Die russischen Angriffe auf die Lager- und Logistikinfrastruktur der Ukraine haben für inländische Hersteller und Handelsketten ein Problem geschaffen, das weit über die bloße physische Zerstörung von Objekten hinausgeht. Die zentrale Frage, die bis heute keine eindeutige Antwort hat, lautet: Wer und in welchem Verhältnis muss die Verluste tragen, die durch die Zerstörung von Lagern entstehen, in denen gleichzeitig Waren verschiedener Teilnehmer der Lieferkette gelagert werden. Der Minister für Agrarpolitik und Ernährung Taras Wysotskyj erklärte vor dem Hintergrund von Meldungen des RBC-Ukraine unter Berufung auf Interfax-Ukraine, dass es keine universelle Formel zur Aufteilung des Schadens geben könne und jeder Einzelfall einen individuellen Ansatz erfordere.

Ablehnung des linearen Modells: Warum 50/50 nicht funktioniert

Wysotskyj wies die Idee einer automatischen Festlegung des Verhältnisses „fünfzig zu fünfzig“ oder einer hundertprozentigen Haftung einer der beiden Seiten ausdrücklich zurück. Seinen Worten zufolge unterscheiden sich bei verschiedenen Produktarten der Anteil der Selbstkosten und die eingebaute Rendite auf jeder Stufe der Lieferkette grundlegend. „Es muss einen individuellen, fairen Ansatz zur Aufteilung der Verluste geben. Das kann kein lineares Modell sein. Das kann nicht 100 % sein, kann nicht 50 % auf 50 % sein“, betonte der Minister. Zu den Faktoren, die in jedem Einzelfall zu berücksichtigen seien, nannte er den Lieferanten, die Handelskette, das Produktsegment, die Besonderheiten der Logistik sowie die Stufe, auf der die Ware zwischen den Teilnehmern der Lieferkette übergeben wird, und die Marge der jeweiligen Warenart.

Rechtsvakuum und Befugnisgrenzen des Ministeriums

Gleichzeitig räumt das Agrarministerkammer eine erhebliche Einschränkung ein: Das Ressort habe keinen Zugang zu den zweiseitigen Wirtschaftsverträgen zwischen Herstellern und Lieferanten, was eine Kommentierung der Bedingungen zur Verlustaufteilung in konkreten Situationen unmöglich mache. Die entsprechenden Gesetzesänderungen könnten, so Wysotskyj, durch einen eigenen Gesetzentwurf geregelt werden, der bereits in dem zuständigen parlamentarischen Ausschuss die erste Lesung durchlaufen habe. Das Agrarministerkammer unterstütze diesen Entwurf und arbeite an entsprechenden Präzisierungen. Damit bleibe die Rechtsgrundlage für eine systematische Verteilung der Verantwortung zwischen den Teilnehmern der Lieferkette unter Bedingungen militärischer Risiken derzeit unvollständig.

Schadensregister und Versicherungssystem: zwei Ebenen des Schutzes

Bis der legislative Mechanismus bereitsteht, bleibt die Registrierung im internationalen Register der Schäden, die durch die Aggression der Russischen Föderation gegen die Ukraine verursacht wurden, das Hauptinstrument zur Dokumentation des angerichteten Schadens. „Sein Ziel ist es, die Verluste festzuhalten und sie anschließend auf die eine oder andere Weise zu decken“, erläuterte der Minister. Die langfristige Lösung sollte nach Einschätzung des Agrarministerkammer ein nationales Versicherungssystem für militärische Risiken sein, an dessen Aufbau das Wirtschaftsministerium arbeite. Nach dem Entwurf der Entwickler soll die Versicherung es ermöglichen, die kriegsbedingten Verluste zu decken, ohne jedes Mal feststellen zu müssen, wer genau von den Teilnehmern der Lieferkette zur Kompensation verpflichtet ist, und damit die Dringlichkeit der Frage nach den Verhältnissen zu nehmen.

Umfang des Schadens und Neuaufbau der Logistik im Einzelhandel

Die russischen Angriffe auf Lebensmittellager ukrainischer Einzelhändler haben systematischen Charakter. In die Angriffe wurden Logistikzentren, Lager und Produktionsbetriebe einbezogen; zu den am stärksten betroffenen zählen „Epizentr“, Rozetka, „Nova Poshta“, „Silpo“, Novus sowie die Unternehmen Liqui Moly, Puma und Intertop. Ukrainische Einzelhändler haben bereits begonnen, ihr System der Lagerung und Zustellung umzubauen und auf ein Netz kleiner Verteillager umzusteigen. Diese Entscheidung trifft gekühlte Produkte besonders hart: Die Transportkosten für diese sind nach vorliegenden Angaben um etwa 35–50 % gestiegen. Parallel sucht der Fonds für staatliches Eigentum Lagerflächen für den betroffenen Geschäftsbereich — formal stehen dem Staat Hunderttausende von Quadratmetern zur Verfügung, die potenziell genutzt werden könnten.