Ukrainische Rüstungsproduzenten, die bereits Technik über das System eBall an die Streitkräfte übergeben haben, können laut dem Ukrainischen Rat der Waffenschmiede seit Monaten keine Bezahlung dafür erhalten. Dies teilte der Exekutivdirektor des Rates, Igor Fedirko, in einem Kommentar gegenüber RBC-Ukraine mit. Nach seinen Angaben beläuft sich die Schuldenlast gegenüber einzelnen Betrieben auf 24 Millionen bis hin zu Hunderten Millionen Hrywnja, und das Problem betrifft alle über eBall abgewickelten Lieferungen.
Liquiditätslücke, die kleine Fabriken trifft
Fedirko betont, dass sich die Folgen der Verzögerungen ungleich verteilen. Für die größten Marktteilnehmer ist eine Verzögerung in Höhe von ein bis zwei Millionen US-Dollar eine unangenehme, aber noch bewältigbare Liquiditätslücke. Für kleine Unternehmen sieht die Lage ganz anders aus: Diese Mittel werden für die Gehälter der Mitarbeiter, den Einkauf von Komponenten und den Start der nächsten Technikpartien eingeplant. Nach Angaben des Ratsvorsitzenden haben bereits einige Betriebe Schwierigkeiten mit der Gehaltszahlung, die Zahlungsverzögerung wandelt sich also von einem Finanzproblem zur Bedrohung der Produktionskontinuität.
Wie das Gesetz Nr. 4908-IX eine neue Abstimmungsrunde hinzugefügt hat
Entscheidend war aus Sicht der Waffenschmiede das am 10. Juni 2026 verabschiedete Gesetz Nr. 4908-IX, und am 24. Juni traten Änderungen in Artikel 28 des Gesetzes über den Staatshaushalt 2026 in Kraft. Die Verteilungsanteile der militärischen Einkommensteuer blieben unverändert: 60 % erhält das Verteidigungsministerium, 30 % die Staatliche Spezialkommunikation, weitere 10 % werden automatisch direkt an die militärischen Einheiten weitergeleitet. Allerdings gab es eine neue Anforderung: Die Verwendungszwecke der Anteile von 60 % (Verteidigungsministerium) und 30 % (Staatliche Spezialkommunikation) müssen nun mit dem Ausschuss der Werchowna Rada für nationale Sicherheit, Verteidigung und Nachrichtendienst abgestimmt werden. Fedirko präzisiert, dass der Ausschuss nicht jede einzelne Gutschrift oder Lieferung, sondern die allgemeinen Verwendungszwecke der Mittel abstimmt – da eBall jedoch genau aus dem Anteil des Verteidigungsministeriums finanziert wird, fiel dieser Zweck automatisch unter die Abstimmungspflicht. Die automatischen 10 % für die militärischen Einheiten wurden von der Anforderung nicht berührt.
Fristen, die es nicht gibt, und Beschwerde beim Verteidigungsministerium und der Rada
Die Waffenschmiede weisen auf zwei systemische Mängel der neuen Bestimmung hin. Erstens fehlte diese Klausel in der ersten Fassung des Gesetzentwurfs und wurde erst bei der Vorbereitung auf die zweite Lesung eingefügt. Zweitens legt das Gesetz keine einzige Frist fest, innerhalb derer der Ausschuss die Abstimmung erteilen muss. Infolgedessen hat das Gesetz, das die Finanzierung des Sicherheits- und Verteidigungssektors um 1,56 Billionen Hrywnja erhöhen sollte, nach Worten Fedirkos faktisch eine zusätzliche Abstimmungsrunde geschaffen, durch die ein Teil der Rüstungsunternehmen nun keine Bezahlung erhält. Auf Seiten des Verteidigungsministeriums ist für diese Richtung die Abteilung für Fähigkeits- und Verteidigungstechnologieentwicklung (DRSOT) – die ehemalige DVTP – zuständig. Fedirko wandte sich an das Verteidigungsministerium, das DRSOT und den zuständigen Parlamentsausschuss mit den Fragen: Wann wurden die Finanzierungsunterlagen für eBall zur Abstimmung vorgelegt, hat der Ausschuss den vollständigen Paket erhalten und wann erhalten die Produzenten endlich die ihnen zustehenden Mittel.
Kontext des Sommers: Ausschreibungen, TTX und das „magische“ Erscheinen der Merkmale
Die Probleme mit der Finanzierung der Verteidigungseinkäufe hat der Rat der Waffenschmiede in diesem Sommer nicht zum ersten Mal angesprochen. Mitte August hatte Igor Fedirko davor gewarnt, dass Verzögerungen bei der Abschluss neuer Verträge aufgrund des Wechsels des Verteidigungsministeriums auf Ausschreibungsverfahren innerhalb weniger Monate zu einem Mangel an Waffen an der Front führen könnten. Als Grund für die Verschiebung nannte man damals das Fehlen der vom Generalstab genehmigten taktisch-technischen Merkmale (TTX), ohne die die Agentur für Verteidigungseinkäufe physisch keine Ausschreibungen ausschreiben konnte. Ende August präzisierte der Rat, dass für die Entwicklung der TTX nicht die Kompetenzzentren, sondern unmittelbar der Generalstab zuständig sei – und bereits am Tag nach der öffentlichen Erklärung Fedirkos „fast magisch“ 80–85 % der zuvor fehlenden Merkmale auftraten und ein Teil der verzögerten Verträge unterzeichnet wurde. Vor diesem Hintergrund wirken die Verzögerungen bei eBall aus Sicht der Branche wie ein weiteres enges Glied in der Abstimmungskette, wo das Geld bereits ausgezahlt sein sollte, aber auf bürokratischer Ebene hängen bleibt.