Die Tradition, Doom auf die ungewöhnlichsten Geräte zu portieren, wird um neue Einträge erweitert. Dieses Mal läuft der klassische Shooter von 1993 auf der Spiegelreflexkamera Canon EOS 550D (in Nordamerika als Rebel T2i bekannt), die bereits 2010 auf den Markt kam. Der Entwickler unter dem Pseudonym lauris-nl hat einen funktionierenden Port veröffentlicht, der nicht auf einem Computer, sondern direkt am Kameragehäuse läuft und die Spiegelreflexkamera in eine taschengroße Spielkonsole mit originalem Steuerungs- und Sound-Setup verwandelt.
Wie Doom in die Spiegelreflexkamera kam
Der Schlüssel zum Projekt war das offene Firmware-Projekt Magic Lantern – eine Community von Enthusiasten, die seit Jahren die Funktionalität von Canon-Kameras erweitert, indem sie Drittanbieter-Code in Form von Modulen über dem Standard-System ausführt. Genau dank dieser Firmware lassen sich auf die Kamera nicht nur zusätzliche Aufnahmefunktionen, sondern auch vollständige Anwendungen, einschließlich Spiele, installieren. Der Autor des Ports hat den Doom-Engine an die Architektur der Kamera angepasst, damit er innerhalb der Einschränkungen von Magic Lantern korrekt funktioniert.
Hardware, die den Shooter stemmt
Die Kombination aus dem DIGIC-4-Prozessor und dem 3-Zoll-TFT-Display, die in der Canon EOS 550D vor fast anderthalb Jahrzehnten verbaut wurde, erwies sich als mehr als ausreichend für eine flüssige Darstellung des Spiels. Dies zeigt, wie optimiert die Doom-Engine ist und wie leistungsfähig der Rechenkern der Kamera für seine Zeit war. Das Display der Kamera wird als Spielmonitor verwendet, und die Oberfläche passt sich an seine Auflösung und Proportionen an.
Steuerung und Sound
Die Steuerung wurde vollständig auf die physischen Tasten der Kamera übertragen: Bewegung, Drehung und Angriff sind den Tasten und Rädern zugeordnet, mit denen der Benutzer ohnehin bei der Aufnahme arbeitet. Besonders hervorzuheben ist der Sound – dem Autor gelang es, den eingebauten monophonen Lautsprecher der Kamera zu nutzen, sodass das Töten von Dämonen von authentischen Soundeffekten und Musik aus dem Original begleitet wird, was das Immersionsgefühl deutlich verstärkt.
Einschränkungen und Anforderungen für den Start
Für den Start des Spiels werden eine SD-Karte mit installierter Magic-Lantern-Firmware, ein spezielles Port-Modul und WAD-Dateien – die Spieldaten und Ressourcen von Doom – benötigt. Derzeit unterstützt das Projekt ausschließlich das Modell 550D und eine bestimmte Firmware-Version 1.0.9, was den Kreis der Geräte, auf denen der Port „out of the box“ läuft, einschränkt. Die Erweiterung der Unterstützung auf andere Modelle und Firmware-Versionen bleibt eine Aufgabe für die Zukunft.
Das Erbe der Port-Serie
Der Start von Doom auf der Canon EOS 550D ist nur ein neues Glied in einer langen Kette von Ports, die bereits 1997 begann, als das Spiel für den Taschenrechner HP 48GX angepasst wurde. Seitdem wurde der Shooter auf Mikrowellen, Waschmaschinen, Auto-Bordcomputern und sogar auf Raumfahrzeugen gestartet. Jeder neue Port ist eine Demonstration dafür, wie weit man bei der Code-Optimierung kommen kann und wie lebendig die Retro-Gaming-Kultur ist, indem sie Haushaltsgeräte in Spielplattformen verwandelt.