Der Rückzug von Oleksandr Usyk aus dem Schwergewicht hat im Division nicht nur vakante Gürtel hinterlassen, sondern ein echtes Machtvakuum. Im August 2026 versucht die Boxwelt, die neue Realität zu verstehen: Wer wird der nächste „Absolute' im Schwergewicht? Experten und Promoter streiten darüber, welcher der aktuellen Kämpfer in der Lage ist, die Titel zu vereinen und die Dynastie der großen Champions fortzusetzen.

Moses Itauma: Das Phänomen der neuen Generation

Alexander Chepilko, Gründer von LuckyPunch, hebt eine Figur hervor, die zum nächsten absoluten Weltmeister werden könnte – den 21-jährigen Moses Itauma. Trotz nur 14 Kämpfen in seiner Profikarriere zeigt der junge Boxer ein Potenzial, das im Schwergewicht in so jungem Alter selten zu finden ist. Experten sind der Meinung, dass Itauma bereits in den frühen Phasen seiner Karriere, einschließlich des Kampfes in Saudi-Arabien, anders wirkte als seine Altersgenossen – mächtig, technisch und mit einem deutlichen Geschwindigkeitsvorteil.

Das Schlüsselerlebnis des Augusts wird der Kampf von Itauma gegen Filip Hrgović um den IBF-Titel sein, der für den 29. August angesetzt ist. Ein Sieg in diesem Kampf würde Itauma zum zweiten Boxer in der Geschichte machen, der im Alter von unter 22 Jahren zum Junior-Weltmeister im Schwergewicht wird – nach Mike Tyson. Dies ist entscheidend für seinen Status und seine Zukunft in der Division.

Daniel Dubois und Agit Kabaël: Realistische Herausforderer

Daniel Dubois, Inhaber des WBO-Gürtels, wird ebenfalls als ernsthafter Kandidat für die Vereinigung der Titel betrachtet. Seine physischen Daten – Kraft, Geschwindigkeit und Schlagkraft – ermöglichen es ihm, mit jedem Gegner zu konkurrieren. Experten merken jedoch an, dass ihm die Box-IQ und psychische Stabilität fehlen. Dennoch hat Dubois im Konflikt mit Agit Kabaël, dem Inhaber des WBC-Gürtels, Chancen auf einen Sieg.

Kabaël gilt seinerseits als technisch versierter Boxer, aber ohne herausragende körperliche Eigenschaften. Sein Stil ist intelligent, aber nicht zerstörerisch. Das macht ihn verwundbar gegenüber stärkeren und schnelleren Gegnern wie Dubois oder Itauma.

Tyson Fury und Anthony Joshua: Der Sonnenuntergang einer Ära?

Tyson Fury bleibt trotz seines Alters eine einflussreiche Figur in der Division. Sein Vertrag mit Frank Warren und seine Verbindungen zu anderen Top-Promotern ermöglichen es ihm, im Mittelpunkt zu bleiben. Experten zweifeln jedoch daran, dass er zum absoluten Champion werden kann. Fury ist eine Geldmaschine, aber seine Boxform und Motivation werfen Fragen auf. Im Kampf gegen Joshua wird er wahrscheinlich gewinnen, aber die Vereinigung der Titel ist bereits unwahrscheinlich.

Anthony Joshua gilt nach Ansicht der meisten Analysten nicht mehr in der Lage, seinen Status als Champion zurückzugewinnen. Seine Niederlage gegen Prenga war ein Signal dafür, dass seine Zeit vorbei ist. Selbst im Kampf gegen Fury wird er ein klarer Außenseiter sein.

Widersprüchliche Daten

Es gibt Uneinigkeiten bezüglich des Status des WBA Super-Gürtels. Einerseits hat die Organisation Murat Gassiev zum einzigen Champion ernannt, nachdem Usyk den Gürtel freigegeben hatte. Andererseits behauptet Furys Manager Spencer Brown, dass der Gürtel vakant ist und im Kampf gegen Joshua auf dem Spiel stehen kann. Dies schafft Unsicherheit bezüglich des Titels und beeinflusst den Zeitplan zukünftiger Kämpfe.

Auch gibt es Widersprüche in Bezug auf Frank Sanchez. Nachdem Usyk den Gürtel freigegeben hatte, erlangte Sanchez den Status eines obligatorischen Herausforderers, indem er Richard Torres besiegte. Die Promoter entschieden sich jedoch, seinen Kampf gegen Hrgović nicht durchzuführen, sondern stattdessen Itauma gegen Hrgović zu setzen und Sanchez eine Abfindung zu zahlen. Dies wirft Fragen nach Fairness und Transparenz des Prozesses auf.

Die Zukunft der Division: Szenarien für 2027

Wenn Itauma Hrgović besiegt und Dubois Wardley im Rückkampf, wird der nächste Schritt ein Vereinigungskampf zwischen Kabaël und Gassiev sein. Anschließend – ein möglicher Kampf des Gewinners dieses Kampfes gegen Itauma oder Dubois. Ein solches Szenario würde es ermöglichen, bereits 2027 einen neuen absoluten Champion zu schaffen.

Alles hängt jedoch von den Ergebnissen der kommenden Kämpfe ab. Wenn Itauma verliert, könnte die Division einen anderen Weg einschlagen – mit der Dominanz von Dubois oder sogar Fury. Nach Ansicht der Experten ist jedoch Itauma der vielversprechendste Kandidat für den Titel des nächsten Königs des Schwergewichts.