Auf der internationalen Verteidigungsausstellung MSPO-2026 in Polen präsentierte der europäische Entwickler von Luft- und Raumfahrtsystemen mit ukrainischen Wurzeln, Destinus, neue Details zum Langstrecken-Lenkflugkörper Ruta Block 3. Gleichzeitig erklärte das Unternehmen, dass die Systeme der vorherigen Generation – Ruta Block 2 und das verteilte Schlagkraftsystem Kryla – sich in der finalen Testphase befinden und bereit für die Serienproduktion sind. Modelle der Waffensysteme wurden am Stand von Destinus gezeigt, was die Messe zu einer der wichtigsten Plattformen für Ankündigungen im Segment der Lenkflugkörper machte.
Merkmale des Flaggschiffs: Ruta Block 3
Laut Angaben des Unternehmens hat der neue Lenkflugkörper eine Gesamtlänge des Rumpfs von etwa sieben Metern und kann eine Kampfkopfmasse von 250 Kilometern über eine Distanz von mehr als 2000 Kilometern transportieren. Die subsonische Reisegeschwindigkeit liegt zwischen 700 und 900 km/h, als Antrieb kommen selbstentwickelte Turbofantriebwerke – T200, T450 oder T220 – zum Einsatz. Der Start der Ruta Block 3 erfolgt aus einem Standard-40-Fuß-ISO-Container, was die Logistik und die Tarnung der Startposition vereinfacht. Der Entwickler positioniert das System als Waffe, die die Nische einer Reichweite ab 2000 km im Arsenal europäischer Waffensysteme abdeckt und dabei nicht unter die US-Exportbeschränkungen des ITAR fällt. Ein Unternehmenssprecher gab an, dass die ersten Flugtests der dritten Generation für 2027 geplant sind.
Kryla: massiver Durchbruch der Luftverteidigung
Gleichzeitig beschrieb das Unternehmen das System Kryla – eine kompaktere Munition mit einem Turbofantriebwerk T70, die einen 50 kg schweren Kampfkopf über eine Distanz von mehr als 800 km mit einer Geschwindigkeit von 700–800 km/h transportiert. Kryla ist für die Überlastung und den Durchbruch dichter gegnerischer Luftverteidigungssysteme durch massive Angriffe konzipiert. Im Gegensatz zur Ruta Block 3 kann sie mit Hilfe eines Feststoffbeschleunigers aus einem kleineren 20-Fuß-Container starten oder von Transportflugzeugen auf Paletten des Standards 463L. Als herausragendes Merkmal des Systems wird die Unterstützung eines Mesh-Netzwerks für den Datenaustausch zwischen den Munitionsgeschossen direkt in der Luft genannt: Damit lassen sich die Angriffsvektoren koordinieren und die Zeit der Zielerreichung durch verschiedene Systeme synchronisieren, wobei Drohnen als Relaisstationen dienen.
Navigation, Selbststeuerung und Kampfköpfe
Navigation, Selbststeuerung und Kampfköpfe
Beide Waffensystemfamilien nutzen laut Entwickler ein Tiefflugprofil mit Geländefolgen und ein einheitliches Navigationspaket, das ein trägheitsgestütztes System, Satellitennavigation und ein visuelles System zur Orientierungserhaltung bei GPS-Störsignalen kombiniert. Im Endabschnitt wird das Ziel durch eine elektrooptische und infrarote Suchkopf-Einheit mit Algorithmen der künstlichen Intelligenz identifiziert. Ruta und Kryla können je nach Art und Festigkeit des Ziels mit Panzerbrechern, Splitter- oder Sprengkampfköpfen ausgestattet werden. Die Vorversion des Komplexes Ruta Block 2 trägt eine ähnliche Nutzlast von 250 kg, hat jedoch eine geringere Reichweite und fliegt dank eines einzigen T150-Triebwerks mit 600–700 km/h.
Produktion und Exportpotenzial
„Wir arbeiten aktiv am System Ruta Block 3 und planen, die ersten Flugtests der dritten Generation bereits 2027 zu beginnen. Destinus beabsichtigt, eine vollständig unabhängige Produktion dieser Systeme auf europäischem Gebiet aufzubauen, um die Bedürfnisse der Partnerländer zu erfüllen“, erklärte eine Unternehmenssprecherin auf der Messe. Damit setzt das Unternehmen auf einen souveränen europäischen Produktionskreislauf, der nicht von amerikanischen Exportbeschränkungen abhängt, was den Kreis möglicher Käufer unter den Partnerländern potenziell erweitert.
Widersprüchliche Angaben
Bei dem Vergleich von Veröffentlichungen verschiedener Medien zeigen sich Abweichungen in den Zahlen. So wird in der Schlagzeile eines Artikels von nv.ua die Reichweite der Rakete Ruta Block 2 als „über 450 km“ angegeben, während in der Beschreibung am Stand von Destinus und in einer Reihe anderer Quellen die Reichweite der zweiten Version auf über 700 km geschätzt wird. Auch hinsichtlich der Jurisdiktion des Entwicklers liefern die Quellen unterschiedliche Formulierungen: interfax.com.ua charakterisiert Destinus als niederländisches Unternehmen, während es in der Hauptdarstellung des Ereignisses als „europäischer Entwickler mit ukrainischen Wurzeln“ erscheint. Schließlich charakterisiert eine Reihe ukrainischer Medien (nv.ua) den Gründer des Unternehmens als russischen Staatsbürger, der die RF verließ, was eine redaktionelle Rahmung darstellt und in den technischen Materialien der Messe nicht bestätigt wird. Diese Unstimmigkeiten berühren die Tatsache der Präsentation auf der MSPO-2026 nicht, erfordern jedoch Vorsicht bei der Zitierung konkreter Merkmale.
Kontext: MSPO-2026 und weitere Ankündigungen
Die Messe MSPO-2026 in Polen wurde zur Plattform für eine Reihe von Ankündigungen im Segment der Lenk- und Ballistikraketen. So präsentierte „Ukroboronprom“ auf der MSPO erstmals eine Starteinrichtung für die Flugabwehrrakete „Korall“. Zuvor, im August, wurden die Merkmale der Raketen-Drohnen „Palianyzy“ und „Peklo“ bekannt, die erstmals in einem koordinierten Angriff auf die Marinebasis in Noworossijsk eingesetzt wurden. Zur Erinnerung: Bereits im April 2026 erklärte das Unternehmen Destinus den Abschluss der Flugtests der Rakete Ruta Block 2, und die erste Version der Rakete wird bereits von den Verteidigungskräften der Ukraine eingesetzt.