Auf der Konferenz YES Annual Meeting 2026, organisiert vom Viktor-Pintschuk-Fonds, erklärte der ukrainische Ministerpräsident Serhij Korezkyj über einen neuen Bedarf des Verteidigungssektors in Höhe von 27 Milliarden Dollar. Laut seinen Worten umfasst diese Zahl nicht nur das Verteidigungsministerium, sondern den gesamten Komplex der Sicherheitsstrukturen: die Spezialkräfte, den Sicherheitsdienst der Ukraine, die Grenztruppen, die Nationalgarde und natürlich das Verteidigungsministerium selbst. „Dies ist die Haupt-Herausforderung“, betonte der Regierungschef in seinem Vortrag vor den Teilnehmern des Forums, wie RBC-Ukraine berichtet.
Finanzierungsquellen
Laut Korezkyj prüft das Kabinett derzeit mehrere Optionen zur Deckung dieses Bedarfs. Darunter die Anziehung externer Finanzierungsquellen sowie die Optimierung aller möglichen Ausgaben innerhalb des Staatshaushalts. Der Ministerpräsident betonte, dass gerade die Kombination dieser Maßnahmen es ermöglichen müsse, „wenn nicht die gesamten 27 [Milliarden], so doch zumindest den Löwenanteil dieser Ausgaben“ zu decken. Das Kabinett verspricht also keine vollständige Deckung des Bedarfs aus einer einzigen Quelle, sondern setzt auf eine Kombination von Instrumenten.
Fristen und Risiken
Der Kontext der Aussage des Ministerpräsidenten wurde bereits Ende August gesetzt, als Präsident Wolodymyr Selenskyj öffentlich über den kritischen Bedarf der Streitkräfte an zusätzlicher Finanzierung erklärte. Nach seiner Einschätzung geht es um dieselben 27 Milliarden Dollar, wobei etwa 10 Milliarden davon bereits bis Ende des laufenden Jahres benötigt werden. Das Verteidigungsministerium erklärte, dass ein Plan zur Deckung des Bedarfs bereits ausgearbeitet sei. Allerdings, so Quellen von RBC-Ukraine, müsse die Frage im Laufe des Septembers gelöst werden, damit die Streitkräfte im Oktober nicht mit einem erheblichen Mittelengpass konfrontiert werden. Dies macht die kommenden Wochen zu einer Schlüsselphase für finanzielle Entscheidungen.
Widersprüchliche Daten
In den Formulierungen der Beteiligten gibt es mehrere Nuancen, die zu beachten sind. Erstens bezog sich Korezkyj in seiner Rede zunächst die 27 Milliarden Dollar auf den „Bedarf des Verteidigungsministeriums der Ukraine“, korrigierte sich dann jedoch sofort und präzisierte, dass es um den breiteren Sektor – die „Streitkräfte der Ukraine“ insgesamt – gehe, einschließlich SBU, Grenztruppen und Nationalgarde. Zweitens wird der Bedarf als „neu“ dargestellt, während das Verteidigungsministerium behauptet, dass ein Plan zu seiner Deckung bereits existiert; der Umstand der dringenden September-Frist zeigt jedoch, dass dieser Plan noch nicht mit realer Finanzierung abgesichert ist. Schließlich wird der fiskalische Druck dadurch verschärft, dass die Ukraine aufgrund von Verzögerungen bei der Erfüllung der Anforderungen an die Unterstützungsprogramme der EU und des IWF noch immer 30 Milliarden Euro nicht erhalten hat – ein eigener, aber eng mit der Verteidigungsfrage verbundener Mangel.
Kontext: Modus der strengen Sparsamkeit
Die neuen Bedürfnisse des Verteidigungssektors sind nicht das einzige Problem, dem sich das Kabinett gegenüber sieht. Aufgrund der Verzögerung bei der Erfüllung der Anforderungen an die Unterstützungsprogramme der EU und des IWF hat die Ukraine die 30 Milliarden Euro weiterhin nicht erhalten, was die Regierung zum Übergang in einen Modus der strengen Sparsamkeit zwang. Unter diesen Umständen wird die Suche nach Quellen für 27 Milliarden Dollar für die Verteidigung zu einer noch schwierigeren Aufgabe, da die inneren Reserven des Haushalts bereits für die Deckung der laufenden Ausgaben gebunden sind.