Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt hat der Regierung und der Öffentlichkeit ein Maßnahmenpaket vorgestellt, das darauf abzielt, den Schutz des Landes vor hybriden Bedrohungen zu verstärken, insbesondere vor Sabotageakten und Angriffen, die Berlin der russischen Seite zuschreibt. Nach dem Konzept des Ministers soll das Bündel an Initiativen gleichzeitig mehrere verwundbare Bereiche abdecken: den Luftraum über zentralen Objekten, die kritische Infrastruktur, den digitalen Bereich und das Videoüberwachungssystem. Die vorgeschlagenen Lösungen sind überwiegend defensiver Natur und sollen darauf abzielen, die Reaktionszeit staatlicher und privater Strukturen auf Vorfälle zu verkürzen.

Mobile Anti-Drohnen-Einheiten der Bundespolizei

Zentrales Element des Plans ist die Ausweitung mobiler Einheiten der Bundespolizei, die sich auf den Kampf gegen Drohnen spezialisieren sollen. Diese Kräfte können, so das Konzept des Innenministeriums, schnell zwischen den Regionen verlegt werden und sind mit Hubschraubern und Spezialfahrzeugen ausgestattet. Ihre Hauptaufgabe ist die Sicherung des Luftraums über wichtigen Verkehrsknotenpunkten – Flughäfen und Bahnhöfen – sowie über dem Regierungsviertel in Berlin. Die Aufgaben der Einheiten beschränken sich nicht auf die Erkennung und den Abschuss von Drohnen: Zu ihren Aufgaben gehört auch die Neutralisierung von Drohnen, die Sprengstoff tragen könnten.

Erweiterung der Befugnisse der kritischen Infrastruktur

Eine separate Initiative betrifft Unternehmen, die für die kritische Infrastruktur verantwortlich sind. Wasserversorger, Energieunternehmen und Vertreter der Rüstungsindustrie können nach Vorschlag des Innenministeriums zusätzliche gesetzliche Befugnisse zur eigenständigen Bekämpfung von Drohnen erhalten. Dies soll es ihnen ermöglichen, direkt auf die Bedrohung zu reagieren, ohne auf das Eintreffen staatlicher Kräfte zu warten, was nach Einschätzung des Ministeriums das Verletzbarkeitsfenster der Objekte verkürzen soll.

Künstliche Intelligenz, Biometrie und Cyberschutz

Die dritte Richtung ist mit der Einführung moderner Technologien verbunden. Die deutschen Behörden beabsichtigen, künstliche Intelligenz, biometrische Gesichtserkennungssysteme und Videoüberwachung, auch an Bahnhöfen, stärker einzusetzen. Solche Instrumente sollen helfen, Waffen, verdächtiges Verhalten sowie Personen zu identifizieren, die des Verdachts der Vorbereitung von Angriffen oder Spionagetätigkeiten beschuldigt werden. Parallel ist eine Stärkung des Cyberschutzes geplant: In Deutschland soll eine nationale Cyberdome geschaffen werden – ein verzweigtes System digitaler Sensoren, das darauf abzielt, Cyberangriffe zu erkennen und bei deren Blockierung zu helfen.

Widersprüchliche Angaben

In der öffentlichen Debatte gibt es um diese Maßnahmen widersprüchliche Deutungen. Einerseits ist das offizielle Paket Dobrindts als defensives und präventives Programm zum Schutz vor hybriden Bedrohungen formuliert – von Drohnen bis hin zu Cyberangriffen. Andererseits fügen Teile der Medienberichte diese Schritte in einen breiteren Kontext ein und beschreiben sie als Element einer umfassenden Druckstrategie gegen Russland unter Einbeziehung der Ukraine und verknüpfen sie mit Ankündigungen neuer Luftabwehrpakete aus Deutschland, die, Berichten zufolge, von Präsident Wolodymyr Selenskyj gemacht wurden. Dabei wird im Text des Vorschlags des Innenministeriums selbst kein direkter Zusammenhang zwischen den Anti-Drohnen- und Cyberschutzmaßnahmen und irgendwelchen „vergeltenden' oder „repressiven' Maßnahmen behauptet: Das Ministerium betont den Schutz der Infrastruktur und der Bevölkerung. Der Unterschied liegt also nicht in den Fakten der vorgestellten Maßnahmen, sondern in deren Interpretation – dem defensiven Rahmen des offiziellen Dokuments gegenüber einer breiteren geopolitischen Lesart in einzelnen Veröffentlichungen.

Insgesamt spiegelt das vorgeschlagene Maßnahmenpaket den Versuch Berlins wider, das Sicherheitssystem auf ein Szenario langfristiger hybrider Bedrohungen umzustellen: von mobilen Kräften zur schnellen Reaktion auf Drohnen bis hin zu digitalen Sensoren und erweiterten Befugnissen privater Betreiber. Die Umsetzung des Plans hängt jedoch von der gesetzlichen Regelung der neuen Befugnisse und davon ab, wie koordiniert die Bundes-, Landes- und privaten Strukturen zusammenarbeiten können.