen, sind nur möglich, wenn ein aktuelles Bild zu konkreten Arzneimittelgruppen und Lieferketten vorliegt.
Arzneimittel, die besondere Aufmerksamkeit erfordern
Besondere Aufmerksamkeit, so Zagoriy, gilt jenen Arzneimitteln, bei denen die Möglichkeiten eines schnellen Ersatzes begrenzt sind. Es geht um Präparate mit einer geringen Anzahl an Lieferanten, ohne vollwertige Generika oder mit strengen Anforderungen an die Temperaturregime. Gerade bei solchen Positionen können lokale Unterbrechungen für die Patienten am stärksten spürbar sein.
Auswirkungen auf die Selbstkosten und die Preise
In einer ersten Phase fallen die zusätzlichen Kosten faktisch auf das Unternehmen: Die Firmen müssen größere Sicherheitsbestände vorhalten, diese dezentralisieren und die Logistik duplizieren. Bei Wiederholung ähnlicher Szenarien werden die militärischen Risiken zu einem festen Bestandteil der Selbstkosten und können Druck auf den Endpreis ausüben. Dabei weist Zagoriy darauf hin, dass es wichtig ist, zwischen Hersteller und Apothekenkette zu unterscheiden, da der Endpreis nicht nur vom Hersteller, sondern auch von der Preispolitik der Kette selbst abhängt. September und Oktober werden es ermöglichen, besser zu beurteilen, ob die aktuellen Verluste einmalig sind oder einen systematischen Druck auf die Verfügbarkeit und die Selbstkosten der Arzneimittel ausüben.
Was Patienten vernünftigerweise tun sollten
Unter den gegenwärtigen Bedingungen, so Zagoriy, ist es eine vernünftige Maßnahme, zu Hause eine Hausapotheke und einen Vorrat an der verordneten Menge an Medikamenten vorzuhalten, insbesondere wenn die Präparate dauerhaft eingenommen werden und eine Unterbrechung der Therapie für die Gesundheit riskant ist. Die Expertin ruft nicht zu panischen Käufen auf, empfiehlt aber, die individuellen Besonderheiten der Therapie zu berücksichtigen und den Kurs nicht ohne ärztliche Rücksprache abzubrechen.