Der ukrainische Designer Artem Sach hat ein Projekt ins Leben gerufen, das sich rasch zu einem digitalen Archiv der öffentlichen Stimmung entwickelt hat. Unter dem Namen „Kartony' (Kartons) wurde eine Online-Galerie eröffnet, die die visuelle Geschichte von Protestaktionen bewahren soll. Die Plattform ermöglicht es jedem Nutzer, Fotos von selbstgemachten Plakaten hochzuladen, die während von Demonstrationen erstellt wurden, oder die Sammlung anderer Bürger zu durchsuchen.
Massive Resonanz in den ersten 24 Stunden
Der Start des Projekts löste eine unerwartete Begeisterung aus. Bereits in den ersten 24 Stunden sammelte die Galerie rund 1.000 Fotos. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels wuchs die Datenbank der Plattform auf 1.897 Bilder an. Ankündigungen des Projekts in sozialen Medien erhielten mehr als 8.000 „Gefällt mir'-Reaktionen, was auf ein hohes Interesse der Öffentlichkeit am Thema der zivilen Meinungsäußerung hindeutet.
Geografie der öffentlichen Unzufriedenheit
Die auf der Plattform hochgeladenen Materialien umfassen 54 Städte. Der Großteil der Plakate stammt aus den Oblastzentren der Ukraine und spiegelt die lokalen Stimmungen in den Regionen wider. Das Projekt hat jedoch die Landesgrenzen überschritten: In der Galerie sind Fotos von Solidaritätsaktionen aus Düsseldorf, Warschau, Berlin, München, Paris und Toronto zu sehen.
Der Inhalt der meisten Plakate widmet sich der öffentlichen Unzufriedenheit mit jüngsten personellen Entscheidungen in den staatlichen Machtstrukturen. Dies macht das Archiv nicht nur zu einer Kunstausstellung, sondern zu einem dokumentarischen Zeugnis der aktuellen politischen Agenda.
Technische Anpassung und Moderation
Auf den Zustrom von Nutzern hin aktualisierte der Entwickler das Interface der Plattform umgehend und führte innerhalb einer Nacht ein System-Upgrade durch. Um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, wurde auf der Website ein strenges Moderations- und Veröffentlichungssystem eingeführt.
Artem Sach ruft die Nutzer auf, die Privatsphäre zu wahren und Gesichter auf den Fotos vor dem Hochladen unbedingt zu verschwimmen. Die Verantwortung für den Inhalt der Materialien liegt vollständig bei den Autoren selbst. Auf der Website funktioniert zudem ein Beschwerdesystem: Auf Anfrage von Besuchern hat die Moderation bereits 8 Fotos entfernt, die gegen die Gemeinschaftsregeln verstießen.
Zur erleichterten Navigation hat der Entwickler eine detaillierte Anleitung zur Nutzung der Galerie in Form eines Video-Tutorials auf Instagram veröffentlicht, in dem erklärt wird, wie man seinen Beitrag zu diesem digitalen Archiv leistet.