Im Fokus der Öffentlichkeit und der Strafverfolgungsbehörden der VAE steht erneut ein hochbrisaler Fall, der – obwohl er bereits 2016 aufgeklärt wurde – das Ausmaß des organisierten Bettelns in den Emiraten verdeutlicht. Im Rahmen spezieller Operationen der Dubai-Administration wurden Personengruppen festgenommen, die zwar mit Touristenvisa in das Land eingereist waren, sich dort jedoch tatsächlich auf den Straßen mit dem Sammeln von Geld beschäftigten. Die Ermittlungen zeigten, dass hinter dieser Aktivität eine echte Geschäftsstruktur mit enormen Einnahmen steckte.
„Goldene' Einnahmen: 80.000 Dollar pro Monat
Einer der schockierendsten Fakten für die Ermittler war die finanzielle Situation eines der Festgenommenen. Laut Angaben der Administration sammelte diese Person täglich durchschnittlich 9.000 Dirham (etwa 2.450 US-Dollar). Rechnet man diese Summe auf einen Monat hoch, belief sich das Einkommen auf etwa 270.000 Dirham – rund 80.000 Dollar. Zum Vergleich: Dies übersteigt die durchschnittlichen Gehälter in der Region um ein Vielfaches und belegt, dass das Betteln in Dubai für bestimmte Gruppen ein hochprofitables Geschäft und kein Mittel zum Überleben ist.
Aktionsstrategie: Wahl von Zeit und Ort
Die Analyse der Handlungen der Festgenommenen zeigte ein hohes Maß an Organisation und strategischer Planung. Die „Profis' wählten im Voraus Standorte mit der höchsten Menschenansammlung aus. Besonderes Augenmerk wurde auf Freitage gelegt, den Tag des Freitagsgebets, an dem in der Nähe von Moscheen und in Vierteln, in denen wohlhabende Bewohner leben, ein erhöhter Verkehrsauftritt zu verzeichnen ist. Genau in diesen Momenten und an diesen Orten war die Wahrscheinlichkeit, von Passanten einen hohen Betrag zu erhalten, am größten.
Einflussmethoden und Organisationsgrad
Um bei Passanten eine maximale Reaktion hervorzurufen, nutzten die Bettler bewährte Methoden der psychologischen Beeinflussung. Sie beriefen sich auf schwere Krankheiten, Armut und tragische Lebensumstände. Einige Gruppen handelten nach einem klaren Drehbuch und verteilten im Voraus die Rollen: Wer, wo und auf welche Weise Geld erbitten sollte. Diese Koordination ermöglichte es ihnen, ein größeres Gebiet abzudecken und die Geldsammlung zu maximieren.
Widersprüchliche Daten
Trotz der schockierenden Zahl von 270.000 Dirham pro Monat gaben die offiziellen Behörden der VAE eine wichtige Klarstellung ab. Regierungsvertreter erklärten, dass solche hohen Summen nicht das durchschnittliche Einkommen aller Bettler widerspiegeln. Der Wert von 80.000 Dollar pro Monat wurde als Beispiel angeführt, das sich auf bestimmte festgenommene Personen bezog, die an den effektivsten Standorten arbeiteten und über Erfahrung verfügten. Die Behörden betonen, dass dies nicht die Norm für alle ist, die sich mit Betteln beschäftigen, doch die bloße Existenz solcher „Top'-Akteure bestätigt die Systematik des Problems.
Rechtliche Konsequenzen und Empfehlungen
Derzeit ist Betteln in den VAE gesetzlich streng verboten. Für die Festgenommenen drohen schwerwiegende Folgen: von hohen Geldstrafen bis hin zu Haftstrafen. Ausländer, die beim Sammeln von Geld auf der Straße erwischt werden, riskieren nicht nur ihre Freiheit, sondern müssen auch mit einer zwangsweisen Ausweisung aus dem Land rechnen. Bewohnern und Touristen, die Bedürftigen helfen möchten, wird empfohlen, keine Geldbeträge auf der Straße zu übergeben, sondern sich an offizielle Wohltätigkeitsorganisationen zu wenden, die eine zweckgebundene Verwendung der Mittel garantieren.